Vor einem Jahr wurde die Luxembourg Field Sports Federation (LFSF) vom luxemburgischen Olympischen Komitee aufgenommen und ist somit der jüngste Sportverband des Landes.

Pit Bingen ist nicht nur Präsident des jungen Sportverbandes, der die Weiterentwicklung von kleineren Feldsportarten vorantreiben möchte, sondern spielt selbst auch Lacrosse. Eine Teamsportart, bei der es darum geht einen Ball mit einem sogenannten Stick in ein Tor zu befördern. Im Gespräch mit dem Tageblatt erklärt Bingen, warum die Gründung eines Dachverbandes notwendig wurde und wie Lacrosse überhaupt in Luxemburg entstanden ist.

Tageblatt: Herr Bingen, wie ist die Idee entstanden, die Luxembourg Field Sports Federation zu gründen?

Pit Bingen: Das Problem bestand einfach darin, dass ein Verband dem ASBL-Gesetz unterliegt und zur Gründung drei Mitglieder benötigt werden. Ein neuer Sportverband muss demnach drei Vereine haben. Wir haben uns daraufhin mit dem COSL zusammengesetzt und nach Möglichkeiten gesucht, wie Lacrosse föderiert werden könnte. Zuvor hatten wir bereits versucht, beim Feld- oder Eishockey integriert zu werden, was aufgrund von deren Statuten allerdings nicht möglich war. So kam die Idee, uns als kleinere Sportarten zu vereinigen, die auf einem Feld gespielt werden, um es nicht zu groß, aber trotzdem noch offen genug zu gestalten.

Welche Vorteile bieten sich Ihnen nun als Mitglied des COSL?

Viele administrative Hürden sind seitdem weggefallen. In der Stadt Luxemburg werden Felder zum Beispiel nur föderierten Sportarten zur Verfügung gestellt. Ein weiterer Vorteil ist die Unterstützung, die ein Verband und sein Nationalteam erhalten: Die Einrichtungen des INS („Institut national des sports“) können genutzt werden, Zuschüsse oder auch Sporturlaub können beantragt werden. Auch die Visibilität steigt, ein Bereich, in dem wir aber immer noch hinzulernen.

Neben Ihrer Tätigkeit als Präsident der LFSF spielen Sie selbst auch Lacrosse. Können Sie sagen, ob das Interesse an Ihrer Sportart seither gestiegen ist?

Vieles läuft bei uns noch immer über Mundpropaganda. Beim Lacrosse bringen viele Spieler auf einmal Freunde mit zum Training, zum anderen machen wir Werbung über die sozialen Netzwerke. Auch die Gründung der Nationalmannschaft ist etwas, das neue Leute angezogen hat. Was wir allerdings wieder ankurbeln wollen, das ist die Gründung einer Damenmannschaft. Was fehlt, sind jedoch Trainer. Wir sind noch nicht groß genug, um einen hauptamtlichen Trainer zu engagieren.

Lacrosse genießt besonders in Nordamerika eine hohe Popularität. Seit wann wird diese Sportart überhaupt in Luxemburg gespielt?

Den Verein gründeten wir 2016, davor waren wir drei bis fünf Leute, die regelmäßig auf der „Kinnekswiss“ spielten. Wir haben uns dann irgendwann gesagt, dass wir einen Klub gründen würden, wenn wir sechs engagierte Leute finden. 2016 waren wir dann zu neunt. Dann ging es allerdings sehr schnell, acht Monate später wurden wir schon vom europäischen und dann vom Weltverband aufgenommen. Danach hatten wir genau ein Jahr, um uns auf eine Weltmeisterschaft vorzubereiten.

Wie ist die erste WM für Ihr Team denn gelaufen?

Wir sind auf dem letzten Platz gelandet. Doch man darf nicht vergessen, dass einer unserer Spieler überhaupt erst sechs Monate vor der WM mit Lacrosse angefangen hat. Zudem herrschten in Netanja (Israel, d.Red.) 40 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und wir spielten zwei Wochen lang stets in der Mittagshitze. Hätten wir die eine Begegnung, die wir knapp mit 6:7 verloren haben, noch gewonnen, dann hätten wir im Endeffekt 15 Plätze besser abgeschnitten. Dennoch sind wir auf unsere Teilnahme sehr stolz, denn die ganze WM kostete uns 80.000 Euro. Jeder Spieler hat sogar 3.600 Euro aus eigener Tasche bezahlt. Wir hatten noch versucht, Sponsoren zu finden. Doch als unbekannte Sportart ist das nicht so einfach.

Wie sieht es aktuell auf Clubebene aus?

Es gibt hier im Land im Moment nur einen Verein, den Luxembourg Lacrosse Club, der in der Hauptstadt registriert ist. In der Großregion gibt es noch einen Klub in Saarbrücken, eine Universitätsmannschaft in Trier und in der Gegend von Arlon soll im Herbst ebenfalls noch ein Team entstehen. Wir selbst spielen in der belgischen Liga. Die Distanzen sind mal länger und mal kürzer, so spielten wir schon in Lille – das auch in der belgischen Liga antritt – aber auch schon in Lüttich. Mit der Verpflichtung von unserem Trainer Henning Schmidt, der auch im Europäischen Lacrosse-Verband sehr aktiv war, hatten wir zudem ziemlich Glück. Er ist gerade zu dem Zeitpunkt nach Luxemburg gezogen, als wir einen Trainer gesucht haben.

Wie sieht die Zusammensetzung des Teams aus? Überwiegen hier auch die englischsprachigen Spieler?

Insgesamt ist Englisch schon die Mannschaftsprache, doch die Hälfte sind inzwischen Luxemburger. Wir sind absolut im demografischen Mittel von Luxemburg. Natürlich kontaktieren uns amerikanische Eltern, weil wir auch mehr und mehr auffallen. Unsere jüngsten Spieler sind gerade mal 12 Jahre alt. Wir machen auch keinen Unterschied hinsichtlich des Alters. Das geht von 12 bis 49. Unser ältester Spieler war mit 48 Jahren noch bei der WM dabei, kurioserweise zusammen mit seinem Sohn, der 18 ist.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Zurzeit bereiten wir uns auf die EM 2020 in Polen vor. Diesmal gehen wir einen professionelleren Weg, mit einem wirklich guten Trainerstab aus den USA. Wir suchen immer noch nach Spielern und akzeptieren eigentlich jeden. Die Leute, die vorbeischauen, finden es auch von der Stimmung her immer sehr angenehm. Wenn man jetzt vorbeikommt, dann besteht die Möglichkeit, vielleicht sogar noch mit zur EM zu fahren.
Zudem gehen wir mehr in die Schulen und engagieren uns stark im Süden des Landes im Lycée LGK und im Lycée Belval. Unsere freien Mitarbeiter unterrichten hier Lacrosse und zusammen fahren wir im Mai sogar nach Brüssel zu einem Jugendturnier. Zudem wollen wir uns mehr um die Schiedsrichterausbildung kümmern.

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