Dass es seit der Wahl von Frank Engel zum CSV-Präsidenten in der Partei brodelt, war schon in den letzten Tagen zu erkennen (das Tageblatt berichtete): Es soll zahlreiche Rücktritte von Mitgliedern gegeben haben, die sich nicht mit dem neuen Präsidenten identifizieren konnten. Später hat auch der CSV-Mitarbeiter Pit Bouché seine Kündigung eingereicht.

Jetzt hat Serge Wilmes, der sich Engel im Rennen um den CSV-Vorsitz knapp geschlagen geben musste, seinen Frust über seine Niederlage ganz offen ausgedrückt. Denn, so erklärte der dem Radiosender RTL am Mittwochmorgen (20.2.), er habe immerhin einen Plan (« Projet ») für die Erneuerung der Partei gehabt – während Engel offenbar nur mit der Strategie angetreten sei, um der nächste Spitzenkandidat zu werden.

Schon bei den Anhörungen im Vorfeld und dann beim entscheidenden Parteikongress habe er « das Gefühl gehabt, wir sind nicht im Jahr 2019, sondern schon im Januar 2023, kurz vor den nächsten Chamber-Wahlen. »

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Mehrfach bemängelte er dass offenkundige Fehlen einer « intelligenten Oppositionspolitik » – und dass der markige Ton, den Frank Engel anschlägt, diese nicht erwarten lasse: « Wenn ich Sätze höre wie ‘Wir müssen jetzt knallhart sein’ oder ‘Die Karre steckt im Dreck’ oder ‘Wir müssen klar gegen diese Regierung arbeiten’ – das sind die Sätze, die die Leute nicht mehr von uns hören wollen, dass wir gegen etwas sind », sagte Wilmes im Radio.

Die Menschen wollten jetzt umso mehr wissen, für was sie die CSV eigentlich an die Macht wählen sollten.

Er hab mit Engel in den vergangenen Wochen praktisch nicht gesprochen, sei aber prinzipiell bereit dazu. « Das erste, was ich ihn fragen würde, wäre aber: Was ist dein Plan für die Partei? Ich höre immer nur von Deinen Plänen, der nächste Spitzenkandidat zu werden! », sagte er bei RTL.

Schon die neue Fraktionspräsidentin Martine Hansen nimmt Wilmes dabei explizit von der Kritik aus: Denn deren Aussage, man solle jetzt mehr Gesetzesvorschläge einbringen, gehe in die richtige Richtung, eine Politik zu machen, mit der man nicht nur Wahlen gewinnt, sondern auch einen möglichen Koalitionspartner findet.

Ob aktiv gegen seine Kandidatur gearbeitet wurde, könne er nicht mit Sicherheit sagen: « Das ist nicht immer so genau zu erkennen », sagte Wilmes, ließ aber doch durchblicken: « Man hat nicht nur Freunde und Kollegen, das ist in einer Partei nicht anders
als im Leben. »

Weitere Bestrebungen für höhere Posten sieht Wilmes eher pessimistisch: Das werde in den kommenden Jahren wohl eher schwierig. Von daher konzentriere er sich jetzt mehr auf sein Doppelmandat als Chamber-Abgeordneter und Schöffe der Hauptstadt.

Die Frage, ob die Europawahlen für ihn ein Thema seien, beantwortet er kurz und knapp: « Nein. »

 

 

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