Eine Staubwolke lag auf dem heissen Asphalt, der durch eine steinige Einöde im Hinterland von Valencia auf der Strasse zum Rennkurs des Circuito Tormo führte. Rechts und links nur Felsen und verdorrte Bäume. Bewegungslos harrte ein Stier hinter der Kurve und warf uns einen zornigen Blick zu. Der rote Porsche war ihm ein Dorn im Auge. Dann stieg Oma mit ihren Springerstiefeln aus, nahm einen Schluck aus der Pulle, Degen und rotes Cape und verschwand in der Staubwolke. Als sie wieder rauskam, grinste sie schelmisch und knurrte: „Hab‘ ihn einfach an den Eiern gekitzelt. Sowas mögen die Jungs …!“

Der neue Porsche 911 : achte Generation und so schön wie eh und je, wahrscheinlich noch schöner, etwas breiter und stärker und moderner, was seine Digitalisierung betrifft. Von hinten leicht zu erkennen an den neuen, über die ganze Breite gezogenen LED Leuchten, am dritten Bremslicht im Kühlergrill und ansonsten an den glatten Karosserieflächen. Hinten laufen 21er Räder, vorne 20er, die Radkästen wurden breiter, der neue Elfer sieht muskulöser und sportlicher aus als jemals zuvor. Rutschfest wie kein anderer Sportwagen ist er auch. Denn er hat die „Wet“-Taste, Weltneuheit und serienmässig, eine Art Feuchtigkeitserkennung mit akustischen Sensoren in den vorderen Radkästen, welche aufgewirbeltes Spritzwasser erkennen.

Dieses Wet-Mode erkennt Wasser auf der Strasse, stellt die Regelsysteme entsprechend darauf ein und warnt den Fahrer. Der kann nun die Wet-Taste am Armaturenbrett oder am Schalter im Lenkrad (beim Sport-Chrono-Paket) betätigen und dann passen sich Lenkung, Aufhängung, Leistung und Getriebe mit trockener Effizienz den nassen Fahrbedingungen an und bringen das Auto sicherer und stabiler durch die Pfützen und die Kurven, als früher gewohnt. Damals gab es keine Wet-Taste und keinen 911 dieser Prägung. Allerdings zeigt sich der neue 911 auch ohne das Wet-Programm beeindruckend stabil, handlich und unbeirrbar auf nassem Untergrund, sofern man sanft mit dem Gaspedal umgeht. Auf trockener Piste muss man das nicht, hier zeigt sich das Fahrwerk ausgewogen und rücksichtsvoll und verzeiht auch schon mal einen Fahrfehler.

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Doch keine Angst, der 911 bleibt das unantastbare Sportwagen-Vorbild. Trotz oder gerade wegen seines modernen Interieurs im neuen Design, das einem erst auffällt, wenn man das Auto nach einigen aufregenden Runden wieder an der Box abstellt und nach einem Vorwand sucht, noch etwas länger bleiben zu dürfen.

Auf alle Details in puncto Sicherheit, Komfort und Ausstattung zurück zu kommen, würde zu viel Platz beanspruchen. Der Dreiliter-Sechszylinder Boxer hat Bi-Turbo und Otto-Partikelfilter OPF und leistet 450 PS, hat ein Drehmoment von 530 Nm und läuft 306 km/h Spitze, die Leistung gelangt über eine Achtgang-Automatik PDK an die Hinterräder beim Carrera S oder an alle vier beim Carrera 4S. Es ist schwer, jemandem zu erklären wie sich die Leistungsabgabe und das Fahrerlebnis in einem 911 anfühlen, nur so viel, dass man ab und zu auf den Tacho blicken sollte, um zu sehen, wie schnell man wirklich ist. Und so lange die Begrenzungsstreifen der Piste seitlich am Auto zügig vorbeigleiten, weiss man, dass man alles richtig gemacht hat. Woran der 911 das grösste Verdienst hat. Aber es sollte keiner sagen, wir hätten es nicht versucht!

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