Die Gruppe 9 der Arbeitnehmerkammer ist die Gruppe der Rentner. Zumindest in diesem Bereich soll sich am besten nichts ändern, heißt es vom OGBL.

Wenn von heute auf morgen niemand mehr in die Rentenkasse einzahlen würde, dann würde das Geld noch für fünf weitere Jahre reichen, sagt Carlos Pereira von der Gewerkschaft OGBL. Die Reserven belaufen sich auf 20 Milliarden. Eine sehr komfortable Lage also im Vergleich zu anderen Ländern, wo die Reserven oft nur für wenige Wochen reichen, ergänzt Pereira.

Somit bestehe in Luxemburg auch keine Dringlichkeit, etwas am Rentensystem zu verändern. Deshalb auch das Kredo: Nicht an die Renten gehen – wobei die Gewerkschaft durchaus auch dafür ist, die Lage im Auge zu behalten. Dies bedeute nämlich nicht, dass es für die Gewerkschaftler im Rentenbereich nichts zu tun gebe außer zu wachen, dass alles beim Alten bleibe.

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Die letzte Reform müsse noch einmal auf den Tisch kommen, fordert Pereira. Sie solle dafür sorgen, dass die Rente der Arbeitnehmer von heute gesichert werde, lautete das Argument damals. Tatsächlich aber schmälere die Reform die Rente derer, die 2050 in Pension gehen, in manchen Fällen um bis zu 15 Prozent.

Pereira unterstreicht, dass den Ruheständlern zudem eine Anpassungstranche „gestohlen“ worden sei. Eine solche tritt in Kraft, um die Renten an die Gehälterentwicklung anzupassen. Die Tranche vom 1. Januar 2013 war ausgefallen.

Anstatt die Renten zu verschlechtern, schlägt Pereira vor, sich die Einnahmenseite anzusehen und nach alternativen Finanzierungsideen zu suchen. Bislang ist die Berechnungsgrundlage für Rentenbeiträge auf das Fünffache des Mindestlohnes gedeckelt. Diese Deckelung etwa könnte aufgehoben werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Beiträge von 24 Prozent, die in gleichen Teilen von Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Staat bezahlt werden, auf 30 Prozent anzuheben.

Gegen Angstmacherei

Tatsächlich seien die Pensionen in Luxemburg nicht schlecht. Man müsse dabei jedoch berücksichtigen, dass das Leben in Luxemburg sehr viel teurer als im Ausland sei, gibt Carlos Pereira zu bedenken. Ihn störe vor allem, dass von manchen Seiten her die Pensionäre verteufelt und die Generationen gegeneinander ausgespielt werden würden. Oft werde es so dargestellt, als ob die Ruheständler von den Jüngeren profitieren würden.

Das sei aber nicht der Fall, so Pereira. Solche Aussagen träfen die Pensionäre sehr. Er wehrt sich auch gegen Angstmacherei und Vorhersagen, dass die Renten in Zukunft nicht mehr bezahlt werden könnten. „Ich bin diese hochintellektuellen Leuten satt, die scheinbar den Vorteil haben, eine Kristallkugel zu besitzen“, ärgert sich Pereira.

Es hätten schon viele darüber schwadroniert, das Rentensystem würde zusammenbrechen. Bislang seien diese Vorhersagen aber noch nie eingetroffen. Dass sich nun Parteien dazu bekennen, nicht an die Renten zu gehen, freut den Gewerkschafter. Noch vor zwei Jahren hätte sich die LSAP nicht getraut, solche konkreten Äußerungen zu machen.

Dafür gebe es aber Gegenwind aus Europa. Die EU wolle die staatlichen Rentensysteme schwächen, zugunsten der privaten und betrieblichen Altersvorsorge, warnt Pereira – dank der guten Lobbyarbeit der Versicherungsbranche. Davon würden Versicherungskonzerne profitieren.

Da die Rente meist mit einem bestimmten Alter einhergeht, beschäftigt sich der OGBL auch mit Problemen, die die Gesundheit und den Alltag der Menschen betreffend. So sei es zum Beispiel notwendig, dass Medikamente für chronische Krankheiten komplett von der Kasse übernommen werden. Ein großes Thema sei aber auch die Isolation und die Ghettoisierung von Senioren, gegen die die Gewerkschaft ankämpfen will.

Ein letztes Thema betrifft die Alten- und Pflegeheime. Hier beklagt der OGBL, dass die Betreiber ihre Leistungen nicht klar auflisten. So sei auf den Internetseiten oft nicht angegeben, wie die Bäder ausgestattet und welche medizinischen Leistungen inbegriffen seien.

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