Seit nun mehr 100 Jahren gibt es den Fahrzeughersteller Citroën. Das „Conservatoire national de véhicules historiques“ in Diekirch widmet in Zusammenarbeit mit dem André-Citroën-Club Luxemburg eine Sonderausstellung zum Jubiläum.

Von Olivier Halmes

Die Marke wurde 1919 von André-Gustave Citroën gegründet. Der 1878 in Paris Geborene war das fünfte Kind einer polnisch-belgischen Familie jüdischen Glaubens. Der Vater verdiente als Juwelenhändler sein Einkommen in Frankreich. Die Vorfahren der Familie waren im damaligen Holland im Obstgeschäft.

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Wegen des Handels mit Zitronen entstand später daher auch der Familienname. Um das Jahr 1811 mussten nämlich die Juden einen Familiennamen annehmen. Auch die Ahnen von André Citroën ließen sich von ihrem Beruf inspirieren und nannten sich Limoneman. Später änderten sie den Namen in Citroen (niederländisch für Zitrone). 1870 begann dann der französische Teil der Familiengeschichte. Fortan nannte sich dieser Zweig Citroën.

1885 wurde André Citroën im Lycée Condorcet eingeschult. Bei seiner Registrierung wurde der Familienname Citroen erstmals mit dem Trema, also „Citroën“, geschrieben. Diese Schreibweise übernahm später die gesamte Familie. Im Lyzeum begegnete er auch Louis Renault, welcher später zu einem seiner stärksten Konkurrenten werden sollte. Zwischen 1898 und 1900 ging er auf die Ecole Polytechnique. Bei einer Reise nach Polen gelang es André Citroën im Jahr 1900, ein Patent für die Herstellung von winkelverzahnten Zahnrädern aus Metall zu erwerben. Die Doppelwinkel-Form eines Getriebe-Radzahns sollte später dann auch zum Vorbild für das Firmenlogo der Automarke Citroën werden.

Seine ersten Erfahrungen mit der Automobilbranche machte er 1907 mit der wirtschaftlichen Sanierung der angeschlagenen Mors-Automobilwerke. Im Jahr danach wurde er zum Generaldirektor von Mors ernannt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs diente André Citröen als Offizier bei der Artillerie. Dort erlebte er 1914 die fatale Munitions-Knappheit bei der Schlacht an der Marne. Er bot schließlich dem französischen Kommando an, eine Fabrik für Geschützmunition zu errichten. Ab 1915 lief die Produktion und bis November 1918 wurden in den Fabriken Citroëns ungefähr 24 Millionen Granaten produziert.

Nach dem Krieg suchte André Citroën einen neuen Verwendungszweck für seine riesigen Fabrikhallen. Da er bereits sehr gute Erfahrungen mit der Automobilwirtschaft gemacht hatte, fiel die Entscheidung auf die Produktion von Autos. Schon ab Mitte 1919 lief das erste Fahrzeug vom Band. Vom Typ A wurden bis 1921 ganze 24.093 Exemplare gebaut. Anfang der 1920er Jahre konnte sich die Firma Citroën mit der Möglichkeit, 100 Fahrzeuge täglich zu bauen, als erster europäischer Großserienhersteller etablieren.

Der Firmengründer war Pionier und Visionär zugleich. Er wollte Fahrzeuge für die breite Masse der Bevölkerung bauen. Das Auto sollte Einzug in den Alltag erhalten, so seine Vorstellung. Genau wie der amerikanische Autobauer Henry Ford setzte er dabei gleich von Beginn an auf die Fließbandproduktion.

André Citroën war jedoch mehr als nur als Autokonstrukteur. Als erster Unternehmer in Europa zahlte er 1927 seinen Mitarbeitern ein 13. Monatsgehalt. Zudem führte er eine Krankenversicherung und eine Pension für die Mitarbeiter ein und eröffnete einen Betriebskindergarten.

Neue Wege in Sachen Werbung

Auch in Sachen Werbung und Marketing ging er neue Wege. Citroën bot als erster Hersteller Leasing- und Leihwagen an. 1921 stellte er rund 165.000 Straßenschilder und Wegweiser in Frankreich auf, alle mit dem Hinweis versehen: „Don de Citroën“ (Gestiftet von Citroën). In Paris beleuchtete sein Namenszug den Eiffelturm. Das Unternehmen schickte außerdem seine neuen Modelle als Werbeflotte in den Großstädten auf die Straße.
Die schlechte Lage der Weltwirtschaft und die hohen Entwicklungskosten für das Modell „Traction Avant“ (Vorderradantrieb) trieben den Konzern jedoch 1934 in den Konkurs. Als größter Gläubiger übernahmen die Gebrüder Michelin das Unternehmen. André Citroën starb am 3. Juli 1935 im Alter von nur 57 Jahren an Magenkrebs.

Den Erfolg des „Traction Avant“ erlebte er nicht mehr. Der Frontantrieb, die selbsttragende Karosserie, die vordere Einzelradaufhängung sowie Hydraulikbremsen prägten als wichtige Neuerungen das Modell. Wegen seiner guten Straßenlage wurde das Auto auch gerne als „Gangsterlimousine“ benutzt. Für das technische Meisterwerk waren André Lefèbvre (Technik) und Flaminio Bertoni (Design) verantwortlich. Als erstes Automobil mit Vorderradantrieb sind die verschiedenen Modelle bis 1957 gebaut worden.

Im Jahr 1955 löste der Citroën DS die Baureihe „Traction Avant“ ab. Das Auto wurde nach dem Wortspiel auch „La Déesse – Die Göttin“ genannt. Mit seiner avantgardistischen Karosserieform ist bis heute sein Status als Technik- und Design-Ikone unbestritten. Zum ersten Mal wurde bei einem Serienfahrzeug ein zentrales hydraulisches System für Federung, Bremsen, Schaltung sowie Servolenkung eingesetzt. Bis zum Produktionsende 1975 wurden insgesamt 1.456.115 Fahrzeuge der D-Reihe gebaut.

Ihre größte Popularität erreichte die Marke jedoch durch einen Wagen mit ganz simpler Technik. Die Rede ist von der legendären 2CV, in Deutschland auch Ente genannt. Anfangs als Konservendose oder sogar als Regenschirm auf Rädern spöttisch betitelt, trat die 2CV in Folge einen regelrechten Siegeszug an. Nicht nur in Frankreich, sondern auch im benachbarten Ausland stieg die Zahl der Besitzer rasant an.

Der günstige Anschaffungspreis, die geringen Unterhaltskosten und die einfache Technik wussten viele Kunden zu überzeugen. Von 1948 bis 1990 wurde das Modell 42 Jahre lang produziert.

Stolze 6.986.895 Fahrzeuge der verschiedenen Modelle 2CV, 2CV Camionnette, Dyane, Acadiane sowie des Ablegers Méhari sind damals gebaut worden.
Die Ausstellung ist in erster Linie der Zeit der großen Ära von Citroën gewidmet. Dabei wird der Bogen von den Anfängen nach dem Ersten Weltkrieg bis in die 1980er Jahre hinein gespannt. Der Besucher bekommt einen guten Überblick über die verschiedenen Modellreihen geboten und kann gleichzeitig den geschichtlichen Werdegang der Marke nachvollziehen.

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