In Grevenmacher befindet sich eines der urigsten Theater Luxemburgs: das Stued-Theater. Ein Besuch an der Weinstraße.

Hinter dem dunkelgrünen Tor und den Hecken vermutet man eher einen Schrebergarten als ein Juwel der luxemburgischen Kulturszene. Für Besucher, die sich in Grevenmacher nicht auskennen, ist es trotz genauer Adresse nicht einfach, das Stued-Theater an der Weinstraße auf Anhieb zwischen einem kleinen Parkplatz und einem dreistöckigen Wohnhaus zu finden.

Durch die Pforte gelangt man in eine Art Vorgarten mit einer Handvoll Stellplätze. Verborgener kann ein Theater nicht sein. Doch am Ziel ist der Besucher noch nicht, denn hinter einer zweiten Pforte gelangt man zu alten Stallungen oder einem Heuschober. Durchquert man diesen halboffenen Schuppen, gelangt man in den Hof des Anwesens, wo sich früher die Stellmacherei (Wagnerei) der Familie Urwald befand. Im hinteren Teil des Hofs befindet sich das kürzlich renovierte Wohnhaus; in der Werkstatt nebenan jedoch scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Einmalige Atmosphäre

Das Innere gleicht dem Abstellraum eines Antiquitätenhändlers. Der Raum, in dem sich heute das Stued-Theater befindet, war vor Jahrzehnten die Werkstatt der Stellmacherei. Etliche Instrumente aus früheren Zeiten hat Georges Urwald, der heutige Besitzer der alten Gemäuer, an Ort und Stelle gelassen. Dazu kommen etliche Gegenstände, die er über die Jahre auf Flohmärkten zusammengetragen hat.

Die Mitte des „Theatersaals“ ist mit Stühlen aufgefüllt. Teppiche und ein Holzofen verleihen dem Raum eine einmalige Atmosphäre. In einer Ecke steht eine etwa drei mal drei Meter große Bühne, die Urwald aus alten Stalltüren selbst zusammengezimmert hat. „Ja die ist sehr stabil“, beantwortet er eine diesbezügliche Frage, „da standen schon etliche Leute zusammen drauf.“

Das Anwesen befindet sich seit Generationen im Besitz der Familie Urwald. Die alte Stellmacherei, in der sich das Theater befindet, stamme aus dem Jahr 1820, doch seine Vorfahren seien nebenbei auch Winzer und Bauern gewesen mit einigen Kühen und Schweinen. Davon zeugen die alten Stallungen, die heute allerdings einen anderen Zweck erfüllen. In dem Teil des Gebäudes, das früher wohl zu einem Bauernhof gehörte, steht ein Renault Juvaquatre aus dem Jahr 1958, darüber lugt auf einer Art Dachgeschoss die Karosserie eines Dodge aus den 50ern hervor. Im Hof steht ein Traktor der Marke Fordson, Modell Dexta, Baujahr 1961.

Theater als Privatinitiative

Die Stellmacherei habe bis in die 70er Jahre funktioniert, danach sei das Gebäude noch bis in die 90er als Werkstatt benutzt worden. Georges Urwald, geboren 1971, übernahm 2005 das Anwesen. 2008 eröffnete er das Theater in Privatinitiative zusammen mit seiner früheren Frau Nadine Kauffmann, was finanziell so „just opgaang ass“. Eintritt mussten die Besucher damals nicht bezahlen: Sie konnten ihren freiwilligen Obulus in eine Art Sparschwein am Eingang werfen. Seit 2018 kümmert sich die Stued asbl um die Verwaltung; nun gibt Eintrittspreise wie in jedem Theater.

War der Ort in der Anfangszeit der luxemburgischen Kleinkunst gewidmet, sei das Programm mittlerweile doch sehr breit gefächert, erklärt Urwald. Neben Cabaret gibt es Konzerte, u.a. der Gruppen, in denen er mitwirke (er singt und spielt Klavier), wie z.B. Cojellico’s Jangen oder Flott, ein Duo zusammen mit einem Clown. Die nächste Vorstellung ist übrigens ein Monodrama von Jemp Schuster und findet kommende Woche statt.

Urwald ist von Beruf Musiklehrer im Echternacher Lyzeum. Er hat in Köln Schulmusik und Jazz-Instrumentalpädagogik (Hauptfach Klavier) studiert und ist logischerweise großer Jazzfan. In naher Zukunft wolle er ein kleines Musikfestival in dem Theater organisieren. „Free jazz“, sagt er mit Begeisterung. Doch die alte Werkstatt besitzt neben einem unwiderstehlichen Flair Potenzial für mehr. „Irgendwann mal“, sagt Urwald träumerisch und zeigt mit dem Kopf in Richtung Innenhof.

„Ein Café (das im Theater) ist bereits vorhanden und die Lizenz für Alkoholausschank besitzen wir auch. Der Hof schreit quasi nach einer Sommerterrasse.“

Info:

Stued-Theater
18a, route du Vin
L-6794 Grevenmacher
(50 Meter neben der Moselbrücke)
Der Name geht auf die rue des Bateliers zurück, die im Maacher Volksmund „Stued“ (dt. Gestade – Uferstraße) genannt wird.
Nächste Veranstaltungen:
25., 26., 27. April: „Autopsy“ mit Michèle Turpel, Text: Jemp Schuster,
Musik: Georges Urwald
10., 11. Mai: „Edith Piaf – Hommage à la Môme“ mit Véronique Kinnen und Claude Faber, Regie: Jean Noesen, Piano: Romain Kerschen
Beginn der Vorführungen jeweils um 20.00 Uhr
Infos: www.stued.lu

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