Luxemburger gehören zu den gesündesten Menschen weltweit. Dass das Großherzogtum im Gesundheitsindex von Bloomberg einen Platz eingebüßt hat, beunruhigt den Gesundheitsminister nicht.

In einem von Bloomberg erstellten Gesundheitsindex ist Luxemburg 2019 um einen Platz abgerutscht (Rang 11). Die Abgeordnete Nancy Arendt (CSV) sieht Erklärungen dafür in der zunehmenden Fettleibigkeit hierzulande, in der schlechter werdenden Ernährung und darin, dass die Bewohner des Landes weniger Sport treiben. In einer parlamentarischen Anfrage hat sie Gesundheitsminister Etienne Schneider damit konfrontiert.

Wie genau die Zahlen zustande kommen, darüber habe das Ministerium nur begrenzte Informationen, sagt Schneider. Bloomberg publiziere nicht alle Informationen zur Studie. Allerdings sei klar, dass Daten über die Lebenserwartung und Gesundheitsrisiken (Blutdruck, Übergewicht, Rauchen …) berücksichtigt werden. Wie genau vorgegangen wird, das publiziere Bloomberg nicht, was es unmöglich mache, den Index objektiv zu bewerten.
Schneider unterstreicht aber, dass Luxemburg nur 0,48 Prozentpunkte verloren hat (von 87,87 auf 87,39 Prozent) – und bezweifelt, dass dies überhaupt signifikant ist. Solche Werte, die aus vielen Quellen zusammengestellt sind, hätten immer eine hohe Schwankungsbreite. Der Wert, den Bloomberg den Gesundheitsrisiken beimisst, sei außerdem von 5,03 auf 4,64 gefallen. Das spreche gegen die Interpretation des Senders RTL und der Abgeordneten, so Etienne Schneider, dass Übergewicht, schlechte Ernährung und Bewegungsmangel in den letzten zwei Jahren zugenommen haben.

Luxemburger trinken weniger

Der LSAP-Politiker bestreitet nicht, dass es in einer postindustriellen Gesellschaft eine Reihe von Risiken gibt, die bekämpft werden müssen. Dies gehe aus anderen Studien hervor, die (anders als die Arbeit von Bloomberg) komplett veröffentlicht wurden und methodologisch überprüfbar sind. Im nationalen Aktionsplan „Gesond iessen, méi beweegen“ (GIMB) würden zwei dieser Faktoren – die Ernährung und die Bewegung – im Detail angegangen, erklärt Schneider. GIMB sei nach zehn Jahren Existenz 2016 ein erstes Mal evaluiert worden. Eine Reihe von Vorschlägen sei in den neuen überarbeiteten Plan eingeflossen, so der Gesundheitsminister weiter.

Eine der Neuerungen war es, den Plan nicht nur auf Kinder, sondern auch auf andere Altersgruppen zu münzen. Auch wurde Wert darauf gelegt, dass die Ministerien in dieser Sache besser zusammenarbeiten. Kurzfristig gebe es deshalb keinen Bedarf für weitere Evaluationen, so die Antwort des Ministers auf eine diesbezügliche Frage der Abgeordneten. Die nächste Überprüfung des Plans sei für das Jahr 2023 vorgesehen. Bloomberg veröffentlichte seinen Global Health Index im Februar. Den ersten Platz belegt in diesem Jahr Spanien. Gefolgt wird das Land von Italien, Island, Japan, der Schweiz, Schweden, Australien, Singapur, Norwegen und Israel. Die USA reichen Platz 35 und China Platz 52.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge beträgt die Lebenserwartung von Jungen bei der Geburt 80 Jahre und die von Mädchen 86 Jahre. Laut dem „European Health Report 2018“ der Organisation rauchen 24,4 Prozent der Menschen in Luxemburg über 15 Jahre. Der WHO zufolge trinken die Menschen im Großherzogtum über 11 Liter puren Alkohol im Jahr (Stand 2014). Damit unterscheiden sie sich kaum von den Nachbarn in Deutschland und Frankreich. Der Wert ist seit den 70 Jahren jedoch stark zurückgegangen. Laut WHO tranken die Bewohner des Landes 1970 rund 18,6 Liter reinen Alkohol im Jahr.

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