Seine Medienpräsenz ist unerreicht. Dabei hat er eigentlich die Kunst perfektioniert, die Medien zu umgehen, um sich ohne Umwege direkt an Freund und Feind zu wenden. Donald Trump, der polarisierende US-Präsident mit knapp 60 Millionen Abonnenten auf Twitter, weiß, wie man sich Gehör verschafft und Debatten prägt.

Doch auch er hat das Problem, dass der Sender einer Kommunikation nur beschränkt Einfluss darauf hat, wie der Empfänger diese aufnimmt. Und er bekommt dies zurzeit bei seiner Immigrationspolitik zu spüren. Seit Beginn seiner Amtszeit spuckt er jetzt schon Gift und Galle auf Einwanderer. Es gebe eine nationale Krise an der Grenze zu Mexiko. Dabei war die Anzahl der Einwanderer bei seinem Amtsantritt seit Jahren rückläufig. Ganze Karawanen von Immigranten würden die Grenzzäune überrollen. Dabei waren größere Gruppen von Einwanderern bisher eher eine Seltenheit.

Seine treuesten Wähler sind begeistert von dieser scharfen Rhetorik. Doch auch die Betroffenen haben zugehört. Die Grenzen sollen dichtgemacht werden? Also wird es für arme, unterdrückte und von kriminellen Banden bedrohte Lateinamerikaner umso dringlicher, sich auf den Weg in die gelobten USA zu machen. Gegen Karawanen ist die Grenzpolizei machtlos? Also sollte man sich auf dem Weg nach Norden zusammentun. Und so kommt es, dass die Anzahl von Asylbewerbern und illegalen Immigranten, die von der US-Grenzpolizei aufgegriffen werden, Anfang 2019 auf einem Zwölf-Jahres-Hoch liegt und sie immer öfter in größeren Gruppen unterwegs sind.

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Donald Trumps Reaktion besteht aus immer mehr vom Gleichen: lautstarke Ankündigungen drakonischster, wenn nicht boshafter Maßnahmen, die jedoch entweder gar nicht erst umgesetzt oder bei der ersten Gelegenheit von der Justiz gestoppt werden. Eine Immigrationsreform, die des Namens würdig wäre, bleibt aus. Sie würde vom Bewohner des Weißen Hauses Aktenkundigkeit, Detailfreude und Kompromissfähigkeit verlangen. Doch dafür spielt der Mann viel zu gerne Golf.

Donald Trump stößt an die Grenzen seiner Politikmethode. Seine Partei hält nur noch auf ihrem kleinsten gemeinsamen Nenner zusammen: niedrige Steuern, freier Markt, kleiner Staat. So kam Trumps größter gesetzgeberischer Erfolg zustande: seine Steuerreform. Er hat sie angestoßen, erfahrene Mitarbeiter haben sie ausgearbeitet, seine Parteifreunde im Kongress haben sie in politischer Feinarbeit durchgeboxt.

Doch Einwanderungspolitik gehört nicht zu den gemeinsamen Nennern der Republikaner. Immigranten mögen ein Schrecken für die einen sein. Für die anderen sind sie billige Arbeitskräfte, mit denen sich Geld verdienen lässt. Die erfahrensten Mitarbeiter des Präsidenten haben längst das Weite gesucht. Er müsste selbst Hand anlegen. Doch sein Talent, gewählt zu werden, überragt jenes, wirkungsvoll zu regieren.

Offen legen sich dennoch nur die wenigsten Parteifreunde mit ihm an. Zu groß ist die Angst, dass er die extremsten Teile ihrer Wählerschaft gegen sie aufstachelt. Aber meist genügt es schon, nichts zu tun, um Trump ins Leere laufen zu lassen. Und somit läuft dieser das Risiko, gerade bei seinem Kernthema, der illegalen Einwanderung, politischen Schiffbruch zu erleiden.

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