Würden heute nicht noch ein Park und eine Gaststätte seinen Namen tragen, wäre
er wohl von der breiten Öffentlichkeit vergessen. Dabei baute sich Peter Ernst I. von Mansfeld Ende des 16. Jahrhunderts in Clausen eines der prächtigsten Schlösser seiner Zeit im Gebiet der heutigen Benelux.

Dass in Luxemburg vor etwas mehr als 400 Jahren eines der größten und prächtigsten Schlösser seiner Zeit stand, ist heute wohl den wenigsten bekannt. Die Nationalarchive wollen dem Abhilfe schaffen und das Schloss Mansfeld aus der Vergessenheit holen.
Die zweisprachige Ausstellung (deutsch und französisch) – ein Ergebnis des Europäischen Jahres des Kulturerbes 2018 – basiert zum großen Teil auf bisher unveröffentlichten Forschungsergebnissen. Zu sehen sind Ausstellungsstücke aus nationalen und ausländischen Archiven und Bibliotheken. Besonders stolz ist man auf eine erst kürzlich entdeckte gezeichnete Ansicht der Stadt aus dem Jahr 1753 (in der Ausstellung ist eine Reproduktion zu sehen).

Chronologisch angeordnet erzählt die Ausstellung die Entstehung, den geschichtlichen Rahmen, den Verfall und die Zerstörung des Schlosses. Höhepunkt der Ausstellung ist ein fünfzehnminütiger Film, in dem eine Rekonstruktion des Schlosses zeigt wird, wie es außen und innen ausgesehen haben könnte.

Überreste eines herrschaftlichen Schlosses

Ein Aspekt der Ausstellung betrifft den Erhalt des Areals. In Clausen, neben der dortigen Kirche, befindet sich heute einer der wenige Überreste eines herrschaftlichen Schlosses, das sich über acht Hektar erstreckte: der Mansfeld-Park. Das damalige Schloss trug den Namen „La Fontaine“ etwas zu Unrecht, da sich rund um das Schloss nicht nur ein, sondern zahlreiche Springbrunnen befanden. Daneben gab es Skulpturen, Obst- und Gemüsegärten, einen großen Vogelbauer und sogar ein Badehaus. Neben dem Gelände des Schlosses gehörte noch ein Wildpark dazu, der sich auf dem Gebiet des heutigen Neudorf befand. Von dem riesigen Schloss sind heute noch Teile einer Fassade sowie der Garten erhalten.

Nachdem die Stadt Luxemburg die entsprechenden Grundstücke zwischen 1987 und 2002 gekauft hatte, wurde angefangen, das Areal archäologisch zu erschließen. Zwischen 2003 und 2008 wurden bei Grabungen u.a. eine Renaissance-Grotte, Relikte, Skulpturenreste und Fontänen gefunden.

Ertragreiche Grabungen

2004 gab es Pläne, das Areal in drei Bereiche aufzuteilen: eine archäologische Zone, einen Parkbereich sowie eine Wohnzone. Die Grabungen waren jedoch so ertragreich, dass die Schule, die anfangs neben der Clausener Kirche geplant war, auf das gegenüberliegende Alzette-Ufer verlegt wurde.

Im Grunde steht einer weiteren Verwertung im Sinne des Denkmalschutzes nichts im Wege, sprechen sich doch sowohl die zuständige Ministerin Sam Tanson als auch die Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, Lydie Polfer, dafür aus, das Mansfeld-Areal gebührend in Szene zu setzen. Laut Tanson wäre es ideal, wenn einerseits das archäologische Erbe für das Publikum zugänglich, das Viertel aber auch mit Leben gefüllt würde. Für Polfer stellt das Areal eine Verschönerung des Viertels Clausen dar.

Jean-Luc Mousset, Präsident der „Freunde des Schlosses Mansfeld“, hat einen sehr konkreten Wunsch: 2019 sollte endlich ein Masterplan für das Areal ausgearbeitet werden.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. April in den Nationalarchiven zu sehen.

 

Kurze Geschichte des Anwesens

Peter Ernst I. von Mansfeld (1517-1604) wurde 1545 Statthalter von Luxemburg, eine Stellung, die er 59 Jahre lang inne hatte. 1563 begann er mit dem Bau seines Schlosses, für das er sich, wie viele Adlige, die im Dienste eines Landesfürsten standen, am Stil italienischer Schlösser inspirierte. Die natürlichen Hänge in Clausen, die Felsen und das zur Stadt hin offene Tal stellten eine traumhafte Kulisse für ein Schloss dar.

Obwohl es bereits zu seinen Lebzeiten eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser auf dem Gebiet der heutigen Benelux wurde, war es zu seinem Tod 1604 noch nicht einmal ganz fertiggestellt. Mansfeld, der am Ende seines Lebens stark verschuldet war, vermachte sein „Haus“ der spanischen Krone. Die Spanier unterhielten den Bau jedoch nicht besonders gut, so dass das Schloss nach und nach verkam. Sofort nach seinem Tod (er wurde am 1. Juni 1604 in der Familienkapelle auf dem Knuedler beigesetzt) wurden die Gemälde und die Skulpturen des Schlosses nach Spanien abtransportiert und in den folgenden 200 Jahren wurde das Schloss stark vernachlässigt und teilweise zerstört.

nfangs wurden nur Teil entnommen, um sie anderswo zu verwerten, wie z.B. die Rohre, die bereits 1643 zur Herstellung von Geschossen benutzt wurden. Wenig später wurde das Zinn aus dem Badehaus herausgenommen, der Schiefer vom Dach ebenso wie das Dachstuhlholz, Steine und Marmor wurde verkauft. Große Schäden nahm das Schloss 1683 durch die Bombardierung französischer Truppen. 100 Jahre später wurde der mittlere Turm am Haupteingang abgerissen. Heute sind nur noch wenige Überreste der Gebäude und der Gärten zu sehen.

 

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