Bereits zum 45. Mal fand am Wochenende die „Antiques & Art Fair Luxembourg“ in den Ausstellungshallen auf Kirchberg statt. Rund 100 Galeristen stellten ihre prächtigsten Stücke in der Luxexpo The Box aus und lockten neben neusten Werken der modernen Kunst vor allem mit raren Antiquitäten. 

Von Laura Tomassini

Gleich beim Betreten der Messe wehte den Besuchern der etwas eigene und doch so nostalgische Geruch von altem Mobiliar entgegen. Fast wie in einer Filmkulisse präsentierten sich lederne Polstersessel, edle Lüster und verzierte Teppiche von ihrer schönsten Seite, um so die Blicke der Passanten auf sich zu lenken. Gleich links in der großen Ausstellungshalle führte „Tapissier“ Christian vom Bereldinger Atelier „Questiaux“ sein Können beim Neubezug eines antiken Stuhls vor, direkt daneben strahlte der Schmöker „Imperial Shakespeare“ der Brüsseler „Librairie Intermède“ in rotem Einband mit goldenen Verzierungen. Ein wahrer Augenschmaus für Liebhaber von allem, was Geschichte hat und schon so manche Generation überlebte.

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Auch die Holzskulpturen von Emmanuel Nde Feukam schienen aus einer anderen Zeit zu stammen und sind Zeugen der Kultur seines Landes. Bereits als junger Student wurde der Besitzer von „Totem Art“ auf den Wert von traditionellen Kunstobjekten aufmerksam – jenen, der nicht mit Geld bezahlt werden kann. „Ich studierte damals Journalismus in Belgien und während eines Philosophiekurses sprachen wir über die Kontroverse von Valladolid“, erinnerte sich Feukam.

Beim Diskurs zur Versklavung der Amerindianer im 16. Jahrhundert ging es ganz fundamental um die eine Frage: Haben einheimische Völker eine Seele, die es unmoralisch macht, sie zu versklaven? „Diese Frage wurde bei Afrikanern nie gestellt und das hat mich persönlich sehr getroffen“, erklärte er. Nach seinem Abschluss an der Universität reiste der junge Journalist nach Kamerun und besuchte dort eine Kunstgalerie. „Es war genau da, wo alles anfing. Ich war auf der Suche nach etwas, mit dem ich den Menschen in Europa zeigen konnte, was Afrika wirklich ist, und genau da hatte ich es gefunden“, so Feukam.

Die Leidenschaft für traditionelle Kunst aus seinem Land war geboren. Für Feukam begann eine neue Reise. „Was ich hier ausstelle, ist nur eine Momentaufnahme von über 20 Jahren Erfahrung“, erklärte der Galerist. Seine Stücke stammen aus Kollektionen von europäischen Sammlern und sind wahre Meisterwerke der afrikanischen Kultur. „Manche der Skulpturen findet man sonst nirgends auf der Welt, sie sind absolut einzigartig. Diese zum Beispiel, das ist eine der schönsten Mutterschaften, die ich je gesehen habe“, meinte Feukam. Aber auch ein kleineres, helles Totem sorgt bei Kennern für Begeisterung, wie Feukam verrät: „Dieses Stück kam 1934 durch einen Territorialverwalter aus Kongo nach Belgien. Es ist ein wahres Ereignis, sehen Sie sich die Platzierung der Arme an, diese Dynamik, das ist einfach der Wahnsinn.“

Große Kunst wird nicht verkauft

Ebenfalls ganz besonders waren die funkelnden Anstecknadeln, welche die Ungarin Beatrix Bakos am Stand 2C17 verkaufte. Mit ihrem Slogan „ausgefallener Designer-Modeschmuck aus alten Zeiten“ traf die Besitzerin von „Costume Jewelry“ voll ins Schwarze, denn in ihre erfahrenen Hände kommt nur, was heraussticht. „Meine Hauptspezialität ist Bühnenschmuck aus Hollywood und New York von berühmten Designern, die vor 1920 in die USA ausgewandert sind“, erklärte die Sammlerin. Als Studentin entdeckte sie durch eine Antiquitätenhändlerin in Salzburg die Welt des nachgeahmten Schmucks und hat seither Tausende von funkelnden Einzelstücken aus Kalifornien nach Europa gebracht. „Damals wurde echter Schmuck für die Bühne kopiert, das war eine ganz fantastische handwerkliche Leistung“, sagte Bakos.

Eines ihrer ausgestellten Lieblingsstücke ist eine schlüsselförmige Brosche des Modeschmuck-Produzenten Gustavo Trifari: „Sie hat etwas Royales an sich. Die Nachahmung der Steine ist von feinster Qualität, ebenso wie die detaillierte Verarbeitung. Ich verkaufe die Brosche hier für 880 Euro, in echt würde sie etwa das Zehnfache kosten.“ Eigentlich ein Schnäppchen, auch wenn die Preise der Messe insgesamt wohl eher nicht fürs kleine Portemonnaie gedacht waren. Kenner wie Beatrix Bakos und Emmanuel Nde Feukam aber wissen: „Große Kunst wird nicht verkauft, sie wird weitergereicht, denn eigentlich ist ihr Wert einfach unbezahlbar.“

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