Früher waren die Kompetenzen des Job-Bewerbers das ausschlaggebende Einstellungskriterium, in Zukunft könnte es seine Lernfähigkeit sein, meint
die Manpower-Gruppe.

“Von montags bis freitags von 9.00 bis 17.00 Uhr arbeiten, das war einmal. Damals machte der Arbeitgeber die Regeln alleine.” Diese Zeit gehöre dem verflossenen Industriezeitalter an und sei heute schon Geschichte, meint die amerikanische Manpower-Gruppe, einer der drei größten Personaldienstleister weltweit.

“Heute leben wir im Zeitalter des Menschen”, so die Pressemitteilung. Nun sei nicht mehr der Arbeitgeber im Zentrum, sondern die (talentierten) Arbeitnehmer. Das Aufkommen von neuer Technologie habe dazu geführt, dass die Arbeit neu erfunden wurde.

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Human Age

Damals, im Industriezeitalter, war der Zugang zu Kapital der ausschlaggebende Faktor für den Erfolg eines Unternehmens, heute ist es der Zugang zu Talenten. Früher suchten die Unternehmen sich die besten Mitarbeiter aus, heute ist es umgedreht, die talentiertesten Mitarbeiter suchen sich die Unternehmen aus, für die sie arbeiten wollen. “Die größte Herausforderung der Unternehmen ist der Umgang mit dem ständigen Wandel”, so Philippe Lacroix, Chef von Manpower BeLux. Darauf müssten sie sich andauernd einstellen und bräuchten deshalb Mitarbeiter, die ebenso flexibel seien.

“Vorgestern rekrutierte man aufgrund der erlernten Fähigkeiten, gestern war die Leidenschaft für den Beruf wichtig und heute untersuchen wir den Willen, ständig dazulernen zu wollen”, so der HR-Experte. Das, was er meint, hat auch schon einen Namen: “Learnability”. Ein guter Arbeitnehmer zeichnet sich also vor allem durch seine Lernfähigkeit aus.

Es reicht nicht mehr, in seiner Jugend etwas zu lernen und den Rest seines Lebens von diesem Wissensschatz zu zehren. Heute spielt das Wissen eine weniger prominente Rolle, die Fähigkeit, sich neues Wissen anzueignen, aber umso mehr. Manpower hatte 19.000 Arbeitgeber weltweit befragt und ist zum Ergebnis gekommen, dass 84 Prozent vorhaben, die Kompetenzen von ihren Mitarbeitern noch vor dem Jahr 2020 zu stärken. Im Jahr 2011 waren es nur elf Prozent.

Diese neue Sicht erklärt auch die Tatsache, dass es heute immer noch Arbeitslosigkeit gibt – und gleichzeitig unbesetzte Stellen. “Früher war der Grund für die Arbeitslosigkeit ein Überangebot an Arbeitskräften”, so Manpower. Heute sei die zu spezifische Nachfrage nach Arbeitskräften der Grund. “In Zukunft werden Lernschwierigkeiten und Probleme bei der Fähigkeit, sich anzupassen, der Grund für die Arbeitslosigkeit sein”, meint Philippe Lacroix. “Es ist also äußerst dringend, eine Kultur des Lernens zu erstellen.”

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