In unserer Rubrik Klangwelten rezensieren unsere Kulturjournalisten die Alben, über die gesprochen wird. Diesmal geht es um die Lieder von Helen Buchholtz und einen Schotten, der mit viel Liebe und Schönheit singt. 

Von Alain Steffen und Kai Florian Becker


Und hab’ so große Sehnsucht doch …
Gerlinde Sämann & Claude Weber

Anzeige

Die Sopranistin Gerlinde Sämann und der Pianist Claude Weber sind die überzeugenden Interpreten dieser Helen-Buchholtz-Doppel-CD „Und hab’ so große Sehnsucht doch …“, die vor kurzem beim Label Solo Musica erschienen ist. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich die hier eingespielten Lieder von Helen Buchholtz, der verkannten luxemburgischen Komponistin, anzuhören.

Die Musikwissenschaftlerin Danielle Roster und der Pianist Claude Weber beschäftigen sich schon seit Jahren mit der Musik der Komponistin, die man auch heute nicht ganz klar einordnen kann. Da hört man Brahms heraus, aber auch Strauss, da gibt es Hinweise auf Loewe und Marx, es gibt romantisches Flair und impressionistische Farben und dann immer wieder einen eigenen, kaum zu fassenden, manchmal recht naiv wirkenden Kompositionsstil.

Inwieweit Buchholtz all diese Lieder und Stile kannte, ist nicht überliefert. Wichtig ist zu wissen, dass Buchholtz eine ernsthafte Komponistin war, im Gegensatz zu der damaligen luxemburgischen Musikszene, die sich auf Bläserkapellen, Marschmusik und leichte Operetten beschränkte. Alleine deshalb ist diese Aufnahme enorm wertvoll, da sie ironischerweise zeigt, dass gerade eine Frau hier den luxemburgischen männlichen Komponisten eine Nasenlänge voraus ist.

Zwischen den einzelnen Liedergruppen findet man dann auch zeitgenössische Werke der vier luxemburgischen Komponistinnen Tatsiana Zelianko, Catherine Kontz, Albena Petrovic-Vratchanska und Stevie Wishart, Werke, die sich bewusst stark an den Liedern von Buchholtz orientieren und dabei sehr unterschiedliche Resultate zeigen. Leider fehlen die Biografien der vier Komponistinnen.

Die Interpretationen sowohl der Buchholtz-Lieder wie auch der zeitgenössischen Werke sind insgesamt gelungen und Gerlinde Sämann singt die Buchholtz-Lieder mit Hingabe und Gestaltungswillen, wenngleich ich mich frage, ob ihre Stimme nicht einen Deut zu hell für einige dieser Lieder ist. Claude Weber gelingt es hervorragend, die verschiedenen Stimmungen, Farben und Stile von Buchholtz Liedern wiederzugeben. Interpretation und Klangtechnik sind auf einem solch hohen Niveau, dass diese Doppel-CD durchaus ihre Chancen auf dem internationalen Markt haben dürfte. Lesenswert auch die im Booklet enthaltenen Texte von Danielle Roster und Gerlinde Sämann.


The Route To The Harmonium
James Yorkston

James Yorkston, drei Tage vor Heiligabend des Jahres 1971 im englischen Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort von William Shakespeare, geboren, ist einer der beständigsten und begnadetsten schottischen Singer-Songwriter.

Er sei ein « balladeer and troubadour », ein Balladen- und Minnesänger, hieß es zuletzt im wöchentlichen Newsletter des in Glasgow beheimateten Indie-Plattenladens Monorail Music. Über diese Beschreibung kann man schmunzeln und sie zugleich wohlwollend abnicken. Er war früher Teil des Fence Collective, das von King Creosote gegründet worden war und dem u.a. KT Tunstall und die Beta Band angehört hatten.

Anfang der Nullerjahre begann er, seine Solosongs zu veröffentlichen. Sein Debütalbum « Moving Up Country » erschien 2002 auf dem britischen Indielabel Domino Records. Dort steht er bis heute unter Vertrag und hat dort fast all seine Solo- und Kollaborationswerke (mit Jon Thorne und Suhail Yusuf Khan) veröffentlicht. Über Domino kam auch sein neuestes Album « The Route To The Harmonium », die erste Soloplatte seit « The Cellardyke Recording And Wassailing Society » aus dem Jahr 2014, auf den Markt. Aufgenommen wurden die zwölf Songs in dem schottischen Fischerdorf Cellardyke und produziert wurden sie von Yorkston und dem walisischen Folker David Wrench. « The Route To The Harmonium » ist voll von intimen Songs, in denen persönliche Themen angeschnitten werden. Seine zentralen Elemente sind die Akustik- und E-Gitarre und Yorkstons Stimme mit ihrem unverkennbar schottischen Akzent.

Mal singt er (« Shallow »), mal spricht er (« Yorkston Athletic ») oder macht beides in einem Song (« The Irish Wars Of Independence »). Auf dem Album sind aber auch Dulcitones (eine Art Keyboard), Schlagzeug, Bläser, Autoharp und eine Nyckelharpa (ein schwedisches Streichinstrument) zu hören. Doch ganz gleich, was gerade erklingt, in allem steckt sehr viel Liebe und Schönheit.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here