Die kleinen Bonbons duften wie kanadische Tannen und vermitteln eine erfrischende Geschmacksnote. Verkauft werden sie an einem der kleinsten Stände auf der „Fouer“. Valérian Joannes, in unmittelbarer Nähe der Tramhaltestelle „Faïencerie“, benötigt keine laute Musik, kein Mikrofon. Ein Tisch, minimalistische Deko und ein Lieferwagen, größer ist sein Stand nicht. Doch seine Präsenz reicht und viele „Fouer“-Gäste finden problemlos den Weg zu ihm.
Der Stand ist geprägt von Nostalgie, Traditionen und vielen schönen Erinnerungen. Sein Großvater, Edgard Joannes, hat diese Spezialität im Jahr 1945 aus Kanada importiert, erzählt Valérian Joannes dem Tageblatt. Entdeckt hatte er diese Bonbons in einer Zuckerhütte in der Stadt Trois-Rivières im Süden Quebecs. Seitdem ist die Familie Joannes aus Belgien alleiniger Importeur dieser kanadischen Spezialität.
„Keng Fouer ouni déi Kamellen“
Es war 1947, als Edgard Joannes zum ersten Mal seinen Stand auf dem Glacis errichtete. Seither kam er jedes Jahr wieder zurück. Eine Persönlichkeit in der Geschichte der „Fouer“, die vielen Luxemburgern in Erinnerung geblieben ist.

„Das sind leckere kanadische Bonbons. Als wir Kinder waren, hat uns Oma die immer gekauft“, sagt eine Mutter zu ihren zwei Kindern. Valérian Joannes gibt den Mädchen eine kleine Kostprobe. Die beiden sind von dem erfrischenden Geschmack begeistert. Zwei Tüten kauft die Mutter daraufhin. „Ich kam schon mit meinen Eltern und meinen Großeltern hierher“, erzählt sie dem Tageblatt. „Für uns waren diese Kamellen eine Fouer-Tradition.“ Bedauern tut die Kundin die Tatsache, dass sich die Form verändert habe, der Geschmack sei aber nach wie vor unverwechselbar.
Kurz darauf erscheint Martine aus Luxemburg-Stadt vor dem Verkaufsstand. Sie kennt die kanadischen Bonbons ebenfalls von ihren Eltern und Großeltern. Sie erinnert sich noch gut an Edgard Joannes und seinen Freund, der damals Anisbonbons verkaufte. „Eng Fouer ouni déi Kamellen ass wéi eng Fouer ouni Gromperekichelcher“, betont Martine.
Woraus bestehen die kanadischen Bonbons denn eigentlich? Das Familienrezept ist geheim. Es sind Tannenspitzen und Ahornsirup drin – nur so viel verrät Valérian Joannes. Die kleinen, fast durchsichtigen Kamellen werden auf der „Fouer“ in „cornets“ mit dem bekannten grünen Logo verkauft.
Einmal Marktverkäufer, immer Marktverkäufer
Valérian Joannes wurde quasi ins Marktleben hineingeboren. Schon im Alter von 12 oder 13 Jahren half er im Familiengewerbe aus und war ebenfalls mit dem Freund seines Opas, dem Verkäufer der Anisbonbons, befreundet. „Wir nannten ihn immer liebevoll Tonton Michel“, erzählt er.

Vor einigen Jahren übernahm der junge Mann das Ruder und setzt die Familientradition fort. Auch sein 16-jähriger Sohn ist bereits mit von der Partie.
Auf die Frage, ob Valérian Joannes denn jemals bereit wäre, seinen Beruf zu wechseln, antwortet er laut: „Nein, nie im Leben! Und wenn, dann würde ich Marktverkäufer bleiben. Diese Freiheit, den Kontakt zu zufriedenen Kunden möchte ich nie mehr vermissen.“ Auch wenn er viele Stunden arbeiten muss: Das Leben als „Forain“ würde er für nichts auf der Welt hergeben.
Während der Pandemie, als keine öffentlichen Veranstaltungen stattfanden, setzte der Mann im karierten Hemd seinen Handel fort: mit „livraison à domicile“. Dieses Konzept wird diesen Winter fortführen: Etwa zwei Wochen vor den Weihnachtsfesten liefert er Bestellungen in Luxemburg und Belgien aus. Bestellen kann man unter +32 487 969 446.
Zu Demaart
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