Die Olympischen Spiele werfen ihre Schatten voraus. Die Athleten befinden sich in der Qualifikationsphase für Tokio 2020. Im Triathlon ist der Weg dorthin lang, teuer und beschwerlich, vor allem wegen des komplizierten Qualifikationsmodus.

von unserem Korrespondenten Marc Biwer

Die „Road to Tokyo 2020“ ist gepflastert und teuer. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele führt primär über die Olympia-Rangliste und sekundär über die Weltrangliste. Punkte für beide Rankings werden bei großen Wettkämpfen vergeben, die quer über den Globus ausgetragen werden. Je höher die Wertigkeit, desto mehr Punkte werden vergeben.

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Die Punkte für die Sieger

  • 1.250 P.: WM-Finale (29. August in Lausanne)
  • 1.250 P.: Olympia-Test-Event (15. August in Tokio)
  • 1.000 P.: World Triathlon Events (8 WM-Läufe)
  • 500 P.: World Cup
  • 400 P.: kontinentale Meisterschaften
  • 250 P.: kontinentale Cups (z.B. Europapokal)

(Punkte werden an die ersten 50 Athleten vergeben, sofern sie nicht mehr als 5% hinter der Siegerzeit eintreffen – bei Sprints (750 m/20 km/5 km) werden nur 80% der Punkte vergeben.)

Die erste Hürde, die zu meistern bleibt, ist die Teilnahme an diesen Top-Wettbewerben. Die Teilnehmerzahl ist jeweils begrenzt, nur die besten der Weltrangliste dürfen starten. Um Punkte zu bekommen, muss man also schon Punkte auf dem Konto besitzen. Luxemburg ist mit seinen Olympiakandidaten mehr oder weniger gut platziert, um bei den WM-Läufen antreten zu dürfen, noch fehlen aber ein paar Punkte. Oliver Gorges, Bob Haller, Gregor Payet und Stefan Zachäus müssen sich diese bei Welt- und Europacups verdienen. Gorges wird sich wohl auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris konzentrieren.

Die Olympia-Rangliste:
Staffel:
1. Team I Australia 2.525,00 P.
2. Team I USA 2.395,63
3. Team I France 2.334,50
4. Team I Great Britain 2.703,20
5. Team I New Zeeland 1.909,00

Einzel:
1. Mario Mola (ESP) 6.481,25 P.
2. Luis Vincent (FRA) 4.768,82
3. Jacob Birtwhistlen (AUS) 4.297,34
4. Richard Murray (RSA) 4.296,12
5. Tyler Mislawchuk (CAN) 3.563,23
30. Dorian Coninx (FRA) 1.635,83
67. Richard Varga (SVK) 852,67
(letzter olympischer Startplatz)
78. Gregor Payet (LUX) 682,37
85. Stefan Zachäus (LUX) 616,46
87. Bob Haller (LUX) 597,08

Kriterien für einen Olympiastart

Es ist aber nicht so, dass je mehr Rennen man bestreitet, desto mehr Punkte man auf dem Konto vereint. In der Qualifikationsperiode vom 11. Mai 2018 bis 11. Mai 2020 werden ausschließlich die zwölf besten Ergebnisse auf das Olympia-Ranking addiert. Um etwa verletzte Triathleten nicht zu benachteiligen, wurde die Phase in eine erste (11. Mai 2018 bis 20 Mai 2019) und zweite Periode (11 Mai 2019 bis 20. Mai 2020) mit jeweils einem Maximum von sieben Resultaten unterteilt. Man kann also die fünf und sieben besten Ergebnisse oder die besten sechs und sechs Resultate pro Periode anrechnen.

Die vom internationalen Verband ausgegebenen Kriterien für einen Olympiastart sind anders als für Rio 2016. Die großen Länder erhalten die Quotenplätze nicht mehr automatisch. In Tokio (24. Juli bis 9. August 2020) werden 110 Startplätze im Triathlon vergeben, je 55 für Damen und Herren. Je zwei (vier im Total) Startplätze gehen an das Ausrichter-Land und je zwei (vier) werden per „wild card“ verteilt (genannt „tripartite commission invitation“).

Je 46 Startplätze führen über die Olympia-Rangliste. Aber auch bei diesem Kriterium hat die ITU ein Hindernis eingebaut, denn die ersten 20 Plätze werden an Staffeln vergeben. Neben dem Einzelklassement wurde ein Ranking für das „Mixed Relay“ und seine Staffelrennen eingeführt. Die zehn führenden Mannschaften (Nationen) erhalten die ersten Startplätze für Tokio. Bei je zwei Damen und zwei Herren pro Staffel sind das insgesamt 40 Startplätze. Da Luxemburg über keine gemischte Staffel verfügt, kann man nicht hiervon profitieren. Schade, denn die Staffel ist quasi die Abkürzung nach Japan.

Quoten-Regelung

Je 26 weitere Startplätze werden im Einzel-Ranking an den Mann gebracht, berechnet nach der Platzierung in der Olympia-Rangliste. Sollte ein Athlet bereits über die Staffel qualifiziert sein, wird der Platz an den nächsten Rang vergeben, bis alle 26 Startplätze besetzt sind. Eine weitere Voraussetzung, die für alle Teilnehmer gilt, ist, dass man in den Top 140 der Olympia- und Top 180 der Weltrangliste figurieren muss.

Um möglichst viele Nationen im Rennen zu sehen, werden die restlich fünf Startplätze als „new flag“ besetzt, also an ein Land pro Kontinent, das noch nicht qualifiziert ist. Der nächst bestplatzierte Athlet jedes Kontinents ist bei Olympia dabei. Hierbei wird aber nicht das Olympiaranking berücksichtigt, sondern die Weltrangliste. Ist kein Athlet eines Kontinents in den Top 180 vertreten, geht der Startplatz wiederum an die nächste Platzierung der Olympia-Rangliste.

Eine letzte Erklärung bedarf die Quoten-Regelung. Pro Nation gibt es ein Maximum an drei Startplätzen. Diese werden nur an Länder vergeben, die mit mindestens drei Triathleten in den Top 30 des Olympiarankings vertreten sind. Aktuell trifft das nur auf Spanien und Frankreich zu. Danach werden maximal zwei Startplätze pro Nation vergeben, je nach Platzierung in der Olympiarangliste. Hat eine Nation ihre Quote erreicht, fällt der nächste Startplatz an den darauffolgenden Athleten des Rankings.

Eine letzte wichtige Bemerkung wäre, dass die Startplätze an die Nationalen Olympischen Komitees (NOCs, z.B. COSL) vergeben werden und nicht an den betreffenden Sportler.


So sieht’s in der Praxis aus

  • Mario Mola führt die Welt- und Olympia-Rangliste deutlich an, erhält aber „nur“ den 23. Startplatz
  • der Italiener Davide Uccellari (41) liegt im Olympia-Ranking hinter seinem Landsmann Delian Stateff (35.), ist aber via Staffel qualifiziert;
  • der letzte reguläre Startplatz geht an den Slowaken Varga (67.);
  • Gregor Payet (78.) ist bester Luxemburger, liegt vor dem Holländer Van der Stel (83.), der aber via Staffel qualifiziert ist;
  • sechs qualifizierte Athleten figurieren nicht in den Top 50 des Olympia-Rankings;
  • 28 der 53 Triathleten von der Simulation stehen in den Top 30 des Olympia-Rankings;
  • Luxemburg wäre aktuell in Tokio dabei, mit Stefan Zachäus, der als 87. der ITU-Weltrangliste den europäischen „New flag“- Startplatz erhält, aber nur 41,17 Punkte mehr als Frantisek Lindsuka (CZE) hat;
  • da Ozeanien keine „new flag“ beanspruchen kann, verfällt dieser Startplatz an den Brasilianer Colucci (Nr. 73 im Olympiaranking), Payet (78.) wäre nach Linduska (77.) der Übernächste;
  • 24 Nationen (ohne „new flag“ und Wildcard) sind im Startfeld der Männer vertreten, 3 Nationen mit 3 Sportlern und 16 mit 2 Athleten;
  • wenn Payet, Zachäus oder Haller in der ersten Periode 170, 236 bzw. 255 Punkte gegenüber Varga gutmachen, wäre Luxemburg regulär vertreten;
  • für zwei Startplätze müsste das Trio (bzw. mindestens 2 von ihnen) 460, 526 bzw. 545 Punkte aufholen.

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