Eine Veröffentlichung der europäischen Statistikbehörde hat vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt. Aus den Zahlen ging hervor, dass in Luxemburg 20 Prozent der erwerbstätigen 18- bis 24-Jährigen armutsgefährdet sind. Gestern wurde im Parlament darüber debattiert. Die Abgeordneten waren sich einig, dass das Thema von den parlamentarischen Kommissionen aufgegriffen werden muss.

Die Abgeordnete Djuna Bernard („déi gréng“) ging auf die Lage junger Menschen ein. Sie sprach nicht nur über junge Arbeitnehmer, sondern auch über junge Geflüchtete, die plötzlich erwachsen sein müssen, sowie junge Menschen, die nicht immer freiwillig noch bei ihren Eltern wohnen. Statec hatte zuletzt die Zahlen relativiert – die Behörde führte etwa das hohe Medianeinkommen in Luxemburg an, auf dessen Grundlage das Armutsrisiko bemessen wird. Carole Hartmann (DP) fügte hinzu, dass nur 200 Jugendliche befragt wurden. Es ginge aber nicht darum, die Ergebnisse zu relativieren, sondern dafür zu sorgen, dass die Jugend eine Perspektive hat, ohne in Armut abzurutschen.

Für Marc Spautz (CSV) liegt ein Problem bei der Situation am Wohnungsmarkt mit steigenden Preisen. Spautz machte Vorschläge, um die Lage der Jugendlichen zu verbessern, darunter die Berufsausbildung aufzuwerten und Schulabbrecher besser aufzufangen. Der CSV-Politiker unterstrich zudem die Bedeutung des unbefristeten Arbeitsvertrages (CDI) und die Probleme, vor denen Arbeitnehmer aufgrund ihrer kurzfristigen Verträge stehen (Wohnungssuche, Kredite). Auch brauche Luxemburg endlich ein Praktikagesetz. Dieses befindet sich auf dem Instanzenweg.

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« Auch vom Reichtum sprechen »

Marc Baum („déi Lénk“) brachte die Zahlen von Eurostat mit einer Studie der grünen Fraktion im Europaparlament in Verbindung. Diese hatte gezeigt, dass multinationale Unternehmen in Luxemburg nur 2 Prozent Steuern zahlen. Baum sprach von einer Momentaufnahme der sozialen und ökonomischen Situation in Luxemburg. „Wer von Armut spricht, muss auch von Reichtum sprechen“, sagte Baum. Er machte einige Baustellen aus: prekäre Arbeitsverhältnisse, Praktika beim Berufseinstieg, verstärkte Einstellung von Jugendlichen mittels kurzfristigem Vertrag. Mehrere Abgeordnete sprachen an, dass junge Menschen unter 25 nicht vom „Revis“ profitieren könnten. Hier sei noch viel zu tun, meinte Baum. Das Parlament müsste sich in seinen Kommissionen im Detail mit diesem Thema beschäftigen.

Das Problem der Armut sei eng mit der Wohnungsbauproblematik verflochten, sagte auch Arbeitsminister Dan Kersch. Die Ungerechtigkeit beginne bereits bei der Vergabe von Immobilienkrediten. Zuletzt sei auch dank der Anstrengungen der Regierung die Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen stark gesunken, erklärte er weiter.

„Wenn es einer Person nicht gut geht, ist das eine Person zu viel“, sagte Familienministerin Corinne Cahen. Sie unterstrich die zahlreichen Anstrengungen des Bildungsministeriums, das viel unternehme, um junge Menschen zu unterstützen.
Nach Angaben der Ministerin habe Luxemburg den niedrigsten Anteil von „Needs“ in der EU. Dabei handelt es sich um junge Menschen, die weder zur Schule gehen noch arbeiten.

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