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Landwirtschaftliche Betriebe müssen nicht nur Fleisch, Milch oder Getreide produzieren. Vor 15 Jahren hat Claude Reckinger umgesattelt und stellt nun Hackschnitzel her. 10 Uhr in Oberglabach. Das Navi findet den Weg zum Hof von Landwirt Claude Reckinger nicht. Es lotst über kleine Straßen durch Wiesen, Wälder und Felder – immer im Kreis. Die Aussicht ist schön, bei dem sonnigen, kalten Wetter. „Als ich das Auto sah, dachte ich mir, dass Sie es sein müssen“, so der Unternehmer später. Oberglabach ist klein. In dem Dorf in der Gemeinde Nommern gibt es mehr Nutztiere als Einwohner. Auf dem Hof von Claude Reckinger entstehen nicht nur Nahrungsmittel, auch Energie wird hier produziert. Die Dächer der zahlreichen Hallen und Ställe sind allesamt mit Fotovoltaikanlagen bedeckt. „650 Kilowatt Strom, mehr als wir brauchen.“ Das Hauptprodukt sind aber kleine Holzstücke, die als erneuerbarer Brennstoff dienen. „Vor 15 Jahren haben wir damit begonnen, zusätzlich Hackschnitzel herzustellen“, erinnert sich der Unternehmer. Nicht sehr verbreitet Damals war sein Haupterwerb die Viehzucht. Das Heizen mit Hackschnitzel war noch nicht sehr weit verbreitet. „Im Laufe der Zeit wurde das Heizöl immer teurer“, erklärt Reckinger. Die Preise für klassische landwirtschaftliche Produkte stiegen nicht im gleichen Maßstab. Mittlerweile hat sich aus dem Nebenerwerb ein Fünf-Mann-Betrieb entwickelt, aus dem Landwirt wurde ein Geschäftsführer, die Schweinehaltung wurde zum Nebenerwerb. Bei „Reckinger Maschinen-Service“ dreht sich alles um Hackschnitzel, von der Beschaffung des Rohmaterials bis hin zur Auslieferung des fertigen Produktes. „Wir fahren mit unseren Maschinen in den Wald – oder dort, wo das Holz des Kunden liegt“, sagt Reckinger. Das wichtigste Arbeitsgerät ist der Häcksler. 700.000 Euro kostete die Maschine. „Er kann Stämme mit einem Durchmesser von bis zu 95 cm verarbeiten“, erklärt Mitarbeiter Kim Scheuren. Außerdem könnte so der gesamte Baum verwertet werden, vom Stamm bis zum Blatt. Um den Hunger der Maschine zu stillen, reicht eine Bezugsquelle nicht aus. „Unser Holz stammt zum Teil aus Durchforstungen, wir arbeiten aber auch für Gemeindeverwaltungen“, erklärt Reckinger. Das Unternehmen führe ebenfalls Problemfällungen durch. „Wenn ein Baum in Ihrem Garten zu hochgewachsen ist, können wir ihn entfernen.“ Holz gäbe es genügend und es wäre sogar möglich, Energieholz auf Plantagen anzubauen. Dies würde aber in Luxemburg nicht getan werden. „Es wird zurzeit weniger genutzt als jedes Jahr nachwächst“, unterstreicht Claude Reckinger. Preise zurzeit sehr niedrig Der Häcksler, der selbst den größten Baum in kleinste Stücke zerhacken kann, benötigt Energie. Ein Festmeter Holz ergibt 2,5 Kubikmeter Hackschnitzel. „Um einen Kubikmeter Hackschnitzel herzustellen, brauchen wir 0,35 Liter Diesel“, rechnet Reckinger. „Und
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Die Wissenschaftler am „Luxembourg Institute of Socio-Economic Research“ (Liser) erforschen das Zusammenleben im Großherzogtum. Doch ihre Arbeit wird oft unnötig erschwert, sagt Aline Muller, die Direktorin des Instituts. Tageblatt: Welche Art der Forschung betreibt das Liser? Aline Muller: Wir betreiben sozioökonomische Forschung. Am Anfang war unser Schwerpunkt die Ungleichheit in der Gesellschaft. Heute untersuchen wir sozioökonomische Phänomene durch eine ganze Reihe von Disziplinen, darunter die Politologie, Wirtschaft, Geografie, Soziologie und Jura. Wir beschäftigen uns immer noch mit Ungleichheiten, aber auch generell mit den Lebensbedingungen in Luxemburg und Europa, mit dem Arbeitsmarkt und mit Fragen der Stadtentwicklung und der Mobilität. Wir interessieren uns ebenfalls für die geografische Entwicklung der Bevölkerung und wie sie sich im Laufe der Zeit in der Gesellschaft ausdrückt. Daneben behandeln wir drei interdisziplinäre Themen prioritär: das Gesundheitssystem, die grenzüberschreitende Mobilität und die Digitalisierung. Wieso hat man diese Wissenschaften alle kombiniert? Warum gibt es kein rein soziologisches Institut? Wir haben zwei Aufgaben: Zum einen sollen wir Wissen generieren und zum anderen wir einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Für beide Aufgaben ist es vielversprechender, fachübergreifend zu arbeiten. Wenn man eine gesellschaftliche Fragestellung nur durch die Linse einer Wissenschaftsdisziplin betrachtet, erhält man ein falsches Bild. Dadurch ist der Mehrwert, den eine solche Herangehensweise für die Gesellschaft hat, sehr niedrig. Diese multidisziplinäre Herangehensweise gehört zu unserer Identität. Dadurch unterscheiden wir uns zum Beispiel von einer Uni. Welchen Stellenwert haben Sozialwissenschaften in Luxemburg? Werden sie vernachlässigt? Ich denke nicht. Ich hoffe es auch nicht, denn ich würde dies für sehr gefährlich halten! Wenn von Wissenstransfer die Rede ist, ist das Erste, woran man denkt, die Anwendung eines Patentes in der Industrie. Die nicht-wirtschaftlichen Dimensionen des Wissenstransfers darf man aber nicht außer Acht lassen. Ansonsten ist das Risiko groß, dass der Wissenstransfer scheitert. Wenn man versucht, eine neue Technologie einzuführen, und alles andere außer Acht lässt, dann verläuft die Einführung in der Gesellschaft oder in einem Unternehmen nicht optimal. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Themen, die derzeit in Luxemburg breit diskutiert werden. Themen, die das Zusammenleben betreffen. In anderen Ländern beschäftigen sich Institute wie unseres damit, Antworten auf die Arbeitslosigkeit zu finden. In Luxemburg ist unsere Herausforderung, das Wachstum so zu gestalten, dass es wirtschaftlich tragfähig und inklusiv ist. In einer Gesellschaft, die so vielfältig ist wie die unsere, ist das eine Herausforderung. Sie selbst sind ein sehr internationales Team. Was sind das für Menschen, die hier arbeiten? Wir kommen aus vielen unterschiedlichen Disziplinen und Ländern – aus Europa und
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"Wir müssen den Kapitalismus überwinden", forderte Autor Paul Ariès am Dienstag bei seinem Vortrag zum Thema "La gratuité est révolutionnaire" im Kulturzentrum Altrimenti. Einen Weg dorthin stelle die Einführung kostenloser Dienstleistungen dar. "Jede Zivilisation ist dem Untergang geweiht", meint Paul Ariès. Auch unsere sei dem Zusammenbruch nahe. Trotzdem beruhe die dominante Strategie, also der Kapitalismus, darauf, den Planeten an die Wirtschaft anzupassen, statt den irdischen Beschränkungen Rechnung zu tragen. "Unter den 100 am meisten finanzierten Projekten sind viele, die den Planeten umbauen wollen", kritisiert Ariès. Statt umweltfreundliche Technologien zu entwickeln, fließe viel Kapital in das Geo-Engineering, beispielsweise in die Ausbringung von "Tonnen Schwefel und Hydrogensulfaten" in die Atmosphäre. "Millionen von weißen Plastikbällen sollen in die Ozeane gebracht werden. Und gentechnisch modifizierte Bäume sollen mehr CO2 aufnehmen." Die Investoren würden die Renditen von solchen Projekten ausrechnen und sich die Hände reiben. Das kapitalistische System passe nicht nur den Planeten an seine Anforderungen an, auch "der Mensch entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der Wirtschaft". Aus dem Homo sapiens werde immer mehr ein Homo pharmasensis. "Wir haben nicht mehr das Recht, krank zu sein oder zu altern. Und fast nicht mehr das Recht, zu sterben", fügt der Autor hinzu. "Der Kapitalismus ist im Begriff, das Gefühl des Verliebtseins zu entschlüsseln und daraus ein Produkt zu machen." Dann könne auch daraus ein neues Geschäft entwickelt werden. Dieser dystopischen Zukunftsvision stellt der Autor die "Entmarktung" des wirtschaftlichen Handelns gegenüber. Bedingungsloses Grundeinkommen "Die gute Nachricht ist, dass 90 Prozent der Weltbevölkerung gar nicht so leben will, wie der Kapitalismus es will und wie die oberen 10.000 es vorleben." Das, was der Kapitalismus verspricht, sei mit den irdischen Ressourcen gar nicht zu erreichen. Ariès’ Vision hingegen sei finanzierbar. "Der Planet ist reich genug, um 10 Milliarden Erdenbewohner zu ernähren." Die Vereinten Nationen hätten vorgerechnet, dass 30 Milliarden Dollar pro Jahr notwendig wären, um Krieg zu beseitigen. 70 Milliarden würde es pro Jahr kosten, um den Kampf gegen die Armut zu gewinnen. "Jedes Jahr werden 1.600 Milliarden Dollar für Kriegsgüter ausgegeben, 840 Milliarden für Werbeaktionen." Eine Alternative zum aktuellen System sei also möglich. Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens könnte ein Weg in eine bessere Gesellschaft sein, gibt der Autor zu. Doch sie sei nicht der Königsweg. Besser fände Ariès die kostenlose Bereitstellung von wichtigen Gütern. "Gratis Strom, Wasser und Transport ist realistischer, als man glaubt." Wenn die menschlichen Grundbedürfnisse kostenlos gestillt seien, wäre dies sechsmal billiger als ein Grundeinkommen, ist der Kapitalismuskritiker
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Am Wochenende startet die BGL Ligue in die Rückrunde. Bevor es so weit ist, werden die 14 Vereine noch einmal unter die Lupe genommen. Heute werden Strassen, Petingen und der RFCUL beleuchtet. Morgen sind die Top 5 an der Reihe. Bisher erschienen: Die große Vorschau auf die BGL-Ligue: Teil 2 – Hauptsache Klassenerhalt Die große Vorschau auf die BGL-Ligue: Teil 1 – Die „Kellerkinder” UNA STRASSEN Sicherheit geht vor Zum vierten Mal in Folge will sich der Vorstadtverein den Klassenerhalt sichern. „Uns war von Anfang an bewusst, dass wir nicht um die Topränge mitspielen werden. Wenn wir am Ende der Saison zwischen Rang sechs und neun stehen, können wir zufrieden sein“, gibt Trainer Manuel Correia die Zielsetzung für die Rückrunde vor. Aber auch im Pokal – wo man im Viertelfinale gegen die Etzella antritt – will die UNA noch eine Rolle spielen. VORBEREITUNG: Nach drei Siegen zum Abschluss der Hinrunde und gegen direkte Konkurrenten verabschiedete sich Strassen mit einer gewissen Zufriedenheit in die Winterpause. In der Vorbereitung wurde der Fokus vor allem auf die teilweise wacklige Defensivarbeit (23 Gegentore in 13 Partien in der Hinrunde) gelegt. TOPS UND FLOPS: Auf Ralph Schon ist mittlerweile nicht nur in der Nationalmannschaft Verlass. Der Torwart rettete seinem Verein in der Hinrunde so einige Punkte und bringt endlich konstant gute Leistungen in der BGL Ligue. Grégory Adler wurde als Offensivwaffe geholt und musste den Klub bereits nach zehn Partien mit dem negativen Stempel, der ihm seit Jahren anhaftet, verlassen: talentiert, aber launisch und unkontrollierbar. NEUZUGÄNGE UND ABGÄNGE: Correia entschied sich gegen die Verpflichtung eines neuen Spielers. „Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass ein Neuzugang oft ein bisschen Chaos innerhalb der Mannschaft verursacht, wenn er nicht sofort eine Verstärkung darstellt. Das Umfeld hat zwar darauf gedrängt, einen weiteren Spieler zu verpflichten, aber ich bevorzuge es, einen Jugendspieler einzubauen. Wir sind bereits dabei, die Transfers für die nächste Saison vorzubereiten und befinden uns auf einem guten Weg.“ Mit Sam Alverdi und Grégory Adler verließen zwei Spieler den Verein, die eigentlich als Leistungsträger eingeplant waren. Es war eine Entscheidung für die Stimmung innerhalb der Mannschaft. „Sam hatte zu viele Leistungsschwankungen und das wollte er nicht einsehen. Für ihn kommt der Wechsel zurück nach Rodange zum richtigen Moment. Grég hat sehr viel Talent – das weiß jeder. Wenn man aber mit 29 Jahren noch immer die Fehler bei den anderen sucht, dann macht man etwas falsch“, erklärt Correia. UNSER TIPP: Strassen steht ein sehr schweres Auftaktprogramm bevor. In
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