Der Niederkorner Mittelfeldspieler Dzenid Ramdedovic mag Fleischiges vom Balkan, seine Arbeit als Polizist und verabscheut Gegenspieler, die sich in der Kabine verstecken. 

Tageblatt: Miami Vice oder Police Academy?

Dzenid Ramdedovic: Police Academy. Dieser Film zeigt, dass man auch bei der Polizei Spaß haben kann. Es war aber nicht der Grund, warum ich Polizist wurde. Ich mag vor allem die Vielseitigkeit in meinem Job.

Wie viele Hollywood-Klischees erfüllt Ihr Job?

Wir trinken sicherlich auch mal einen Kaffee bei der Arbeit und essen etwas. Donuts gibt es nicht, aber wir sind auch nur Menschen und müssen uns ernähren. Deshalb sehen die Menschen uns ab und zu an der Tankstelle. Dauerhaft Action gibt es auch nicht. Luxemburg ist gefährlicher geworden, aber im Vergleich zum nahen Ausland noch sehr ruhig.

Cevapcici oder Thüringer?

Natürlich Cevapcici. Ein Mensch, der vom Balkan stammt und lieber Thüringer isst, macht sich nicht viele Freunde. Cevapcici sind für mich ein absolutes Must.

Welches Vorurteil über Menschen aus Ex-Jugoslawien nervt Sie am meisten?

Dass man kriminell ist und immer ein Messer in den Socken stecken hat. Das rührt daher, dass die ersten jugoslawischen Emigranten oft sehr viel für dieses Vorurteil gemacht haben. Das trifft aber nicht auf meine Generation zu. Mittlerweile gibt es Menschen vom Balkan in jeder Gesellschaftsschicht. Wir sind in der Politik, im Sport, in den Banken und in der Staatsanwaltschaft vertreten. Die Integration wird immer besser und nach und nach verschwinden die Vorurteile.

Warum nennt man Sie eigentlich Dino?

Meine Tante wollte, dass ich diesen Namen trage. Irgendwann hat sie mich vom Kindergarten abgeholt und „Dino“ gerufen. Ab diesem Moment haben mich alle Kinder so genannt, weil es sie an einen Dinosaurier erinnert hat. Es gibt sogar eine ganz lustige Anekdote zu meinem Namen: Als ich meine erste Lizenz bei der Jeunesse unterschreiben wollte, musste ich eine Geburtsurkunde abgeben. Auf dieser war natürlich mein richtiger Name Dzenid eingetragen. Mein damaliger Trainer gab sie mir wieder zurück, weil er davon ausging, dass ich eine falsche Geburtsurkunde abgegeben hätte. Meine Eltern haben das Missverständnis dann aufgelöst.

Ist Aleksandre Karapetian der verrückteste Spieler, mit dem Sie bisher gespielt haben?

Er ist schon sehr verrückt. „Kara“ ist dauernd am Handy, hat keine ruhige Sekunde und alles dreht sich um sein Business. Auf dem Platz macht er total verrückte Sachen und trifft aus unmöglichen Lagen. Ich mag ihn – wir haben ein sehr gutes Verhältnis.

Was war der blödeste Platzverweis, den sie bekommen haben?

Davon gibt es zwei. Im Pokalfinale 2012 mit der Jeunesse gegen Differdingen kam es in der Halbzeitpause zu einem Wortgefecht mit Michel Kettenmeyer. Wir standen uns Kopf an Kopf gegenüber. Leider hat der Schiedsrichter es als Kopfnuss interpretiert. 2013 habe ich mir in der Europa League in der ersten Halbzeit innerhalb von 16 Minuten zwei Gelbe Karten eingefangen. Ich war damals nicht reif und habe von der Jeunesse zu diesem Moment viel Gegenwind bekommen. Diese beiden Platzverweise haben mir aber geholfen, besonnener auf dem Platz zu agieren.

Trotzdem haben Sie ab und zu Probleme, Ihr Temperament zu zügeln. Kürzlich gab es eine Auseinandersetzung mit Fola-Spieler Tom Laterza.

Die „Roud vum Bierg“ mag ich eh nicht. In diesem Fall hat er mir aus 40 Metern etwas zugerufen und sich danach in seiner Umkleidekabine verkrochen. Ich habe keine Angst, jemandem etwas ins Gesicht zu sagen. Er hat es vorgezogen, sich hinter seinen Teamkollegen zu verstecken und mich zu beleidigen. Das hat mir nicht gefallen und das habe ich ihm gesagt. Das Problem wurde aber schnell beiseitegeschafft.

Wie war das Gefühl, als Sie mit 20 Jahren zum Jeunesse-Kapitän ernannt wurden?

Das war einer der schönsten Tage in meiner Karriere. Ich bin nichts ahnend vor dem Derby gegen Fola in die Kabine gekommen und Trainer Sébastien Grandjean hat mir die Kapitänsbinde überreicht. Ich habe einmal tief durchgeatmet und 90 Minuten gespielt, die ich nie vergessen werde.

Wird es irgendwann eine Rückkehr zur Jeunesse geben?

Ich habe den Verein damals verlassen, weil Versprechen nicht eingehalten wurden. Es gab keine Dankbarkeit für meine Loyalität. Ich bin auch nicht der Einzige, der die Jeunesse unter seltsamen Umständen verlassen hat. Es ist schade, denn als Kind war es mein Traum, einmal auf der „Grenz“ zu spielen. Mittlerweile hat der Verein seine Seele verkauft und bekommt seine Spieler aus Düdelingen. Das wäre vor Jahren unvorstellbar gewesen. Aber das muss mich eigentlich nicht kümmern. Ich fühle mich wohl in Niederkorn und habe hier einen Schritt nach vorne gemacht.

 

3 Fragen zum Wochenende

Warum ist Niederkorn so unkonstant?

Der Wurm ist irgendwie drin. Gegen Fola haben wir eine gute Partie abgeliefert und danach gegen Mondorf konnten wir wieder einmal nicht nachlegen. Jeder muss sich jetzt noch stärker infrage stellen. Vor uns liegen zwei wichtige Duelle gegen Düdelingen. Das Ziel muss es sein, den Pokal zu gewinnen. Das ist in diesem Jahr der einfachste Weg, um einen Titel zu gewinnen. Es fehlen uns nur noch zwei Siege.

Ist ein Sieg gegen Düdelingen nach dem Punktverlust gegen Mondorf fast schon Pflicht?

Wenn man gegen kleinere Mannschaften Punkte verliert, dann muss man sie irgendwo aufholen. Und wenn man oben mitspielen will, dann muss man auch mal gegen den amtierenden Meister gewinnen

Sind Sie zufrieden mit ihrer Spielzeit?

Nein, ich hatte mir mehr erwartet. Über die Zeit unter Ex-Trainer Paolo Amodio will ich nicht reden. Zuletzt haben wir gewonnen, als ich auf dem Platz stand. Danach habe ich mich verletzt. Jetzt will ich wieder angreifen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here