Im Dezember 2008 ist ein Ehepaar in Bereldingen von Einbrechern in seiner Wohnung überfallen und misshandelt worden. Vier Männer und eine Frau müssen sich nun vor Gericht dafür verantworten. Tag drei des Prozesses.

Die vier Täter verschafften sich am 23. Dezember 2008 gewaltsam Zutritt in die Wohnung des Ehepaares, die sich im zweiten Stock befand. Das heute 85-jährige Opfer wurde überwältigt und sofort umgestoßen. Die Frau wurde mit Klebeband gefesselt und geknebelt. Einer der Männer soll sie mehrmals ins Gesicht geschlagen haben. Ärzte stellten zudem fest, dass ihre Hand bei dem Überfall gebrochen wurde.

Durch den Schock verlor das Opfer für kurze Zeit das Bewusstsein. Einer der Täter übergoss die Frau dann mit kaltem Wasser. Auch ihr Mann, der mittlerweile verstorben ist, wurde von den Tätern zusammengeschlagen und bedroht. Ihm wurden während des Raubüberfalls unter anderem drei Rippen gebrochen. Die Frau wurde anschließend mit vorgehaltener Waffe gezwungen, den Safe zu öffnen. Sie weigerte sich jedoch zunächst. Einer der Täter soll dem Ehepaar dann mit dem Tod gedroht haben.

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Neben einer Geldsumme von 3.500 Euro in bar konnten die Kriminellen Schmuck im Wert von rund 50.000 Euro sowie mehrere Luxusartikel erbeuten. Zu Beginn des Prozesses wurde noch von einem höheren Schmuckwert gesprochen. Grund hierfür sollen Fehler beim Umrechnen von Franken in Euro gewesen sein.

Kein Geld erhalten

Das Opfer, das am Dienstag vor der Richterin ausgesagt hatte, war sich sicher, dass es sich bei den vier Angeklagten um die Täter von damals handelt. Gestern durften die Anwälte der Beschuldigten Fragen an den ersten Ermittler der Kriminalpolizei stellen. Diese drehten sich vor allem um die geführten Telefonate der Täter während des Raubüberfalls.

Eine teure Briefmarkensammlung rührten die Einbrecher nach telefonischer Absprache mit einer fünften Person nämlich nicht an. Diese ist ebenfalls angeklagt und wird verdächtigt, den Raubüberfall geplant zu haben.

Ein zweiter Ermittler der Kriminalpolizei sagte aus, die Täter sollen Handschuhe getragen haben. Brauchbare Spuren fanden die Beamten keine. Sie konnten lediglich unzählige Schals, die mit einem dicken Knoten versehen waren, und zwei schwarze Gürtel sicherstellen. Diese und andere Utensilien wurden dann zur DNA-Untersuchung an einen Experten nach Stuttgart geschickt.

Anschließend sagte der Angeklagte Sendy F. aus: Ein Imbissbesitzer aus Forbach, bei dem er öfter zu Gast gewesen sein soll, habe ihm eines Tages einen Architektenplan und Fotos einer Immobilienfirma von einer Wohnung in Luxemburg gezeigt – mit der Anmerkung, dass es dort einen Geldschrank mit einer größeren Geldsumme gebe. F. soll anschließend damit beauftragt worden sein, das Verbrecher-Quartett zusammenzustellen. Er sollte die anderen nach Luxemburg fahren und den Safe dann leeren. Vor der Richterin gab F. an, die anderen drei über den Plan des Überfalls in Kenntnis gesetzt zu haben.

Als Gegenleistung sollen ihm 500 Euro versprochen worden sein. Allerdings habe er den Überfall nicht wegen des Geldes begangen, sondern aus Angst vor dem Imbissbesitzer. Dieser sei der Drahtzieher gewesen und habe ihm Sturmhauben, drei Mobiltelefone und Klebeband für den Überfall besorgt. Die Beute habe der Fahrer noch am Tag der Tat beim Imbissbesitzer abgegeben. Als dieser die erbeuteten Wertgegenstände und das Geld sah, soll er den Fahrer angeschrien und ihn mit dem Tod bedroht haben, weil die Ausbeute zu gering ausgefallen sei. Der Fahrer sagte aus, dass niemand von den vier, die am Überfall beteiligt waren, jemals etwas von der Beute gesehen habe.

Senior blieb für den Rest seines Lebens geschädigt

Insgesamt forderte der Anwalt des Opfers 305.426,34 Euro Schadensersatz für das Ehepaar. Er ging besonders auf den Gesundheitszustand des Mannes ein, der sich nach dem Überfall drastisch verschlechtert hatte. Bis zu seinem Tod im Jahr 2014 konnte der Mann aufgrund des Überfalls nicht mehr richtig gehen.

Wegen der Spätfolgen musste sich der Mann mehreren Operationen unterziehen. Seine Frau bleibt bislang auf einem Schaden von 13.000 Euro sitzen, da die Versicherung nicht für diese Summe aufkommen wollte.

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