Mit dem Ettelbrücker Jairo Delgado und dem Düdelinger Tom Schumacher stehen sich im Meisterschaftsfinale zwei Freunde gegenüber, die in ihrer Karriere bereits einiges gemeinsam erlebt haben. 2012 gewann das Duo mit dem T71 zusammen den Pokal, im Nationalteam fungierten sie bis zum letzten Jahr als Co-Kapitäne. Für das Tageblatt werfen beide einen Blick auf die Stärken und Schwächen des Gegners.

Tom Schumacher über die Etzella Ettelbrück

Philippe Gutenkauf: Er ist auf jeden Fall einer der luxemburgischen Spieler, die in den letzten Jahren die stärkste Entwicklung durchlaufen haben. Es ist beeindruckend, wie viel er nach dem doch deutlich verlorenen Finale im letzten Jahr hinzugelernt hat. Philippe ist noch jung und findet immer besser in seine Rolle hinein, auch in der Nationalmannschaft. Seine größte Stärke ist sein Wurf. Er ist der Spieler, der das Etzella-Team drehen lässt.

Jairo Delgado: Über ihn braucht man wirklich nicht mehr viel zu sagen. Jairo ist der Spieler, der die Ettelbrücker Mannschaft nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Parketts führt. Seine größte Stärke ist ohne Zweifel die Defensive, er kann aber den Ball auch drehen lassen, sorgt für Assists und punktet, wenn es benötigt wird. Ich denke, dass es für ihn wichtig war, dass sein Cousin (Nelson Delgado, d. Red.) in Ettelbrück aufgehört hat. Nels hatte bei der Etzella schon diesen Legenden-Status, nach dem Ende dieser alten, goldenen Generation konnte Jairo seine eigene Sache aufbauen. Wir haben viel zusammen erlebt, wenn wir mit der Nationalmannschaft unterwegs waren, waren wir auch immer Zimmerkollegen. Ich freue mich, dass wir jetzt noch einmal die Möglichkeit erhalten, in einem Finale gegeneinander zu spielen – das wird auf jeden Fall eine witzige Sache.

Ivan Delgado: Ihn kenne ich nicht besonders gut. Mir gefällt aber, wie er seine Rolle im Team akzeptiert. Vor allem in der Defensive setzt er die Anweisungen, die er erhält, sehr gut um. Er ist ein Delgado und da hat er das Basketballtalent bereits im Blut. Er ist aber auch noch jung, was man im Pokalfinale gesehen hat, in dem er schnell ausgewechselt wurde und danach nicht mehr viel zu spielen bekam. Doch Kreso (Trainer Basic, d. Red.) gibt ihm die Chance, was auch absolut richtig ist. Hier haben wir vielleicht die Chance zu pokern, ohne ihn dabei zu unterschätzen.

Tim Coleman: Er ist der „Go-to-guy“ der Etzella. Ettelbrück ist als Team enorm stark, doch er sticht heraus. Er kann einfach alles, ist meiner Meinung nach der stärkste US-Spieler des Landes. In den kritischen Momenten ist er neben Jairo der Spieler, der die Sache in die Hand nimmt. Das ist schon erstaunlich, denn er ist nicht wirklich groß, hat aber lange Arme und so eine enorme Reichweite. Wir müssen versuchen, ihn als Team zu stoppen, anders wird es nicht gehen. Ettelbrück kann glücklich sein, wenn sie ihn in der nächsten Saison behalten werden, denn er besitzt das Potenzial, woanders auf einem höheren Level zu spielen.

Billy McNutt: Er hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht gedacht, dass er die Karriere, die er jetzt hingelegt hat, in Luxemburg machen würde. Er kann ebenfalls alles, wenn er durch seine Größe auch etwas langsamer ist. Billy besticht besonders durch seine Präsenz unter dem Korb und sorgt so dafür, dass andere Spieler frei stehen.

Ersatzspieler: Die größte Stärke der Ettelbrücker ist die Chemie innerhalb der Mannschaft. Jeder hat seine Rolle verstanden. Mir fallen da besonders Gilles Polfer und Frédéric Gutenkauf ein. Polfer besitzt großes Talent, hatte aber bisher viel Verletzungspech. Er ist jemand, bei dem entweder alles klappt oder nicht viel. Er ist so ein Kamikaze-Spieler, der einem den Abend ganz schön vermiesen kann. Wenn du so jemanden hast, der von der Bank kommt, dann kannst du glücklich sein.

Gutenkauf war einer der mitentscheidenden Akteure im Pokalfinale. Egal ob er fünf, 15 oder 35 Minuten spielt, es macht nie einen Unterschied an seiner Einstellung. Ich dachte immer, er könne nicht gut werfen, doch in dieser Saison nimmt er die Dreier und trifft viele. Nimmt man seinen Bruder aus dem Spiel, dann kommt er mit dieser unglaublichen Energie hinein, das ist als Gegner frustrierend.

Jairo Delgado über den T71 Düdelingen

Tom Schumacher: Er ist nicht zu halten, wenn er erst mal warmgelaufen ist. Ein Top-Shooter, für mich der beste luxemburgische Spieler im Land. Die Defensive war nicht immer seine Stärke, doch er hat sich hier von Saison zu Saison verbessert. Es ist immer speziell, gegen ihn zu spielen, man kann ein bisschen sagen, dass ich der defensive Tom und er der offensive Jairo ist. Wir haben beide die gleiche Einstellung, wenn wir gegeneinander spielen, dann will der eine den anderen fertigmachen. Die Einstellung, die Tom hat, macht ihn einfach so stark. Man sagt immer, er lebt für solch entscheidende Spiele – dem kann ich nur zustimmen.

Fränk Muller: Der beste luxemburgische Spieler unter dem Korb. Er ist der einzige Luxemburger, der sich hier wirklich gegen die Amis durchsetzen kann. Fränk nutzt die Dummheiten der US-Spieler eiskalt aus. In Momenten, in denen sie versuchen, von ihrer Athletik zu leben, und nicht richtig ausboxen, ist er zur Stelle. Wir müssen gut auf ihn aufpassen, denn wenn er erst mal 20 Punkte erzielt hat, wird es für uns schwer, zu gewinnen.

Eric Jeitz: Es ist absolut richtig, dass er der X-Factor ist, das trifft es genau auf den Punkt. Wenn man erlaubt, dass er wie im letzten Halbfinale 22 Punkte erzielt, dann wird der T71 gewinnen. Eric ist enorm erfahren und mit Leib und Seele dabei. Man kann sagen, dass er ein „sneaky Player“ ist, er lauert die ganze Zeit und schnappt zu, wenn er die Möglichkeit erhält. Athletisch gesehen ist er nicht der Beste, das kompensiert er aber durch seine Kämpfernatur. Wir dürfen gar nicht erst auf die Idee kommen, ihn so ins Spiel kommen zu lassen.

Miles Jackson-Cartwright: Er ist die Energie-Pille des T71 – hat er den Ball, dann puscht er sie direkt nach vorne, zieht unermüdlich zum Korb. Er ist stets in Ballbesitz. Das war vielleicht zu Beginn der Saison das größte Düdelinger Problem. Doch inzwischen kennt er die Stärken seiner Mitspieler und kann sie somit auch in Szene setzen. Mittlerweile passt er richtig gut ins Team. Wir müssen besonders auf seine Schnelligkeit achten, für mich ist er der schnellste Spieler im Land, das macht ihn so gefährlich.

Sam Logwood: Er ist sehr athletisch, meiner Meinung nach aber viel zu passiv. Wäre er auf dem Parkett aktiver, dann wäre der T71 noch stärker. Im Halbfinale hat er aber einige gute Spiele gezeigt, jetzt wissen wir auch, dass er einen Wurf besitzt. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass er jemanden benötigt, der ihn puscht, dann läuft es auch.

Ersatzspieler: Laurent Majerus ist für mich der wertvollste Reservespieler der Düdelinger. Als Fränk verletzt war, hat er ihn gut ersetzt. Er kennt seine Rolle und wenn er eingesetzt wird, dann gibt er auch Vollgas.

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