Es ist die Chance ihrer bisherigen Fußballkarriere. Wenn Düdelingen noch ein Wörtchen um die Teilnahme am 1/16-Finale der Europa League mitreden will, muss der amtierende luxemburgische Meister heute gegen Apoel Nikosia punkten. Der Gegner aus Zypern ist nach der 3:4-Hinspielniederlage jedoch auf Revanche aus.

Von Dan Elvinger

Die Ausgangslage vor dem Rückspiel zwischen den beiden Serienmeistern ist einfach. Gewinnt Apoel Nikosia, wächst der Vorsprung der Zyprer auf die Düdelinger auf vier Punkte an und der Traum des F91 von der Teilnahme an der nächsten Runde ist vorbei. Holt der F91 mindestens einen Punkt, entscheidet sich am letzten Spieltag, welches Team zusammen mit dem FC Sevilla in das 1/16-Finale der Europa League einzieht. Düdelingen trifft am 12. Dezember zum Abschluss auf Qarabag Agdam, während Apoel gegen den bereits feststehenden Gruppensieger aus Andalusien ran muss.

Auf Tom Schnell und seine Teamkollegen wartet heute ein heißer Tanz. Im Hinspiel blamierte Düdelingen die Zyprer beim 4:3-Sieg vor eigenem Publikum, weshalb Apoel auf Revanche sinnt. „Wir haben die große Chance, unseren zweiten Platz mit einem Sieg zu verteidigen und nach dem Spiel vielleicht zu feiern. Aber Düdelingen hat auch noch seine Chancen auf das 1/16-Finale und deshalb wird es ein hochinteressantes Spiel“, sagte Apoels deutscher Trainer Thomas Doll gestern.

Seit der Schlappe gegen den F91 hat Nikosia kein Spiel mehr in der Meisterschaft verloren. In der Europa League gab es eine knappe 0:1-Niederlage gegen den FC Sevilla sowie einen Sieg (2:1) und ein Unentschieden gegen Qarabag (2:2). „Nach der Niederlage gegen Düdelingen war jeder geschockt. Wir haben uns zu viele Fehler geleistet. Seitdem sind Wochen und Monate vergangen und wir sind stabiler geworden. Jeder hat jetzt verstanden, wie wir spielen wollen“, ist Doll überzeugt. Im gleichen Wettbewerb musste der F91 seit dem Sieg auf der Mittelmeerinsel in drei Spielen zwölf Gegentore einstecken, zeigte aber auch eine bravouröse zweite Halbzeit gegen den FC Sevilla (2:5).

Andere Rahmenbedingungen

„Die Rahmenbedingungen sind diesmal anders als beim Hinspiel. Für Apoel ist es wohl die letzte Chance, sich zu qualifizieren, weil sie am letzten Spieltag gegen Sevilla antreten müssen. Wir haben etwas weniger Druck, aber wir gehen nicht ohne Ambitionen ins Spiel. Wir haben noch alle Karten in der Hand und wollen Nikosia besiegen“, sagte F91-Trainer Bertrand Crasson.

Freuen darf sich der ehemalige belgische Nationalspieler auf einen Rückkehrer. Mittelfeldregisseur Mario Pokar hat sich schneller von seinem Innenbandriss erholt als zunächst gedacht und wird heute zumindest auf der Bank Platz nehmen. „Er wird nicht in der Startelf stehen, aber für die zweite Hälfte können seine Erfahrung und seine Passsicherheit uns weiterhelfen“, sagte Crasson.

Apoel kann in Bestbesetzung antreten und wird laut Schätzungen des Vereins von 600 bis 700 Fans unterstützt, die u.a. aus Zypern, London, Brüssel und Frankfurt nach Luxemburg anreisen. „Wir sind darauf eingestellt, dass sie uns unter Druck setzen werden. Aber wir wollen auch Fußball spielen, Tore erzielen und am Ende gewinnen. Wir haben Lust darauf, den Erfolg aus dem Hinspiel vor unserem Publikum zu wiederholen. Aber auch ein Unentschieden würde uns reichen im Hinblick auf den letzten Spieltag“, sagte F91-Mittelfeldspieler Charles Morren 24 Stunden vor dem entscheidenden Duell gegen die Zyprer.


180 Minuten zum Aufpolieren: Ein Blick auf die Statistiken des Luxemburger Meisters in der Europa League

 

Zweimal 90 Minuten bleiben den F91-Spielern noch, um die persönlichen Statistiken in der Europa League aufzupolieren. Danel Sinani steht auf Platz zwei der Toptorschützenliste, Spielmacher Mario Pokar weist trotz Verletzungspause interessante Werte auf. Ein Blick auf die Zahlen.

Von Christelle Diederich

Ballbesitz: Vor dem letzten Heimspiel der Gruppenphase unterstreichen die UEFA-Zahlen die Erkenntnisse der letzten Wochen noch einmal deutlich. In keinem seiner vier Spiele der Gruppenphase war Düdelingen bisher die spielbestimmende Mannschaft: Aufgrund der Taktik, sich auf Konterchancen zu konzentrieren, ist der Ballbesitz dementsprechend gering gewesen. Von 43 Prozent in Nikosia ging es stetig nach unten. Im Heimspiel gegen Sevilla Anfang November waren es noch 31 Prozent. Dies hinderte den Luxemburger Meister aber nicht daran, den Spaniern ihre ersten Gegentore der EL-Saison einzuschenken.

Pässe: Eine der Ausgangslagen für die sieben Tore sind erfolgreiche Pässe. In dieser Liste gibt es vor dem Nikosia-Heimspiel einen klaren Leader, Sabir Bourgine. 95 Prozent seiner Bälle landeten bei einem Mitspieler. Mit seinen 108 (von 114) erfolgreichen Pässen führt der 23-jährige Belgier die Liste der besten Passgeber des F91 an. Es folgen Mickaël Garos (93%) und Mario Pokar (91%). Den schlechtesten Wert weist übrigens Torwart Jonathan Joubert auf. Zu erklären sind die 56 Prozent (59 von 106 Pässen) durch seine weiten Abschläge, die von der gegnerischen Mannschaft abgefangen wurden. Beim heutigen Gegner Apoel weist übrigens kein Akteur eine Passgenauigkeit von über 90 Prozent auf. Besonders F91-Spielmacher Mario Pokar könnte bei einem Einsatz gegen den zyprischen Champion einen großen Sprung nach vorne machen. Der Ballverteiler hat in nur zwei Spielen (162 Minuten Einsatzzeit) 124 Pässe aufzuweisen, von denen 113 erfolgreich waren. Über die gesamten 360 Minuten landeten 81% der F91-Zuspiele (1.127 von 1.385) beim gewünschten Mitspieler. Als kleiner Vergleich: Mit 416 (von 435) Pässen ist FC-Sevilla-Mittelfeldspieler Nemanja Gudelj derzeit der erfolgreichste Passgeber der Europa League. In diese Top 10 haben es zudem seine Mitspieler Jules Koundé, Franco Vazquez und Sergio Escudero geschafft.

Tore: Auch bei den Toren hat der fünffache Europa-League-Gewinner FC Sevilla die Nase in der Gruppe A vorn. Nur AZ Alkmaar (Gruppe L) hat ein Tor mehr geschossen als die Spanier. Im Durchschnitt traf der F91 in seinen vier Spielen 2,33-mal pro Begegnung. Entstanden sind die sieben Tore aus 37 Torschüssen – von denen 16 platziert waren. Treffsicherster Düdelinger ist bekanntlich Danel Sinani, der im laufenden Wettbewerb auf Platz zwei der Torschützenliste geführt wird, hinter Munir (FC Sevilla). In den 96 Partien der Gruppenphase fielen 262 Tore. Bei der Aufteilung in Spielabschnitte fielen die meisten davon zwischen den Minuten 61 und 75. Die Düdelinger bilden da keine Ausnahme: Sie trafen in den Minuten 36, 51, 72, 80 gegen Apoel, 90 gegen Qarabag und 69 und 80 gegen Sevilla.

Defensive: Mit 30 abgewehrten Torschüssen hat Jonathan Joubert in vier Spielen überzeugt. Im Schnitt kassierte der F91 trotzdem 3,8 Gegentreffer pro Partie.
Bertrand Crasson setzte 19 verschiedene Akteure ein, die insgesamt 68 Fouls begingen (und selbst 35-mal gefoult wurden). Neunmal gab es dafür Gelb. Mickaël Garos war in den ersten vier Begegnungen der einzige Düdelinger, der den Rasen vorzeitig verlassen musste. Er sah gegen Qarabag Gelb-Rot (62.).

Quote: Nur ein Spieler aus der BGL Ligue hat bisher mehr Tore im Europapokal auf dem Konto als Danel Sinani: Omar Er Rafik. Der ehemalige F91-Spieler erzielte seine größten internationalen Erfolge mit Déifferdeng 03. In 23 Spielen traf er 15-mal. Dies ist eine Quote von 0,65 Toren pro Spiel. Bei Sinani (28 Spiele, 13 Tore) sind es 0,49 Treffer pro Einsatz. Würde er heute doppelt ins Schwarze treffen, läge er danach bei 0,53.

 

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