Nach rund 34 Jahren feuchtfröhlicher Betriebschaft verabschiedete sich das Kultlokal „The George and Dragon“ 2017 aus der luxemburgischen Barszene. Vorerst, denn ein Jahr und vier Monate später hat der British Pub seine Türen nun endlich wieder geöffnet. Mit derselben Theke, an der Politiker wie der frisch gebackene CSV-Präsident Frank Engel oder der Jazzmusiker Jimmy Wagner einst ihre Pints schlürften, erzählt Margarida Santiago die Geschichte einer Liebe, die auch nach vielen „Ups and downs“ noch lange nicht zu Ende ist.

Von Laura Tomassini

Für viele war es wie ein Aufatmen, als Margarida Santiago am 29. März letzten Jahres in einem Facebook-Post die Wiedereröffnung des „George and Dragon“ an einem neuen Standort verkündete. Über 30 Jahre lang hieß der urige British Pub Gäste aller Nationalitäten im städtischen Mühlenbach willkommen und zählte somit zum festen Treffpunkt der englischsprachigen Community im Land. Im Oktober 2017 hieß es allerdings Abschied nehmen, denn aufgrund familiärer Streitigkeiten musste das Wirtshaus in der rue Albert Unden schließen. Ein Schock für die alteingesessene Klientel, denn in den roten Kunstlederbänken des „George and Dragon“ verstecken sich so manche Kindheitserinnerungen.

„34 Jahre sind eine lange Zeit, das ist ein ganzes Leben. Hier wurden Familien gegründet und für manche war es wie ein zweites Zuhause“, sagt Margarida. Zusammen mit ihrem Ehemann Richard Andrews führte sie den Pub über viele Jahre. Sogar als der Gründer des „George and Dragon“ 2013 in Rente ging, wollte die gebürtige Portugiesin ihre Kunden nicht im Stich lassen. „Den Ort nach 18 Jahren verlassen zu müssen, war schmerzhaft, für mich und die Leute. Natürlich war es meine Verantwortung, das ist eine private Geschichte, aber ich hätte niemals gedacht, dass ich eines Tages alles mitnehmen und das Haus hinter mir lassen müsste“, so die Wirtsfrau.

Das gewohnte britische Flair

Die Trauer um ihr geliebtes Heim ist ihr anzusehen. Doch das liegt jetzt hinter ihr. Margarida will nach vorne schauen. „Wir haben die Teile wieder zusammengeklebt. Der Pub hat zwar das Haus gewechselt, aber wenn man hereinkommt, fühlt es sich an, als wäre man am selben Ort. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen“, meint sie. Zwar nicht mehr in gewohnter hellrosa Fassade, doch immer noch mit demselben britischen Flair hat das „George and Dragon“ im Januar den Betrieb wieder teilweise aufgenommen, diesmal im benachbarten Rollingergrund. Am 8. Februar fand die offizielle Eröffnung statt, und dies direkt mit vollem Haus. „Das Feedback der Leute war sehr positiv, über 200 Gäste sind erschienen und alles war sehr herzlich. Viele haben mich umarmt und mir gedankt. Das ist eine starke Unterstützung und auch ein Trost, über den ich sehr glücklich bin“, sagt Margarida mit einem Strahlen in den Augen. Denn für die dreifache Mutter war das „George and Dragon“ nicht nur ihr Arbeitsplatz, es war ihr Zuhause: „Meine Töchter sind dort geboren, ich habe den Garten selbst bepflanzt. Es ist sehr persönlich, der Pub ist wie eine Liebesgeschichte. Hoffen wir, dass das zweite Kapitel weniger tragisch wird und ein Happy End hat.“

Trotz derselben Einrichtung und Deko gibt es dann doch die ein oder andere Veränderung im neuen „alten“ George and Dragon, wie die Besitzerin verrät: „Ich plane ein Online-Projekt mit britischen Produkten, die die Leute bei uns testen und dann kaufen können. Unser Billardraum im ersten Stock wird noch mit zwei Kickertischen ausgestattet. Hunde sind im neuen Lokal erlaubt. Ansonsten bleibt aber alles beim Alten, der Pub ist ein traditioneller Ort, an dem sich die Leute treffen, um zu diskutieren, Poker und Karten zu spielen oder Meetings abzuhalten.“ Ein etwas romantischer Platz eben, wie Margarida ihn beschreibt, mit viel Austausch und Familiarität.

Schicksal des alten Gebäudes offen

Neu ist allerdings ebenfalls der Namenszusatz „Bei der Fiels“, wie die Wirtsfrau erklärt: „Unsere luxemburgische Kundschaft ist über die Jahre für uns sehr wichtig geworden. Es sind sehr treue und anerkennende Gäste, deshalb wollte ich ihnen diese Hommage widmen, denn sie haben es verdient.“ Was allerdings aus dem alten Gebäude am „Pabeierbierg“ werden soll, steht noch in den Sternen. „Bevor ich wegging, habe ich die Klassifikation des Hauses beantragt. Momentan steht es leer, es gab mal ein Immobilienprojekt, aber das wird nicht durchgehen, denn das Haus hat ein Altersproblem“, verrät Margarida. Erste Eintragungen des rosa Bauwerks gehen über 160 Jahre zurück, lange bevor es das „George and Dragon“ gab.

„Früher befand sich bereits ein wichtiges Bistro dort. Laut dem Zeugnis einiger Kunden soll es sogar mal eine Marionettenshow darin gegeben haben. Ich hoffe, es wird nie verschwinden, für mich bleibt es ‚forever George and Dragon‘“, so die gebürtige Portugiesin.

Für sie gilt es nun abzuwarten, denn nach dem Mobiliar ist es nun auch an den Gästen, mit ins neue Lokal zu ziehen. „Viele der ersten Generation sind schon erschienen und die, die zurück nach England gezogen sind, haben versprochen, bei ihrem nächsten Besuch in Luxemburg auch einen Abstecher ins George and Dragon zu machen“, sagt Margarida.
Vielleicht gibt es also doch das lang ersehnte Happy End für einen British Pub, der schon immer mit seiner Tradition und Kultur überzeugen konnte.

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