Sieht man sich den Kader der Etzella an, so fallen gleich drei „Familiengespanne“ auf: Neben den drei Delgados (Yvan, Jairo und Nelson) sowie den Halbbrüdern Dominique Benseghir und Gilles Polfer ist auch die Familie Gutenkauf am Pokalsieg beteiligt: Frédéric und Philippe als Spieler sowie Vater Jemp, der als Team-Manager der ersten Mannschaft ebenfalls auf der Bank sitzt.

Als die Etzella 2011 den letzten Pokalerfolg feierte, war Frédéric Gutenkauf zwar im Kader, kam jedoch nicht zum Einsatz. Sein jüngerer Bruder Philippe gewann an dem Tag sogar zwei Endspiele: das Cadets- und das Scolaires-Pokalfinale. Acht Jahre mussten die Ettelbrücker auf einen weiteren Titel warten: Am Samstag war es dann endlich so weit. Und dieses Mal waren beide Brüder impliziert.

Dabei sah es in der ersten Hälfte noch nicht nach einem Erfolg aus. „Der defensive Plan der Steinseler ist aufgegangen. Sie haben innen zugemacht und wir trafen nicht von außen“, analysiert Frédéric das Endspiel. Vor einem Jahr erlebte die Etzella im Pokalfinale gegen den gleichen Gegner ein Debakel. Angst, dass sich das Szenario wiederholen könnte, hatte man im Ettelbrücker Lager trotz eines 22:30-Rückstandes in der ersten Hälfte jedoch nicht: „Wir hatten diese Saison viele schwierige Spiele, in denen wir uns zurückkämpfen mussten. Deshalb wussten wir, dass noch alles möglich sei“, so Frédéric, und sein jüngerer Bruder fügt hinzu: „Der Trainer unterstrich in der Pause, dass er weiß, was wir können und hat uns aufgefordert, im defensiven Bereich besser zu agieren. Nach der Pause haben wir seine Anweisungen umgesetzt.“

Anzeige

Der Moment war gekommen

Laut Vater Jemp habe man am Ende der ersten Hälfte gespürt, dass der Moment gekommen sei, eine Wende einzuläuten. „Unsere Verteidigung hat den Ausschlag gegeben. Wir ließen den Ball lange drehen und trafen die offenen Würfe. Zudem war Tim (Coleman, d. Red.) nicht zu bremsen“, erklärt Frédéric, der als Kapitän nach Spielschluss den Pokal als Erster in die Hände nehmen durfte. „Im Sommer kam Jairo (Delgado, d. Red.) zu mir und bot mir an, die Kapitänsrolle zu übernehmen, da ich bei allen Trainingseinheiten präsent sei, stets hundert Prozent gebe und die Mannschaft leite“, meint der 26-Jährige zu seiner neuen Rolle und unterstreicht, dass er seine Kämpfernatur seiner Freundin, der ehemaligen Judoka Marie Muller, zu verdanken habe: „Ohne sie würde ich nicht hier stehen.“

Nicht nur im Pokalendspiel waren die Gutenkauf-Brüder ein wichtiger Faktor, während der gesamten Saison wussten beide zu überzeugen und übernahmen Verantwortung. Für Philippe bedeutet der Pokalsieg die Belohnung für harte Arbeit: „Wir trainieren nicht umsonst sechs Mal die Woche. Unser Coach macht eine super Arbeit und bereitet uns mit seinen vielen Videoanalysen stets perfekt auf die Spiele vor. Jetzt ist ein Schritt getan …“ Vater Jemp fügt hinzu: „Bereits in der Jugend haben die Jungs von großartigen Trainern, wie beispielsweise Paul Peiffer oder Jan Enjebo, profitiert, und die Arbeit von Kreso rundet das Ganze ab.“

Wertvolle Ratschläge

Einer, der beide Spieler sehr gut kennt, ist natürlich der Vater, der auf die Frage, seine beiden Söhne zu beschreiben, auch nicht lange zögert: „Fritz ist ein Arbeitspferd, Philippe unterdessen das Talent. Während Frédéric, der noch basketballverrückter ist, stets kämpft, hatte Philippe es in manchen Hinsichten vielleicht einfacher. Ich bin jedenfalls froh, dass beide zusammen mit Spielern wie Jairo und Yvan (Delgado) die Mannschaft tragen.“ Der ältere der beiden Gutenkauf-Brüder erzählt, dass der Vater ihnen als Jugendspieler stets gute Ratschläge gegeben habe, er sich mittlerweile jedoch größtenteils zurückhalten würde. Auch würden die Diskussionen über Basketball weniger häufig vorkommen als noch vor ein paar Jahren: „Der Grund dafür ist, dass Frédéric nicht mehr im Elternhaus wohnt“, erklärt Philippe lachend.

Jemp, der selbst von 1978 bis 1998 als Spieler aktiv war und drei Pokale und einen Meistertitel gewann, bewahrt während der Spiele meist Ruhe: „Ich setze mich auf den letzten Platz auf der Bank und feuere die Spieler an, ansonsteon halte ich mich zurück.“ Allerdings verraten die Söhne lachend, dass der Vater bei der Wahl der Sportart sehr streng war: „Ich liebäugelte als Kind mit Volleyball, da besonders Beachvolleyball mir gut gefällt, doch ich blieb stets beim Basketball. Mein Bruder dagegen wollte unbedingt Fußball spielen. Doch mein Vater ‘drohte’ ihm, sich kein Spiel von ihm anzuschauen, wenn er sich für Fußball entscheiden würde“, erklärt der Ettelbrücker Kapitän, was Philippe bestätigt: „Als mein Vater mir sagte, er sei sehr enttäuscht, wenn ich Fußball spielen würde, entschied ich mich für Basketball.“

Ihre Wahl für den Basketball haben die Söhne sicherlich nicht bereut, zumal sie am Samstag den ersten Titel als Trio feiern konnten. Vielleicht kommt der eine oder andere noch hinzu: „Mich würde es freuen, wenn sie mich in der Titelsammlung überholen würden“, meint Jemp abschließend.

B.G.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here