Gefährliches Risiko-Investment oder langfristige Investition in Luxemburgs Zukunft? Die Parteien im Luxemburger Parlament sind bei der öffentlichen Debatte über das Space Mining keineswegs einer Meinung. Besonders die Oppositionsparteien CSV, ADR und Piraten äußerten Kritik am Herzensprojekt von Wirtschaftsminister Étienne Schneider. Er wiederum wertet Space Mining als vollen Erfolg – und spricht davon, dass 150 weitere Weltraumunternehmen nach Luxemburg kommen wollen.

„Die Bedenken der CSV wurden mehr als bestätigt“, kritisiert der Abgeordnete Laurent Mosar die Regierung. Die Rede ist vom Space Mining. Dabei sei die CSV nicht gegen die Weltraum-Initiative. Ganz im Gegenteil: Es sei gut einen Fuß in der Tür zu haben, so Mosar. Dass die Initiative schief ging liege nicht an Problemen im Weltraum, sondern am Laissez-Faire auf der Erde.

Amateurismis sei der Grund, dass die staatliche Investitionsgesellschaft SNCI mit ihrer Investition in das Unternehmen Planetary Resources einen Totalverlust erlitten habe. Das SNCI habe noch in die Firma investiert, als schon längst niemand mehr dazu bereit war. Viel mehr als Briefkästen seien beim Space Mining noch nicht entstanden – und ganz besonder nicht die vielen Arbeitsplätze, die Schneider versprochen habe.

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Ein Langzeitprojekt

Guy Arendt (DP) verglich das Space Mining mit dem luxemburgischen Satelliten-Unternehmen SES. Auch als diese Firma in den 80er Jahren in Luxemburg gegründet wurde, hätten viele die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Bei solchen Projekten sehe man das Resultat eben erst langfristig. Deswegen sei es wichtig, von Anfang an bei einem solchen Projekt dabei zu sein. Es hätten sich schon 20 Unternehmen in Luxemburg niedergelassen und es sei klar, dass diese in Zukunft Luxemburg zu Gute kommen würden. Auch wenn verschiedene Projekte nicht das gebracht hätten, was viele sich erhofft hätten und der Profit noch auf sich warten ließe, sei das Projekt noch lange nicht gestorben. „Es ist ein Langzeitprojekt“, verteidigt Arendt das Space Mining.

Mit dem Projekt habe sich Luxemburg definitiv auf die Weltkarte des Weltraumsektors gesetzt, lobt Franz Fayot (LSAP). Heute würden bereits rund 800 Menschen im Weltraumsektor in Luxemburg arbeiten. In Zukunft sollen hunderte weitere hinzukommen. Als Beispiel nennt Fayot etwa das Unternehmen iSpace, das 2020 schon zum Mond fliegen will und derzeit mit dem Forschungszentrum LIST an einem Spektrometer arbeitet. Das wirtschaftliche Potential sei enorm.

Natürlich sei es schade wenn wie bei Planetary Resources Steuergelder verloren gehen. Allerdings sei dieses Investment „en Bon père de famille“ gemacht worden. In so einer Nische Fuß zu fassen, gebe nun einmal nicht zum Nulltarif. Fayot unterstrich außerdem, dass die anstehende Überarbeitung des Outer-Space-Treaty so gestaltet werden muss, dass es allen zu gute komme und nicht nur einigen „Happy few“.

Die Ausweitung des Kapitalismus

Das Risiko, dass etwas schief gehe, habe es auch damals gegeben als der erste SES Satellit gelaunched wurde, so Francois Benoit (die greng). Die Fehler, die der Mensch auf der Erde mache, dürfe er auf dem Mond und auf Asteroiden nicht wiederholen. Dafür brauche es eine gute “Gouvernance“. Er sprach zum Beispiel von einem Verbot von Weltraumwaffen.

ADR-Mann Roy Reding ist der Ansicht, dass es sich bei dem Investment in Planetary Resources nicht um ein Risikoinvestment gehandelt hat. Im Gegenteil, die Gefahren seien schon hinlänglich bekannt gewesen. Grundsätzlich stelle sich der ADR nicht gegen den Ausbau des Sektors, aber die Partei sei überzeugt, dass die Privatwirtschaft es besser machen würde, als der Staat es kann.

Marc Baum (die Lenk) sagte, es ginge vor allem um Geld. Seiner Meinung nach sei es jetzt bereits so, dass die “Happy Few“ profitieren. „Es geht nicht um Forschung oder das Allgemeininteresse. Nein, es geht ums Gegenteil. Es geht um die Privatisierung des Weltraums, um die Ausweitung des Kapitalismus.“

Die Piraten sind der Meinung, dass ein wenig Risiko schon dazu gehört. Sven Clement kritisierte allerdings die schleppende Kommunikation des Ministers. Oft hätte das Parlament nachhaken müssen und dann doch keine zufriedenstellenden Antworten bekommen. Es sei nicht die Rolle des Staates, ein hohes Risiko einzugehen. Man dürfe höchstens einein mittleres Risiko in Kauf nehmen, um die zu unterstützen, die ein hohes Risiko eingehen wollen. „Bei einem Goldrausch sollte man nicht noch Gold schürfen, wenn man Schaufeln verkaufen kann.“

20 Unternehmen in 18 Monaten

Wirtschaftsminister Etienne Schneider ließ sich die Vorwürfe der Oppositionsparteien im Parlament nicht gefallen. In seiner Rede entgegnete auf die Kritik von Laurent Mosar: „Sie sagen ein guter Buchhalter warnt seinen Klienten, schon bevor es die Experten tun. Sie haben mich auch nicht gewarnt!“ sagte Schneider. Die CSV habe das Projekt auch unterstützt.

Schneider leugnete nicht, dass die Investition in Planetary Resources schiefging. Allerdings sei Luxemburg nicht der einzige enttäuschte Investor. So hätten sich auch andere namenhafte Investoren wie die Gründer von Amazon und Microsoft, bei dem Unternehmen geirrt. Es sei aber nicht richtig zu behaupten, die Initiative habe nichts gebracht. Innerhalb von 18 Monaten seien 20 Unternehmen nach Luxemburg gekommen. 150 weitere Unternehmen stünden Schlange. Mit der Einstellung von Laurent Mosar hätte Luxemburg nie einen Stahl oder einen Finanzsektor aufgebaut, spottete Schneider.

Der Minister zitierte auch aus einer Studie, die die Unternehmensberatungsfirma PwC über das Space Mining gemacht hatte. Sie war im Dezember veröffentlicht worden. Das Papier habe die Schaffung vieler Arbeitsplätze vorhergesehen. Schlussendlich sei auch das positive Bild von Luxemburg, das durch das Space Mining in der ganzen Welt entstanden sei, nicht zu unterschätzen.

Auf der falschen Seite der Wirtschaftsgeschichte

Auf die Kritik von Marc Baum entgegnete Schneider, dass die Angst der Linken durchaus begründet sei. Doch genau deshalb brauche es Länder wie Luxemburg, die sich für eine Regulierung stark machen. Luxemburg solle zu einem Kompetenzzentrum für Ethik im Weltraum werden. Daran werde bereits gearbeitet. Wichtig sei auch, dass die Uni immer mehr Studiengänge im Bereich Weltraum anbiete. Schneider lobte die besonderen Anstrengungen in der Forschung: Derzeit bringe man es fertig, dass die Luxemburger Beiträge für die Europäische Weltraumorganisation wieder nach Luxemburg zurück fließen würden und hier in die Forschung investiert werden.

Schneider kündigte außerdem die Gründung eines „Space Venture Capital Fond“ mit einem Volumen von 70 Million Euro an. „Diejenigen, die gegen diese Initiative sind, werden sich irgendwann auf der falschen Seite der Luxemburger Wirtschaftsgeschichte wiederfinden“, prophezeite Schneider.

Der Wirtschaftsminister hatte die Space Mining-Initiative 2016 angekündigt. Seitdem hat Luxemburg ein Gesetz geschaffen, dass Unternehmen, die in Luxemburg ansässig sind und die im Weltraum Ressourcen abbauen, Rechtssicherheit gibt. Zwar besagt ein internationaler Vertrag, dass niemand sich einen Himmelskörper aneignen darf. Das Luxemburgische Gesetz allerdings folgt der Logik, dass dies nicht für Ressourcen gilt, die auf diesen Himmelskörpern geschürft worden sind. Zusätzlich investiert Luxemburg in Unternehmen, die auf diesem Gebiet aktiv sind. Die Initiative Luxemburgs war in der ganzen Welt auf großes Interesse gestoßen. Im Großherzogtum hatte Schneider allerdings auch Kritik geerntet. Im vergangenen Jahr hatte die staatliche Investitionsgesellschaft SNCI ihr Investment in die Space Mining-Firma Planetary Industries mit Verlust abgestoßen. Vor einer Kommission sagte Wirtschaftsminister Etienne Schneider, bei Investitionen in innovative Start-Ups gäbe es immer ein gewisses Risiko.

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