Es ist so weit: Die Entscheidung, wer neben Ettelbrück ins Meisterschaftsfinale einziehen wird, wird am Mittwoch in der Lallinger Sporthalle in Esch fallen. Sowohl der Basket Esch als auch der T71 Düdelingen gingen zweimal als Gewinner vom Platz. Wer von diesen beiden Teams besitzt die größeren Kraftreserven, um sich das Finalticket sichern zu können?

Zum ersten Mal, seit dieser Spielmodus in der Total League ins Leben gerufen wurde, geht eine Serie über die volle Distanz von fünf Partien. Die Fans kommen also voll auf ihre Kosten. Die Spieler kostet es vor allem enorm viel Kraft, bei einem ohnehin schon straffen Terminkalender. Zur Erinnerung: Zunächst bestritten die Mannschaften eine 18 Spieltage umfassende Qualifikationsrunde, ehe die Titelgruppe (fünf Spieltage) und das Viertelfinale („Best of 3“) auf dem Programm standen. Zurzeit steht das Halbfinale („Best of 5“) an, ehe es bereits am Samstag gleich mit dem Finale („Best of 5“) weitergeht.

Zählt man noch den Pokalwettbewerb dazu, kommt Düdelingen auf sein bereits 31. Spiel der Saison. Esch hingegen hat auch nur eine Partie weniger auf seinem Konto. Beim T71 ist die körperliche Belastung noch extremer, schließlich bestreiten die Schützlinge von Trainer Pascal Meurs mit der heutigen ihre bereits siebte Partie innerhalb von nur drei Wochen. Für Düdelingen standen nämlich noch die Viertelfinalspiele gegen Sparta Bartringen an, während der Basket Esch in jener Woche pausieren konnte.

Im Halbfinale haben beide Teams mit den englischen Wochen (Spieltag am Mittwoch und Samstag) zu kämpfen. Zwischen den Begegnungen stehen immer nur wenige Tage Pause für die Spieler an. „Dieser Rhythmus ist schon recht heftig. Vor allem die Spiele am Mittwoch verlangen viel von einem ab, weil man tagsüber arbeiten muss“, erklärt Fränk Muller vom T71 Düdelingen. Ähnlich sieht es auch Géraldine Reitz, die Physiotherapeutin der Düdelinger. Sie findet, dass der physische Aufwand ohnehin beim Basketballspielen extrem hoch ist.

Für Nicht-Profis sei dies eine richtige Herausforderung, „40 Minuten auf dem Spielfeld zu sein, kann man mit einem ‘High intensity’-Training vergleichen. Der Spieler läuft fast ständig, springt und legt zwischendurch noch Sprints ein. Das geht schon sehr an die Kondition und Substanz. Zudem werden die Muskeln und einzelne Gelenke in Mitleidenschaft gezogen“, sagt sie.

Um wieder voll zu Kräften kommen zu können, benötigt der Körper eigentlich eine gewisse Regenerationszeit. Diese Bedingungen sind aufgrund der englischen Wochen aber nicht unbedingt gegeben. „Ideal wäre es, wenn der Spieler seinem Körper einen ganzen Tag Ruhe geben würde“, so Reitz. Aber meistens steht am Tag nach dem Spiel wieder das Training auf dem Programm. Dann ist es wichtig, nur ein leichtes Training zu bestreiten, um die Muskeln nicht zu viel zu beanspruchen.

Ü30-Fraktion

Der Faktor Müdigkeit könnte also im alles entscheidenden fünften Spiel eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Startfünf des T71 mit 29 Jahren im Durchschnitt im Vergleich zum Gegner etwas älter ist. Sieht man vom US-Duo ab, gehören die Luxemburger Tom Schumacher (32 Jahre), Eric Jeitz (32) und Fränk Muller (31) alle drei der Ü30-Fraktion an. Des Weiteren bekommen Leistungsträger wie Schumacher und Muller in den entscheidenden Spielen nur wenige Verschnaufpausen.
Kleine Ermüdungserscheinungen sind deshalb völlig normal, wie die „Kiné“ des T71 erklärt. „Der Körper wird einfach ab einem gewissenen Alter müder. Mit 30 Jahren baut er schon ab. Hat der Spieler zudem schon etliche Jahre als Sportler auf dem Buckel und hatte auch schon mit diversen Verletzungen zu kämpfen, ist bereits ein gewisser Knorpelschaden an den Gelenken vorhanden“, sagt sie.

Das Escher Team, das mehr Spieler in seine Rotation einbindet, müsste in dieser Hinsicht einen kleinen Vorteil gegenüber Düdelingen. Trotzdem wollen Muller, Schumacher und Co. diesen Aspekt der Müdigkeit sicherlich nicht als mögliche Ursache für eine Niederlage gelten lassen. Sie befinden sich in puncto körperliche Fitness derzeit voll im Soll. „Ich war schon ein wenig überrascht darüber, dass sich bisher kein Spieler mit größeren Wehwehchen herumplagen musste. Aber man merkt ihnen schon eine gewisse Müdigkeit an. Die Waden und Oberschenkel bereiten ihnen manchmal Probleme. Es kommt auch gerne mal zu einer Übersäuerung der Muskeln. Aber größere Verletzungen hat sich derweil noch niemand zugezogen“, sagt Reitz.

Verletzungsrisiko

Trotzdem bleibt das Verletzungsrisiko bestehen. Fünf Begegnungen binnen zwei Wochen zu spielen hinterlässt nämlich Spuren. Die größte Gefahr lauert darin, dass jemand umknickt. Auch Muskelzerrungen und Krämpfe können bei einer zu großen körperlichen Belastung gerne auftreten. Um sich vor Verletzungen bestmöglich schützen zu können, rät Reitz zu präventiver Arbeit. Auf keinen Fall sollten die Spieler auf das Dehnen nach den Trainingseinheiten und den Partien verzichten. „Der Körper braucht diese Cool-down-Phase“, so die 32-Jährige. Stretching kann außerdem zu einer Reduzierung eines Muskelkaters führen. „Ich habe unseren Spielern schon vor der Saison einen Trainingsplan mit Übungen gegeben, die sie während dieser Cool-down-Phase durchführen können. So können sie auch ihre Beweglichkeit steigern.“

Ein Spieler, der in letzter Zeit viel auf seine körperliche Fitness achtet, ist Fränk Muller. Der Centerspieler des T71 Düdelingen überlässt dabei nichts dem Zufall. „Wegen meiner sportlichen Auszeit vom Basketball hatte ich letzte Saison so einige Defizite im physischen Bereich. Aus diesem Grund habe ich im vergangenen Sommer viel an meiner Physis gearbeitet“, erklärt der 31-Jährige.

Deshalb fühlt er sich derzeit in einer guten körperlichen Verfassung. „Ich lege zudem viel Wert auf meine Regeneration. Ich achte sehr auf meine Ernährung und meinen Schlaf. Auch Behandlungen beim ‘Kiné’ stehen bei mir auf dem Programm. Trotzdem tut mir der Körper zu diesem Zeitpunkt der Saison schon weh. Aber das hat wohl auch mit meiner Spielweise und Position zu tun, die viel Kraft kostet“, verrät Muller. Heute wird der Körper wieder leiden müssen. Doch ohne diese physische Aufopferungsbereitschaft wäre auch kein Erfolgserlebnis möglich.

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