2016 sollte eigentlich Schluss sein mit Basketball. Doch dann spielte Nelson Delgado eine weitere Saison, ehe er 2017 ein zweites Mal die Basketballschuhe an den Nagel hing. Nur ein Jahr später feierte er ein “Comeback”, dieses Mal nicht als Spieler, sondern als Assistant-Coach auf der Ettelbrücker Bank.

Von Gabi Besenius

Ganz von der “Bildfläche” war Nelson Delgado eigentlich nie verschwunden. Seine beiden Kinder spielen bei der Etzella, zudem war er bei den Herrenspielen in der Halle präsent. Bereits in der vergangenen Saison wollte Etzella-Coach Kresimir Basic seinen ehemaligen Spieler als Assistenz-Trainer. Nelson Delgado willigte ein, bei den Cadets und Espoirs auszuhelfen und coachte einige Spiele. Denn einen radikalen Schlussstrich zu ziehen war keine Option für den 39-Jährigen: “Basketball war für mich stets mit Spaß verbunden. Es war mir wichtig, nach meinem Karriereende mit dem Verein in Kontakt zu bleiben, dennoch verspürte ich auf der Tribüne eine gewisse Distanz zu der Mannschaft”, so Delgado, der zugibt, dass ihm etwas fehlte nach seinem Karriereende.

Bei einem Essen einigten sich Delgado und Basic im Sommer dann über die neue Funktion des 39-Jährigen, für den jedoch direkt klar war, dass er sich nicht mit der Aufgabe, während des Spiels nur die Statistik zu notieren, begnügen würde. “Kreso überlässt mir viel Verantwortung. Wir machen beide Videoanalysen, gleichen unsere Resultate ab und sprechen die Taktik ab. Und für mich ist es auch schön, wenn ich nach dem Spiel das Gefühl habe, Einfluss gehabt zu haben.” Kresimir Basic sieht das neue Engagement von Delgado als logische Konsequenz: “Bei einem Spieler, der national so viel geleistet hat, ist es nur ein natürlicher Lauf der Dinge, dass er im Bereich des Coachings weitermacht. Er kann den Nachwuchstalenten sein großes Wissen weitergeben. Er kennt alle und ist somit eine Art Brücke zwischen mir und ihnen”, so der Kroate.

Während der Trainingseinheiten besteht Delgados Aufgabe somit vor allem darin, die jungen Spieler zu verbessern. Außerdem sieht er sich als Motivator: “Wir trainieren fünf Mal die Woche, da sind die Spieler auch schon mal müde. Ich versuche, die Jungs zu motivieren und für gute Laune zu sorgen.”

Acht Pokaltriumphe

Hat man als ehemaliger Spieler kurz nach dem Karriereende denn nicht manchmal Lust, selbst wieder den orangefarbenen Ball in die Hand zu nehmen? In dem Punkt ist Delgado sehr streng: “Ich spiele in der B-Mannschaft, was mir sehr viel Spaß bereitet. Doch zum Training nehme ich nie die Basketballschuhe mit. Wenn nur sieben Spieler beim Training sind, dann sind eben nur sieben Spieler da. Mein Weg ist gemacht, jetzt ist es an den jungen Spielern …”

Sieht man sich den Weg des Spielers Nelson Delgado an, ragt vor allem der Gewinn von acht Pokalen heraus, wobei der Triumph 2007 gegen Contern ihm in besonderer Erinnerung bleibt: “Es war definitiv kein schönes Spiel. Da wir nach einem klaren Rückstand doch noch siegten, war es ein Finale der großen Emotionen.” Die vielen Pokalendspiele erlauben es ihm auch, seine Erfahrungen an die jetzigen Spieler weiterzugeben: “Vor dem Endspiel gebe ich vor allem einen Ratschlag: Nichts an den Gewohnheiten ändern! Wenn man sich das ganze Jahr über ungesund ernährt, hilft es auch nichts, eine Woche vor dem Finale die Ernährung umzustellen. Und auch am Tag des Endspiels sollte man die gleichen Routinen wie vor jedem Spiel beibehalten. Ich rede sehr viel mit den Spielern und versuche, ihnen die Nervosität ein wenig zu nehmen”, erklärt der Ettelbrücker, der heute Abend erstmals nicht als Spieler in der Coque ein Endspiel bestreiten wird: “Dabei werden sicher Emotionen hochkommen, das war auch schon im Halbfinale der Fall.”

Als Tabellenführer mit einer Bilanz von 22 Siegen und nur einer Niederlage in der Meisterschaft geht die Etzella als Favorit in das Pokalendspiel, was für Delgado nicht unbedingt einen Vorteil bedeutet. “Wir können in diesem Finale eigentlich nur verlieren. Vielleicht stehen die Chancen 51 zu 49 zu unseren Gunsten, da wir drei Mal gegen Steinsel gewonnen haben. Aber man darf nicht vergessen, dass die Amicale eine große Finalerfahrung besitzt. Spieler wie Bobby (Melcher) oder Pitt (Koster) wissen, wie es läuft. Yann (Wolff) macht eine super Saison. Die Amicale ist vergleichbar mit einem angeschossenen Tier, das noch längst nicht tot ist. Sie wissen, dass sie mit dem Pokal ihre Saison retten können”, warnt Delgado, für den feststeht, dass die Etzella den Rhythmus diktieren muss, um gegen Steinsel zu bestehen.

Der Wunsch nach Wiedergutmachung ist bei den Ettelbrückern groß: Die bittere Niederlage im Pokalendspiel sowie die verlorenen Meisterschaftsfinals vom Vorjahr sind nicht vergessen. Nach seinen Erfolgen als Spieler wünscht sich Delgado den Titel für die Mannschaft: “Die Jungs sind aufgewachsen mit Geschichten über Nels oder Gilles (Becker, d.Red.). Das ist schön und gut, doch jetzt ist es an ihnen, Geschichte zu schreiben.”

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