Bis 2050 könnten 65.300 Menschen in Esch wohnen.So lautete die Prognose der Urbanistin der Stadt Esch im Rahmen der PAG-Vorstellung. Die Oppositionsparteien LSAP und „déi Lénk“ haben Bedenken, dass es gelingt,die Infrastruktur an das hohe Wachstum anzupassen. Überschattet wurden die PAG-Diskussionen aber von den Bürgerprotesten gegen die Abholzung in „Wobrécken“ und mehrere Teilbebauungspläne.

Gestern stimmte der Escher Gemeinderat zum ersten Mal über den neuen Flächennutzungsplan ab. Damit wurde die offizielle Prozedur eingeleitet, die Anfang 2020 mit der Genehmigung durch die Innenministerin abgeschlossen sein soll. Am Montag wird der neue PAG auf der Internetseite der Stadt Esch veröffentlicht und im Rathaus ausgehängt. Am 14. März um 18.30 Uhr findet eine Infoversammlung in der Gemeinde statt. Bis 9. April dieses Jahres haben die Bürger Zeit, um Verbesserungsvorschläge und Beschwerden einzureichen. Auch die „Commission d’aménagement“ und das Umweltministerium geben eine Stellungnahme ab. Parallel dazu wird auch die strategische Umweltprüfung, die im Rahmen der PAG-Prozedur durchgeführt wird, bewertet. Am 25. Oktober 2019 wird der Gemeinderat dann ein zweites Mal über den PAG abstimmen, bevor der Flächennutzungsplan zur Genehmigung ans Innenministerium weitergeleitet wird.

Der PAG ist das Hauptinstrument einer Gemeinde zur Steuerung der städtebaulichen Entwicklung. Neben der Bebauung werden auch Verkehrskonzepte, Grünflächen, Gebäudeschutz oder die wirtschaftliche Entwicklung determiniert. Anhand von Teilbebauungsplänen (PAP) werden einzelne Viertel geplant. Hier wird zwischen bereits bebauten und neuen Vierteln im Stadtzentrum unterschieden. Insgesamt habe die Stadt Esch 22 neue PAPs geplant, die jetzt im Rahmen von sogenannten „Schémas directeurs“ vorbereitet wurden, wie die Urbanistin der Gemeinde, Daisy Wagner, gestern erläuterte.

Die Industriebrachen Esch-Schifflingen und „Crassier Terre-Rouge“ sind anders als die „Lentille Terre Rouge“ noch nicht im PAG integriert. Bei Bedarf könnten in den nächsten Jahren aber Änderungen des Flächennutzungsplans vorgenommen werden, erklärte Wagner.

Laut Prognosen der Stadtplanerin könnte die Einwohnerzahl Eschs bis 2025 von aktuell 35.000 auf 42.000 ansteigen. Fürs Jahr 2035 wird dann schon mit 56.100 Einwohnern gerechnet und nach der Erschließung von Esch-Schifflingen und des „Crassier“ könnten bis 2050 ganze 65.300 Menschen in Esch wohnen.

Bis dahin werde Esch eine „Großstadt“ sein und zusammen mit den (noch) Nachbargemeinden Schifflingen und Sanem eine „Metropole“ bilden, kommentierte der grüne Bautenschöffe Martin Kox diese Entwicklung.

Die anschließende Diskussion drehte sich weniger um den PAG an sich als um die vom Bürgermeister als „Not in my back yard“-Mentalität abgetanen Bürgerproteste gegen die Abholzung in „Wobrécken“ und mehrere Bauprojekte, die in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen in der Presse bestimmten.

„Private Bauherren übernehmen Ruder“

Wie fast alle Oppositionsräte kritisierte die Fraktionssprecherin der LSAP, Vera Spautz, die schlechte Informationspolitik und den Mangel an Bürgerbeteiligung bei Entscheidungen der schwarz-blau-grünen Mehrheit.

LSAP-Rat Jean Tonnar bemängelte, dass der Gemeinderat nicht vom Schöffenrat über die neuesten Entwicklungen auf den Industriebrachen „Rout Lëns“ und Esch-Schifflingen informiert worden sei. Er habe erst am Donnerstagabend über ein Online-Magazin erfahren, was dort nun passieren soll, meinte Tonnar. Weil die Stadt Esch in den Artikeln kaum Erwähnung fand, befürchtete der frühere Schöffe, genau wie sein Kollege Mike Hansen, dass nicht mehr die Gemeinde, sondern private oder halbstaatliche Akteure künftig bestimmen werden, wie Esch sich entwickelt. Vera Spautz vermisste zudem Studien über die sozialpolitische Entwicklung zur Bekämpfung der Armut und der hohen Arbeitslosigkeit in Esch.

Rat Marc Baum („déi Lénk“) betonte, der PAG sei ein fundamentales politisches Dokument, das vom Bürgermeister vorgestellt werden müsse, und vermisste Weitsicht bei der Stadtentwicklung. Genau wie Rat Henri Hinterscheid (LSAP) mahnte Baum, der Schöffenrat dürfe bei der hohen und rasanten Bevölkerungsentwicklung die Infrastruktur (Verkehr, Schulen, Freizeitanlangen) nicht aus den Augen verlieren. Hinterscheid warf auch die Frage auf, ob eine weitere Bauverdichtung wirklich Sinn mache, oder ob es nicht an der Zeit sei, zu entdichten.

Schöffe Martin Kox entgegnete, dass Wohnungen im urbanen Raum geschaffen werden müssten, sonst müsse man auf die „grüne Wiese“ ausweichen, was sicherlich in niemandes Interesse wäre. Bei der Entwicklung von Esch-Schifflingen seien zwei Vertreter der Stadt Esch im Entscheidungsgremium vertreten, betonte Kox. Auf die Frage der LSAP, wo die Pläne zur Schaffung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft dran seien, antwortete Kox, diese könne bald vorgestellt werden.

Die LSAP und „déi Lénk“ enthielten sich bei der ersten PAG-Abstimmung, mit der Begründung, das Bevölkerungswachstum müsse erst im Gemeinderat diskutiert werden (LSAP), und es seien noch zu viele Fragen offen („déi Lénk“).

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