In unserer neuen Rubrik „Auf den Punkt mit …“ fühlen wir Akteuren aus der BGL Ligue auf den Zahn – und zwar auf eine etwas andere Art. Im Interview mit dem Differdinger Gilles Bettmer ging es um Bentleys, Manuel Cardoni und Paris SG.

Tageblatt: Für welchen Verein würden Sie heute spielen, wenn es nicht zur Fusion gekommen wäre?

Gilles Bettmer: Für die AS Differdingen. Ich habe mir ein AS-Trikot auf das Bein tätowieren lassen. Ich bin am „Foussbann“ aufgewachsen und mein Vater hat dort die Trainings geleitet.

Sie sind also neben dem Stadion aufgewachsen. Hatten Sie trotzdem eine besondere Verbindung zum Thillenberg?

Auf jeden Fall. Es war eine tolle Zeit, obwohl ich nicht sehr lange dort gespielt habe. Aufgrund der Stehtribünen herrschte eine komplett andere Atmosphäre.

Früher war Trainer Paolo Amodio nach den Spielen der Chef am DJ-Pult. Hat er diesen Job erneut übernommen?

So viele Gelegenheiten hatte er ja bislang noch nicht. Ich kann es mir aber sehr gut vorstellen. In den Kabinen macht das übrigens Alex Semedo, der diese Rolle sehr schnell übernommen hat.

War Ihr aktueller Trainer jemand, zu dem Sie als junger Spieler aufgesehen haben?

Ich habe nicht so viel davon mitbekommen, da ich zu dieser Zeit im Ausland war. Als Kind bin ich mit meinem Großvater, einem „Jeunesser“, oft auf der „Grenz“ gewesen. Herausragend fand ich damals immer Manuel Cardoni.

Es ist Ihnen wohl nicht entgangen, dass Ihre Kritiker sich gerne über Ihr „Bäuchlein“ unterhalten?

„Den Décken“, ich weiß. Ich bin nicht der Schmalste, aber das stört mich nicht. Ich habe ja jetzt wieder etwas abgenommen, falls meinen Kritikern das entgangen sein sollte …

Wann haben Sie den Gedanken an eine Profikarriere aufgegeben? Ist es etwas, das Sie viel beschäftigt hat?

Das Milieu in Trier hat mich nicht gerade begeistert. Spätestens als ich wieder nach Luxemburg zurückgekehrt bin, stand fest, dass es wohl sehr schwer werden würde, wieder ins Ausland zu gehen. Klar wäre eine Profikarriere toll, aber da fehlt dann das Privatleben. Ich hatte eigentlich schnell damit abgeschlossen.

2011 haben Sie 180 Minuten gegen den PSG gespielt. Was ist die schönste Erinnerung?

Das Erste war die Kapitänsbinde, die Paolo mir damals anvertraut hatte, um gegen diese Stars zu spielen. Ich selbst hatte ihren Brasilianer, Ceará, getunnelt. Beeindruckend war natürlich auch die Tiefgarage in Paris. Dort standen neben fünf Bentleys Ferraris und die dicksten Porsche. Es gab nur einen, der bodenständig war: Ménez fuhr einen Smart.

Aus der langen Europapokalgeschichte des Vereins gibt es bestimmt unzählige Anekdoten. Was war das Lustigste, was Sie auf diesen Reisen erlebt haben?

In Griechenland wurde Volos bekanntlich disqualifiziert. Als Mannschaft hatten wir uns entschlossen, nach dem Auswärtsspiel ein Wochenende dranzuhängen. Die Auslosung haben wir am Strand verfolgt und auch dort erfahren, dass wir gegen den PSG spielen würden. Da wurde natürlich noch etwas mehr gefeiert. Logischerweise sind mir auch die langen Partynächte in Erinnerung geblieben. Es war manchmal morgens ganz schön anstrengend im Flugzeug. Das gehört dazu.

Man gab uns den Tipp, Sie zu fragen, was montags nach dem Training los ist.

Das war bestimmt Patrick Worré? (richtig, d. Red.) Wir haben einen Männerabend eingeführt. Da die meisten jetzt Familienväter sind und nicht das ganze Wochenende unterwegs sein können, gehen wir eben montags gemeinsam etwas trinken.

Sind Sie im Laufe Ihrer Karriere eigentlich einem Menschen über den Weg gelaufen, der „fußballverrückter“ war als der aktuelle Freiburg-Coach Christian Streich (sein Trainer bei Freiburgs A-Junioren)?

Nein. Er war auch vom menschlichen Aspekt her ein toller Coach. Ärgere ihn allerdings nicht, sonst bekommst du nicht den zweiten, sondern den fünften Preis … Für ihn zählt nur Fußball. Es war beeindruckend. Mit jedem seiner Worte hat er die Spieler motiviert. Ich war Teil der ersten Mannschaft, mit der er den A-Junioren-Titel geholt hat. Er wird irgendwann einmal im Stadion an einem Herzinfarkt sterben. Für Freiburg hat er die richtige Mentalität, er ist bodenständig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Trainer gibt, der jeden Tag mit dem Fahrrad zum Training fährt. Der Kontakt brach ab und ich weiß nicht, ob er sich an mich erinnern würde. Er hat es mit so vielen Spielern zu tun … Er verpasst kein Spiel, von der Jugend bis ganz nach oben.

Ihre Schwester spielte für den Erzfeind aus Niederkorn …

Oh ja, einen schweren Fehler nennt man das. Nein, im Ernst, für sie war es die Möglichkeit, auf einem guten Niveau zu spielen, da es hier kein Team gab. Es war halt blöd, dass es ausgerechnet in Niederkorn war. Wichtiger war, dass sie trotzdem Déifferdeng-03-Fan ist.


3 Fragen zum Wochenende

Geht die Rückrunde mit dem Derbysieg nun endlich richtig los?

Wir hoffen es. Man hat gesehen, dass wir viel Kampfgeist an den Tag gelegt haben. Es war wieder „das Déifferdeng“, das die Leute kennen. In Rümelingen wird es allerdings kein Selbstläufer, dort haben wir uns immer schwer getan.

Im Hinspiel führte Déifferdeng 03 noch bis zur 88. Minute mit 3:0 und hatte Glück, dass die Partie nicht mit einem Unentschieden endete …

Wir waren an diesem Tag spielerisch gut drauf, haben auch nichts anbrennen lassen. Dann fiel dieses erste Gegentor aus dem Nichts, gleich danach noch eins und plötzlich brannte es. Wir hätten am Ende mit einem Punkt dastehen können, obwohl sie gar nichts vom Spiel hatten.

Aufgrund dieser Erfahrung dürfte D03 gewarnt sein?

Wir haben schon ewig nicht mehr dort gewonnen, aber wir müssen beweisen, dass wir wieder da sind. Man hat gesehen, dass ein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist.

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