Vor genau 80 Jahren erklärte General Franco den Spanischen Bürgerkrieg für beendet. Es folgte eine Diktatur mit zehntausend Toten, hunderttausend Vermissten sowie fast einer halben Million Gefangenen. Bis heute sind ihre Spuren sichtbar, die Geschichte ist offiziell nie richtig aufgearbeitet worden.

„Am heutigen Tag haben die nationalen Truppen ihre letzten militärischen Ziele erreicht.“ Das Heer der „Roten“ sei gefangen und entwaffnet. Mit diesem Tagesbefehl erklärte General Francisco Franco am 1. April 1939 das Ende des fast dreijährigen Bürgerkriegs in Spanien. Ein Krieg, der am 17. Juli 1936 mit dem Aufstand einer von Franco angeführten Armee-Einheit gegen Spaniens demokratisch gewählte linke Republikregierung begann – und in dem bis zu 500.000 Menschen umgekommen sein sollen.

Die Wunden des Bürgerkriegs, in dem Rechte gegen Linke kämpften, sind auch 80 Jahre später noch nicht verheilt. Genauso wenig wie jene der nachfolgenden Diktatur Francos, der sich mit dem Segen der katholischen Kirche zum „Führer von Gottes Gnaden“ erhob. Seine Herrschaft dauerte bis zu seinem Tod im Jahr 1975. Und sie spaltet bis heute die spanische Gesellschaft.

Kritik an Franco-Mausoleum

Die alten ideologischen Gräben sind im aktuellen Streit um Francos Grabstätte wieder aufgebrochen, die vor den Toren Madrids und ziemlich prominent mitten in einer mächtigen Bergbasilika im „Tal der Gefallenen“ liegt. Die Basilika wurde kurz nach Ende des Kriegs von republikanischen Zwangsarbeitern gebaut. Dort ließ Franco 34.000 Opfer bestatten: 22.000 Tote aus seinem nationalkonservativen Lager und 12.000 Republik-Anhänger – Letztere wurden ohne Zustimmung ihrer Angehörigen dorthin gebracht.

Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez will das Franco-Mausoleum, das zu einem Wallfahrtsort für Rechtsradikale wurde, in einen Ort des Gedenkens an die Kriegs- und Franco-Opfer verwandeln. Deswegen sollen die Überreste des Diktators exhumiert und an einen öffentlich nicht zugänglichen Ort gebracht werden. „Keine Demokratie kann es sich leisten, Denkmäler zu haben, welche eine Diktatur verherrlichen“, sagte Sánchez.
Doch der Plan stößt auf Hindernisse: Die Familie des Diktators zog dagegen vor Gericht. Und Spaniens konservative Opposition wirft Sánchez’ Sozialisten vor, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. Nach Umfragen sind annähernd die Hälfte der Spanier dafür, Francos Grabstätte nicht anzutasten.

Franco erhielt übrigens im Bürgerkrieg Unterstützung von Adolf Hitler, auch von Italiens Diktator Benito Mussolini. Die deutsche Legion Condor mischte mit Flugzeugen und 5.000 Soldaten mit. Zum bekanntesten Kriegsakt der Deutschen gehört der Luftangriff auf die nordspanische Kleinstadt Guernica, die am 26. April 1937 bombardiert wurde. Der Maler Pablo Picasso hielt die Folgen des Angriffs in seinem berühmten Gemälde „Guernica“ fest.
Die Verteidiger der Republik bekamen wiederum Hilfe aus der Sowjetunion: Der dortige Machthaber Josef Stalin schickte Kampfflugzeuge und Panzer. Zudem kämpften auf der Seite der Republikaner Zehntausende Freiwillige aus ganz Europa – sie formten die „internationalen Brigaden“.

Massengräber ohne historische Aufarbeitung

„No pasarán“ (Sie werden nicht durchkommen), lautete der Schlachtruf der Republikaner. Doch die Franco-Truppen kamen durch: Nach fast dreijährigen Kämpfen hatten sie Spanien unter Kontrolle. Franco verkündete: „Der Krieg ist vorbei.“ Aber das Leiden ging in der folgenden Diktatur weiter – wenigstens für jene, die nicht auf Francos Seite standen. Zehntausende Franco-Gegner wurden in den ersten Diktaturjahren an die Wand gestellt und dann irgendwo in Massengräbern verscharrt. Mehr als 100.000 Oppositionelle sind bis heute verschwunden. Mindestens 400.000 Regimegegner wurden in Arbeitslager gesteckt, etwa 650.000 Republikanhänger flüchteten ins Exil.

Bis heute gibt es keine offizielle Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels. Auch nach den verschwundenen Opfern wird vom Staat nicht gesucht. „Eine Schande“, finden die Opferverbände, die bisher in Eigeninitiative versuchen, die Massengräber mit den sterblichen Überresten der Verschollenen zu finden. Spaniens Regierungschef Sánchez will dies nun ändern. Er möchte die Opfersuche zur Staatsangelegenheit machen und eine Wahrheitskommission ins Leben rufen, „damit ein für alle Male die Wunden des Franquismus geschlossen werden“.

Die Frage ist nur, ob Sánchez noch Zeit hat, seine Ideen umzusetzen. Ende April stehen Wahlen an: Spaniens konservative Parteien kündigten bereits an, dass sie im Falle ihres Wahlsieges die Sánchez-Pläne beerdigen werden. Über Jahrzehnte schienen Rechtspopulisten in Spanien zudem keine Chance zu haben. Kaum vorstellbar, dass sie ins Parlament einziehen könnten oder sogar in die Regierung. Das ändert sich gerade. Vertreter der extrem rechten Vox-Partei werden mit ziemlicher Sicherheit ins Parlament einziehen – und vielleicht sogar eine Rechtskoalition an die Macht bringen.

 

Von unserem Korrespondenten Ralph Schulze

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