Das beliebteste Festival in Luxemburg war ein voller Erfolg. Wieder einmal Rekordzahlen. Und die Organisatoren frohlocken. Das Festival sei einfach „eine geniale Idee“, sagt Branchenvertreter Benji Kontz gegenüber dem Luxemburger Wort.

Man kann das Hochgefühl der Automobilunternehmer verstehen. Immerhin bringt das Festival der Branche satte Gewinne. Abgas- und Dieselskandal hin oder her, der Luxemburger Kunde lässt sich nicht verunsichern.

Allein im vergangenen Jahr sind 52.811 Neuwagen in Luxemburg zugelassen worden. Konservativen Berechnungen zufolge bringt das einen Umsatz von etwa 1,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Staatshaushalt Luxemburgs liegt bei rund 18 Milliarden. „Genial“, muss man neidlos anerkennen.

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Doch was bedeuten eigentlich 52.811 Neuwagen für unsere Straßen? Google sagt, ein Auto misst im Durchschnitt 4,7 Meter Länge. Wenn man also alle Neuwagen, die im vergangenen Jahr verkauft wurden, hintereinanderreiht, entsteht ein Stau von 248 Kilometern Länge.

Nun gut, in Luxemburg gibt es ein sehr modernes zweispuriges Autobahnnetz, also misst der Stau nur noch 124 Kilometer. Das Problem: Im vergangenen Jahr sind laut Statec ebenso viele Gebraucht- wie Neuwagen verkauft worden. Der Stau beträgt also immer noch 248 Kilometer.

Wer sich an den Geografie-Unterricht in der Grundschule erinnert, wird wissen, auch ohne Google, dass Luxemburg 80 mal 60 Kilometer misst. Mit den verkauften Autos lässt sich also locker das ganze Land ein Mal kreuzweise zusetzen. Mehr noch: Es reicht sogar, um das Großherzogtum ein Mal vollkommen zu umrunden. Ja, man könnte mit den verkauften Autos eine Mauer entlang der gesamten Grenze Luxemburgs bauen. Einen Wall. Dann könnten auch keine Grenzgänger mehr auf Luxemburgs Straßen die Luft verpesten und für lästige Staus sorgen. Das wäre doch eine „geniale Idee“.

Trotzdem beschwert sich der „Piratepartei“-Abgeordnete Marc Goergen auf RTL, die Regierung würde eine „Anti-Auto-Politik“ betreiben. Klar: Der Autofahrer, das Opfer.
Auch die Erhöhung des „Sandweiler“-Beitrags um eine Pizza im Jahr löst heftigen Protest aus. Besorgte Parlamentarier schreiben parlamentarische Anfragen, besorgte Verbände verfassen Pressemitteilungen, besorgte Bürger äußern sich in sozialen Medien.
Wenn jetzt noch ein Minister auf die Idee kommen sollte, in der bevorstehenden „Fuesvakanz“ mit seinem Dienst-SUV zum Wintersport in die Alpen zu fahren, wird den besorgten Luxemburgern wohl nichts anderes übrig bleiben. Dann müssen sie ihre gelben Westen überziehen.

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