Es ist 11.20 Uhr. Denise Grégorius empfängt uns mit strahlenden Augen und einem Lächeln. Nach und nach treffen ihre Teammitglieder ein, die sie ebenso herzlich begrüßt. Die familiäre Atmosphäre und der Zusammenhalt sind der Gewerbetreibenden wichtige Lebenseinstellungen. Schlaf gibt es während der Schobermesse nur wenig. Obwohl die Inhaberin der „Crêperie bretonne“ seit mehr als zwei Stunden ihre Vorbereitungen trifft, ist von Müdigkeit keine Spur zu sehen.
Die Berufung als „Forain“, in ihrem Fall als „Kirmesgastronomin“, wurde Denise bereits in die Wiege gelegt. Dem Wandergewerbe verpflichtet, sei bereits die Familie ihres Großvaters als Markthändler unterwegs gewesen. Ihre Vorfahren handelten mit Kindertextilien sowie Strick- und Strumpfwaren, wie Denise erzählt.
Zum Kirmesgewerbe als Haupttätigkeit fand die dynamische Dame vor zehn Jahren. Mit dem Marktleben war sie schon seit ihrer Kindheit verbunden. Als Studentin hatte sie ihren ersten „Fouerjob“ im Jahr 1989, in der „Crêperie bretonne“ beim damaligen Besitzer Jean de Contreras. Sie erinnert sich noch gut an diesen Ferienjob. „Das war ein echter Knochenjob. Aber wenn du einmal als Student auf der Fouer gearbeitet hast, meisterst du alles im Leben“, so die heutige Inhaberin der Crêperie.
Zusammen mit ihrem Ehemann, der ebenfalls mit dem Marktleben eng verbunden war, sei man weiterhin im Wandergewerbe tätig gewesen. Denise habe zudem als Angestellte in einer Modehauskette gearbeitet.
Das sei aber nicht ihr Ding gewesen, wie die Pfannkuchenmeisterin erzählt. Vor zehn Jahren kam der entscheidende Wandel. Die „Crêperie bretonne“ stand ein zweites Mal zum Verkauf. Denise und ihr Mann Philippe Asselborn zögerten nicht lange und übernahmen das mobile Restaurant von ihren Freunden.

Kunden und Personal sind vorrangig
Obwohl das Leben als „Forain“ sehr hart sei, bereuen beide diesen Schritt bis heute nicht, wie Denise mit strahlenden Augen erzählt. Während der Schobermesse gehe es morgens gegen 10.00 Uhr los. Feierabend sei meist um 2.00 Uhr. Dennoch vergehe die Zeit wie im Flug. Das Rezept dieser Dynamik? „Es ist mein Traumjob. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als der Kontakt mit Menschen und unseren Gästen eine kleine Reise mit familiärem Ambiente in die Bretagne zu ermöglichen. C’est une fierté!“, betont Denise.
Die familiäre Atmosphäre nimmt man auch als Gast wahr. Die Bedienung stets freundlich, Denise und Philippe sind immer mit einem Lächeln anwesend. Für ihr Personal geben sie alles. Treue Mitarbeiter begleiten das Paar quer durch Belgien und nach Luxemburg. Übernachten tut das Personal in einem eigenen Wohnwagen, einem umgebauten Partybus.
Auch die Gäste fühlen sich wohl. Am Nachbartisch sitzen zwei ältere Herren. Denise lacht und erzählt uns die Anekdote um die beiden Gäste. Eines Tages hätte einer der beiden Männer die Crêperie am Weihnachtsmarkt besucht. Ihm sei kalt gewesen, die Chefin habe ihm eine warme Decke gereicht. Seither komme er täglich zum Mittagstisch.
Verzicht auf Urlaub statt Preissteigerungen
Nebst einer außergewöhnlichen Gastfreundschaft setzen Denise und Philippe auf erstklassige Qualität und Frische. Und dies funktioniere sogar zu Krisenzeiten ohne eine drastische Preiserhöhung. In acht Jahren habe man erstmals die Preise um 50 Cent nach oben korrigiert, unterstreicht die Kirmesgastronomin. „Lieber verzichten wir auf einen Urlaub, als unseren Gästen minderwertige Gerichte zu servieren und die Preise drastisch zu erhöhen“, so Denise. Ihr sei die Qualität des Cidre – übrigens das Original aus dem Val de Rance – sowie die Frische der Austern und die Herkunft des Buchweizenmehls für die Pfannkuchen wichtig.
In der Tat, ein Blick in die Preisliste bestätigt die Aussagen unserer Gesprächspartnerin. Das Preis-Leistungs-Verhältnis für eine derartige Kirmesveranstaltung stimmt durchaus: 22 Euro für ein Zwei-Gänge-Menü inklusive Cidre und Kaffee sind nicht überteuert.

Das Kirmes- und Marktgewerbe – eine große Familie
Ein weiterer Aspekt des Wandergewerbes liegt der Frau aus Arlon am Herzen: die Verbundenheit aller Schausteller und Budenbetreiber. Sie erzählt von ihren Erlebnissen der ersten Schobermesse als neuer Besitzer der „Crêperie bretonne“: „Wir kamen damals mit dem Lkw an und kuppelten diesen los. Wir hatten nicht das richtige Gefühl zum Manövrieren, und so lief einiges aus dem Ruder. Wir waren blockiert, konnten unser Restaurant nicht aufbauen und die Zeit drängte. Dann bemerkte Jean-François, einer der Söhne aus dem Hause ,Jean La Gaufre‘, unser Missgeschick.“ Binnen kürzester Zeit sei es ihm gelungen, ein Dutzend Kirmesleute und Monteure auf dem Glacis zu mobilisieren. „Jeder packte mit an und das Restaurant öffnete pünktlich. Das vergesse ich Jean-François und den Helfern nie“, erzählt Denise.
Trotz viel Arbeit während der Kirmesveranstaltungen bleibt immer noch etwas Zeit zum Feiern. So feiere beispielsweise der Vorsitzende des Schaustellerverbandes aus Deutschland seinen Geburtstag mit Freunden in der „Crêperie bretonne“, schildert die Pfannkuchenköchin.
Die Einschränkungen der Pandemie zerstörten so manche Existenzen. Philippe und Denise ließen sich nicht davon beeindrucken und suchten nach einer Lösung. In Arlon eröffnete das Paar einen Imbiss, natürlich mit salzigen und süßen Pfannkuchen. Das Lokal, das sich in der Grand-rue befindet, ist von montags bis freitags geöffnet. Die Kundschaft zum Mittagstisch bestehe vorwiegend aus Studenten sowie einer lokalen Kundschaft, die gerne ihre Mittagspause mit einem Hauch des bretonischen Flairs verbringt, so die Inhaberin.
Die „Crêperie bretonne“ feiert kommendes Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Denise und Philippe sind stolz, diese Tradition fortzuführen.
Zu Demaart
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