„Magic Bombs“ ist eine Geschichte des Erfolgs wider Willen. Die als Schulprojekt gestartete „Mini-Entreprise“ hatte Anlaufschwierigkeiten, und so wirklich glaubten anfangs selbst die jungen „Gründer“ nicht daran. Seit sie im Handel sind, gehen die Samenmischungen in Form einer Kugel indes weg wie warme Semmeln. Das Konzept liegt im Trend.

„Wir hatten anfangs null Lust, das zu machen“, sagt Joé Bultgen (20), „Blumen? Was sollen wir denn damit?“ Entsprechend zäh sind die ersten Gehversuche der runden Lehm-Erd-Samen-Mischungen. Die Kugeln, die je nach Samen magische Blütenpracht entfalten, brauchen kein Erdloch, sondern keimen mit ausreichend Wasser, wenn sie einfach auf der Oberfläche ausgesetzt werden. Und sie sehen aus wie kleine „Bomben“, daher der Name.

Die Verpackungen sind recycelbar und witzig gestaltet. Die Blumen tragen zur Diversität bei. „Es ist ein gutes Konzept“, sagen die beiden Gründer heute über ihr Geschäft.
Joé Bultgen und sein „Co-Fondateur“ Gabriel Kratz (19) besuchen die „Douzième“ am „Lycée technique de Bonnevoie“. Sie haben sich für den Schwerpunkt „Handel“ entschieden. Ein Kleinstunternehmen von der Idee bis zum Verkauf auf die Beine zu stellen, steht als Projektaufgabe auf dem Lehrplan. Entwickelt hat das der Verein „Jonk Entrepreneuren“ für luxemburgische Schulen. „Wir wollen damit so früh wie möglich die unternehmerische Mentalität fördern“, sagt Direktorin Stéphanie Damgé (38).

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Ihren Angaben nach machen mittlerweile 11.500 Schüler von Grundschulalter bis zu den 16- bis 19-Jährigen aus 23 Lyzeen im Land mit. „Unsere Gesellschaft verändert sich schnell und rasant“, sagt Damgé, „unternehmerisches Denken und Handeln ist eine Antwort darauf.“ Sie hätte auch sagen können: Ohne die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Anpassungs-, Team- und Kontaktfähigkeiten sowie Kreativität geht es nicht mehr.

Fünf Bombensorten

Fünf verschiedene Samenmischungen
gibt es bei „Magic Bombs“. Sie heißen:

„Unicorn poop“: Blumen in verschiedenen Farben;
„I love Luxembourg“: Blumen in den luxemburgischen
Landesfarben;
„It’s a boy“: blaue Blumen;
„Its a girl“: rosa Blumen;
„Love“: nur rote Blumen.

Eine Box kostet 5,50 Euro, Lieferzeit: ein bis zwei Wochen. Die Bestelladresse lautet magicbombs.jel@gmail.com.

Viel dazugelernt

Verantwortung zu übernehmen und sich anzupassen, haben die beiden Gründer inzwischen gelernt. Andere Mitschüler aus ihrer Klasse konnten schon im Oktober/November 2018 an die Vermarktung ihrer Produkte gehen. Sie hatten noch nichts. „Sie haben sich anfangs sehr schwer mit dem Projekt getan“, bestätigt Tom Emeringer (39), einer der beiden Lehrer im Fach „Sciences économiques et sociales“, „aber wenn aus der Idee auf Papier etwas Konkretes entsteht, wächst die Motivation.“

So ist es bei „Magic Bombs“. Die ersten Kugeln stehen im Februar fertig verpackt und bereit für den Verkauf. Dann kommt der 2. März und die „Foire“ mit 74 anderen Mini-Unternehmen. Der Erfolg ist umwerfend. Nach zwei Stunden ist „Unicorn poop“, eine der fünf Mischungen, ausverkauft. Am Ende des Tages sind 210 von 300 „Magic Bombs“ verkauft. „Das haben wir nicht erwartet“, sagt Bultgen, „zumal unsere Produkte auf den letzten Drücker fertig wurden.“

Verkauf boomt

Danach bekommt das achtköpfige Schülerteam richtig Arbeit. Die PR- und Marketingabteilung erreicht ein vergleichsweise großes Medienecho, die Einkäufer müssen für genügend Samenlieferungen aus Deutschland sorgen und der Produzent, die Behindertenwerkstatt „Coopérations“ in Wiltz, produziert auf Hochtouren. Zwei große Supermärkte in Luxemburg wollen die „Magic Bombs“ samt Verkaufsstand als Sonderaktion und der Onlinehandel über Facebook kommt in Schwung. Bei den Gründern weicht die Skepsis. „Noch nicht ein Kunde hat sich beschwert oder war unzufrieden mit unseren Produkten“, sagt Bultgen. Sogar eine Regierungspartei klopft an und ordert eine speziell nach ihren Wünschen gefertigte „Bombe“, die nur blaue Blumen hervorbringt. „Bestseller“ ist übrigens „Unicorn poop“, die Blumenmischung mit vielen Farben.

Bleibt es dabei?

Und was haben sie in dieser Zeit gelernt? „Ich wollte schon immer Unternehmer werden“, sagt Joé Bultgen, „ich habe keine Lust, den Rest meines Lebens für jemand anderen zu arbeiten.“ Bei Gabriel Kratz sieht die Sache anders aus. „Mir ist das zu stressig“, sagt er, „ich will nach dem Abschluss entweder auf die Polizeischule oder den Pilotenschein machen.“

Egal wie es kommt, das Unternehmertum war eine Erfahrung fürs Leben. Der Kontostand ist mit 850 Euro und noch ausstehenden Zahlungen gut bis sehr gut. Und das „Business“ kann sich getrost „social“ nennen. Den Großteil ihres Gewinns, das kündigen die beiden „Chefs“ übereinstimmend an, spenden sie später ihrem Produzenten in Wiltz.

Jonk Entrepreneuren

Die „Jonk Entrepreneuren“ wurde als Asbl 2005 gegründet. „Education à l’entrepreneuriat“ für
9- bis 25-Jährige ist das Ziel des Vereins. Laut der Direktorin ist die Asbl eine „Public-Private Partnership“, in der sich rund 50 Unternehmen, die Handelskammern und drei Ministerien (Bildungs-, Wirtschafts- und Staatsministerium) zusammengetan haben. Eine „Mini-Entreprise“ als Projektaufgabe ist eines der elf Programme, die die Asbl für Schulen ausgearbeitet hat.
Das Startkapital für ein Mini-Unternehmen beträgt 150 Euro. Das Ganze endet mit dem Finale, für das 15 von Schülern gegründete Kleinstunternehmen ausgewählt werden. Sie müssen sich am 6. Juni vor der „Chambre de commerce“ präsentieren.

 

 

 

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