Vor einem Jahr bereitete sich die Karateka Allison Berna des KC Strassen am 4. Februar ein schönes Geburtstagsgeschenk: Sie gewann bei der EM der U21 in Sotschi (RUS) die Silber- medaille. Jetzt geht es für die 20-Jährige zurück auf das EM-Tatami, mit der Hoffnung auf ein ähnlich gutes Ergebnis.

Von Marc Biwer

Tageblatt: Wird die EM 2019 Ihre letzte Meisterschaft im Jugendbereich sein?
Allison Berna: Das kann man heute noch nicht sagen, weil das genaue Datum der Austragung der Jugend-EM 2020 in Ungarn noch nicht feststeht. Man weiß bisher lediglich, dass sie im Februar stattfinden wird. Sollte sie nach meinem Geburtstag ausgetragen werden, dann kann ich aufgrund meines Alters nicht mehr teilnehmen. Die Teilnahme-Berechtigung wird nämlich auf das genaue Alter berechnet.

2018 haben Sie die Silbermedaille gewonnen. Erhöht das den Druck oder erleichtert es die Aufgabe, weil Ihnen die Gegnerinnen mehr Respekt entgegenbringen?
Unter Druck will ich mich keinesfalls stellen, weil mich eine andere Herausforderung erwartet. Ich werde in einer anderen Gewichtsklasse kämpfen als noch in Sotschi. Damit Kimberly Nelting und ich uns bei internationalen Wettkämpfen nicht gegenseitig die Startplätze wegnehmen, bin ich von der Kategorie -61 kg in die von -68 kg aufgestiegen. Damit erwarten mich ganz andere Gegnerinnen als noch vor Jahresfrist. Ich werde deshalb versuchen, es genau so zu machen wie vor einem Jahr. Ich schaue mir meine Gegnerinnen an und versuche, unbekümmert in die Kämpfe zu gehen. Meine Konkurrenz weiß aber natürlich, dass ich Vizeeuropameisterin bin, das könnte vielleicht ein kleiner Vorteil sein. Ich glaube aber eher nicht daran, dass sie das beeinflussen wird.

Wie groß ist die Freude auf das Turnier in Aalborg?
Riesig. Ich weiß ja nicht, ob es meine letzte Jugend-EM sein wird. Ich werde versuchen, alles zu genießen. Die JEM ist etwas Besonderes, es wird noch nicht so verbissen gekämpft wie im Seniorsbereich. Außerdem ist man experimentierfreudiger. Von den Juniorinnen zu den U21 ist schon eine Steigerung erkennbar, und von den U21 zu den Seniors wird der Umstieg noch schwieriger sein.

Waren Sie enttäuscht, dass man Sie nicht zur WM nach Madrid geschickt hat?
Eigentlich nicht. Ich habe mich von Anfang an auf die Jugend-EM vorbereitet. Ich genieße die Zeit, in der ich noch bei den U21 mitmischen darf. Der Aufstieg in den Seniorsbereich kommt noch früh genug.

Es gab zuletzt reichlich Wirbel um die FLAM und auch um den Nationaltrainer. Belastet das Sie oder andere Sportler?
Zum Glück ist das recht gut an uns vorbeigegangen. Wir haben uns gänzlich auf das Training konzentriert und alles rundherum ausgeklammert. Alles andere hätte keinen Sinn gemacht und nur für Unruhe während der Vorbereitungen auf die EM gesorgt. Wir waren eine geschlossene Gesellschaft und ich glaube, dass das ganz gut geklappt hat.

Ist es möglich, sich nach dieser Silbermedaille noch weiter zu steigern?
Wenn ich bei einem Wettkampf antrete, ist mein Ziel immer die Goldmedaille. Aber damit stehe ich nicht allein da. Ein Kampf im Karate verläuft immer anders. Ich trete in einer neuen Kategorie an und kenne nur wenige Gegnerinnen. Vieles hängt auch von der mentalen Verfassung an dem Tag ab. Aber ich werde versuchen, alles so zu machen wie letztes Jahr. Nach den Erfolgen von Kimberly Nelting, Laura Hoffmann und mir wird Luxemburg nicht mehr unterschätzt. Die Goldmedaille ist also nicht unmöglich. Ich würde aber nicht zutiefst enttäuscht sein, wenn es nicht zu Gold reichen sollte. Ein Podiumsplatz wäre ein tolles Ergebnis und das ist auch mein Ziel.

Was sind ansonsten Ihre großen Ziele im Karate?
Da muss ich nicht lange überlegen, die Olympischen Spiele sind mein großer Traum. Ich weiß, dass es für die Spiele 2020 in Tokio nicht mehr reichen wird, aber es wäre schön, wenn ich 2024 in Paris dabei sein könnte. Darauf werde ich hinarbeiten.

In Sotschi war der Teamgeist sehr groß. Inzwischen sind die Vereine allerdings untereinander etwas zerstritten. Wirkt sich das auch auf die Sportler und auf deren Leistung aus?

Überhaupt nicht. Wir halten zusammen und lassen uns nicht von außen beeinflussen. Wir werden eine noch größere Mannschaft haben als in Russland und die Stimmung innerhalb vom Team ist hervorragend. Wir werden wieder eine tolle Atmosphäre in die EM hineinbringen, jeder wird jeden unterstützen. Der Zusammenhalt ist riesig – und gemeinsam sind wir stark.


Gibt es einen weiteren Medaillentraum?

Die Saison 2017/18 ging mit dem WM-Titel von Kimberly Nelting und der Silber- bzw. Bronzemedaille von Allison Berna und Laura Hoffmann bei der EM der U21 in die FLAM-Geschichte ein. An diesem Wochenende findet die Neuauflage dieser EM statt – mit der brennenden Frage, ob das Team von Michael Lecaplain diesen Medaillentraum fortsetzen kann.

1.092 Karateka (1.115 Einsätze) aus 51 Ländern sind für die 46. Europameisterschaften der Junioren und Cadets sowie die 11. U21-Europameisterschaft in Aalborg eingeschrieben. Das ist ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr in Russland (988/41). Luxemburg wird in Dänemark mit 12 Sportlern antreten – das sind drei mehr als im Vorjahr. Bis auf Philippe Biberich und Tiago Costa, die altersbedingt nicht mehr kämpfen dürfen, ist es das Team von Sotschi. Nur dass diese sieben Hoffnungsträger um ein Jahr älter und erfahrener sind.

Auf der anderen Seite darf man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Es gab trotzdem Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Kimberly Nelting wechselte von der Juniorinnen- in die U21-Kategorie (-61 kg). Allison Berna muss sich aus diesem Grund mit einer höheren Gewichtsklasse abfinden. Beide Sportlerinnen haben aber das Zeug zum Podium, Nelting mit ihrer Kampfstärke und Berna mit ihrer Besonnenheit. Auch Laura Hoffmann, die es vor Jahresfrist trotz Fußverletzung zu Bronze schaffte, kann mit ihrem Einsatzwillen erneut Berge versetzen. Nicht dabei war Jordan Neves, der aber zu den großen FLAM-Hoffnungen zählt und in Aalborg auf den Durchbruch hofft. Gut gekämpft, aber etwas Pech war das letztjährige Resultat von Laura Zantis und Céline Henry. Sie alle komplettieren die starke U21-Kategorie, zu der auch Neuling Dylan Leite gehört.

Lehrgeld musste im letzten Jahr Anyssa Martins zahlen, die Kaylerin könnte es in diesmal weit bei den Cadettes schaffen. Auch David Marques nimmt einen neuen Anlauf, dies bei den Junioren. Louisa Broich (Jun.), Clairisse Moens und Anne Steinmetz (Cad.) betreten in Aalborg EM-Neuland.


Jugend-EM

Das Aufgebot der FLAM:
U21: Allison Berna (Kumite, -68 kg), Céline Henry (Kata), Laura Hoffmann (Kumite, -55 kg), Dylan Leite (Kata), Kimberly Nelting (Kumite, -61 kg), Jordan Neves (Kumite, -67 kg), Laura Zantis (Kumite, +68 kg)
Junioren: Louisa Borch (Kata), David Marques (Kumite, -76 kg)
Cadets: Anyssa Martins (Kumite, -54 kg), Clarisse Moens (Kumite, -47 kg), Anne Steinmetz (Kara)

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