Abstieg, vereinslos, zweite Liga: Der Karriereweg von Billy McNutt im luxemburgischen Basketball ist ungewöhnlich. Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt: Am Samstag konnte der Kanadier mit dem Pokal seinen ersten Titel feiern.

Erleichtert, aber gezeichnet von der Partie nahm Billy McNutt nach der Siegerehrung auf dem Podest Platz, auf dem die Spieler der Etzella Ettelbrück Minuten vorher den Pokal in Empfang nehmen durften. Dass die Begegnung, in der sein Team am Samstagabend als großer Favorit galt, kein Zuckerschlecken war, konnte man nicht zuletzt am Cut über seinem linken Auge erkennen. Eine Verletzung, die der 34-Jährige direkt in den Anfangsminuten des Endspiels der Coupe de Luxembourg durch einen Schlag mit dem Ellbogen erlitten hatte und die ihn in der ersten Halbzeit sichtlich störte.

Gleich mehrmals musste der Kanadier auf der Ersatzbank Platz nehmen, weil die Blutung nicht zu stoppen war. „Ich war wirklich besorgt, dass ich ins Krankenhaus müsste, und das gerade in einem Finale, dabei wollte ich meinen Teamkollegen doch einfach nur helfen“, erklärt der bescheidene Kanadier seine Gefühlslage während der ersten 20 Spielminuten.

Doch McNutt biss auf die Zähne und fand nach der Halbzeitpause zu der Form zurück, die ihn in dieser Saison auszeichnete und dank deren seine Mannschaft bisher nur eine einzige Niederlage – vor fünf Monaten gegen den T71 Düdelingen – einstecken musste. Dass der 34-Jährige ein Kämpfer ist, unterstrich er nicht nur im Pokalendspiel. Denn als Billy McNutt vor fünf Jahren zur Etzella Ettelbrück kam, hatte er bereits einen steinigen Weg in der luxemburgischen Basketballwelt hinter sich.

Zum Einstieg ein Abstieg

Im November 2011 stand er erstmals in Luxemburg auf dem Parkett. Mitten in der Saison kam er zur US Heffingen, wo er den US-Amerikaner William Walker ersetzte. Eine schwierige Spielzeit, denn das Team stieg am Ende ohne den Hauch einer Chance in die zweite Liga ab. Keine gute Werbung auch für den Kanadier, der Probleme mit der Rolle hatte, die ein Profi-Spieler in Luxemburg nun einmal annehmen muss, und der Verantwortung, die er übernehmen sollte. Als „kleinen Kulturschock“ bezeichnete er seine erste Saison daher immer wieder. Für die darauf folgende Spielzeit fand McNutt dann auch keinen luxemburgischen Verein mehr, der ihn verpflichten wollte, und kehrte vorübergehend in seine Heimat Kanada zurück.

Dennoch steckte der damals 28-Jährige nicht auf und wollte es noch einmal in Luxemburg wissen, schließlich hatte er zu diesem Zeitpunkt hier auch eine Lebensgefährtin. Und so kam er nach mehreren Monaten, in denen er ohne Verein war, zum Racing Luxemburg in die zweite Liga. Für McNutt ging es vor allem darum, wieder in Form zu kommen, was nach und nach auch gelingen sollte, denn am Ende der Saison verpassten die Hauptstädter den Aufstieg in die erste Liga nur knapp. McNutt entwickelte sich in diesen Monaten zu einem wertvollen Leistungsträger, auf den auch der damalige Ettelbrücker Coach Jan Enjebo aufmerksam wurde. Es war der Schwede, der McNutt schlussendlich zum Klub in den Norden brachte: „Ich schulde ihm und dem Verein viel, denn so habe ich noch einmal die Möglichkeit bekommen, mich in der höchsten Liga zu beweisen“, zeigt sich der Kanadier noch immer dankbar.

Seither geht McNutt in Ettelbrück auf Korbjagd und ist somit neben Racing-Spieler Scott Morton der ausländische Akteur, der am längsten in der Luxemburger Basketball-Liga verpflichtet ist. Obwohl sich der Kanadier von Saison zu Saison kontinuierlich weiterentwickelt hat und mit immerhin 34 Jahren seine bisher stärkste Spielzeit bestreitet, gilt er weiterhin als einer der am meisten unterschätzten Spieler im Land. Alleine in der Qualifikationsphase der laufenden Saison kam er jedoch auf durchschnittlich 23 Punkte und zwölf Rebounds pro Spiel.

Einer der am meisten unterschätzten Spieler

Doch ist die Spielweise von McNutt sichtlich unspektakulärer als zum Beispiel die seines Teamkollegen Tim Coleman, der zweiten ausländischen Stammkraft im Ettelbrücker Kader. Während Coleman offensiv glänzt und die Zuschauer auch schon mal gerne durch seine beeindruckenden Dunkings oder Blocks zu begeistern weiß, stellt sich McNutt komplett in den Dienst der Mannschaft und geht in den Spielen dann auch meist dahin, wo es wehtut.

Zudem zeigte der Kanadier in den letzten Jahren vor allem immer dann Nerven, wenn es in die entscheidende Saisonphase ging. So blieb Billy McNutt bei seinem ersten Pokalendspiel im vergangenen Jahr in der Arena der Coque gegen die Amicale Steinsel blass. Auch in den Meisterschaftsfinals einige Wochen später gegen den gleichen Gegner fand der sonstige Leistungsträger nicht zu seiner Form und musste folglich reichlich Kritik einstecken.

„Billys Problem in den letzten Jahren war vor allem, dass er sich immer zu viele Fragen gestellt hat. Er besitzt ein großes taktisches Wissen, doch im Basketball kommt es auch immer auf den Moment an“, erklärt der aktuelle Ettelbrücker Coach Kresimir Basic, der das Team in der letzten Saison von Jan Enjebo übernommen hat, das größte Problem seines Spielers. Der Trainer betont gleichzeitig auch, dass sich McNutt in der Vergangenheit einfach viel zu sehr selbst im Weg stand: „Ich habe ihm dann auch gesagt, dass er nicht da ist, um zu denken, das ist meine Aufgabe.“

Die Lautstärke treibt aus der Komfortzone

Laut Basic hat McNutt in dieser Saison voll und ganz verstanden, wie er dem Team am besten weiterhelfen kann: „Seine Rolle ist die eines modernen Center-Spielers. Er hat endlich begriffen, dass er laufen und mehr Energie auf das Parkett bringen muss. Er kam im Sommer auch in einer besseren Form zurück nach Luxemburg. Ich glaube, die Erfahrung hat ihm geholfen, noch professioneller zu werden.“

Dabei fordert der kroatische Coach immer besonders viel von seinem kanadischen Spieler, wie man auch am Samstagabend in der Coque feststellen konnte, als der Trainer McNutt immer wieder laut anschrie: „Vielleicht bin ich manchmal etwas zu laut, doch ich versuche, meine Spieler bis an ihre Grenzen zu pushen. Billy bekommt das ganz besonders zu spüren, das weiß er auch. Doch nur so kommt er aus seiner Komfortzone heraus. Ich versuche nur, ihn auf das höchstmögliche Level zu bringen. Das Niveau, auf dem er der Mannschaft am besten weiterhelfen kann.“

Dass McNutt damit offenbar kein Problem hat, betonte er nach dem Pokalsieg mit einem Schmunzeln: „Der Trainer meinte in der Pause, dass wir die erste Halbzeit vergessen und einfach unseren Basketball spielen sollen, dann würden wir das Spiel schon noch gewinnen. Ich will seine genaue Wortwahl nicht wiedergeben, nur so viel: Er fand einige motivierende Wörter.“

Fast sah es am Samstagabend so aus, als würden ihm die Nerven ein weiteres Mal einen Streich spielen, doch dieses Mal gab es für McNutt das lang ersehnte Happy End. Wie sehr sich auch seine Mitspieler für ihren Teamkollegen freuen, betont Jairo Delgado, der in den letzten fünf Jahren mit McNutt auf dem Parkett stand: „Nach all den Jahren ist dieser Titel absolut verdient. Endlich konnte sich Billy in solch einem wichtigen Spiel zeigen. Auch wenn die erste Hälfte nicht gut war, war er im zweiten Durchgang omnipräsent in der Defensive und hat die Verantwortung übernommen.“ Laut Delgado ist McNutt in einem starken Ettelbrücker Kollektiv der einzige Spieler, den man nicht ersetzen kann.

McNutt, der in den letzten Jahren hartnäckig an sich arbeitete, bleibt bescheiden und stellt seine Teamkollegen in den Vordergrund: „Die Ettelbrücker Spieler und das Umfeld sind für mich wie eine Familie, deshalb bedeutet mir der Pokalsieg eine Menge. Seit 2011 hat der Verein schließlich auf einen weiteren Titel gewartet und ich hoffe, dass wir in ein paar Wochen mit der Meisterschaft nachlegen können.“

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