Die Jäger der Regierung vor, nicht aktiv genug auf die Afrikanische Schweinepest zu reagieren, die ihren Weg nach Luxemburg gefunden hat. Sie wollen mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras ausgerüstet werden. 

Die Luxemburger Jägerschaft ist besorgt. Seit einigen Monaten schon gibt es Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Belgien. Die Regierung in Luxemburg unternehme aber nichts, lautet die Kritik. Dabei spielt Luxemburg nach Ansicht der Jäger eine wichtige Rolle in der Eindämmung der Epidemie. Das Umweltministerium wiederum kann eine ganze Reihe von Aktivitäten vorweisen, mit denen sie die Ausbreitung der Schweinepest verhindern will. Der Jagdverband Saint-Hubert habe vor einem Jahr schon gesagt, Luxemburg müsse vorbereitet sein, erklärt Marc Reiter, der Vizepräsident des Jägerverbandes. Damals hatten die Jäger gesagt, sie bräuchten Ausrüstung und dass man sich Gedanken machen müsse, längere Jagdzeiten für Wildschweine einzuführen.

Seit dem Bekanntwerden des ersten Falles in Belgien verlangen die Jäger konkrete Aktionen. Der Staat verwalte die Situation aber nur und handele nicht proaktiv, sagt Marc Reiter. “Wir dürfen nicht warten, bis wir einen Fall haben”, unterstreicht der Vizepräsident. Das Thema Afrikanische Schweinepest ist nicht neu. Der Jagdverband Saint-Hubert hatte bereits vor einem Jahr davor gewarnt, als sich die für Schweine tödliche Krankheit in Osteuropa ausgebreitet hatte. Die Krankheit bewegte sich zu diesem Zeitpunkt mit 50 Kilometer im Jahr in westliche Richtung. Die Fälle, die am nahsten an Luxemburg festgestellt wurden, traten in Ungarn und der Tschechischen Republik auf.

Die für Menschen unbedenkliche Krankheit könnte allerdings schneller nach Luxemburg gelangen, wenn etwa infizierte Fleischprodukte ihren Weg ins Großherzogtum finden (zum Beispiel als Proviant eines Fernfahrers), hatte damals Felix Wildschutz, der Direktor des Veterinäramtes, gesagt. Marc Reiter hält es für möglich, dass die Schweinepest so oder ähnlich den Sprung nach Belgien geschafft hat. Der Jäger hat eine genaue Vorstellung davon, wie nun vorzugehen ist. Und Luxemburg spielt bei diesem Vorhaben eine entscheidende Rolle.

Nachtsichtgeräte für Jäger

Die Gegend, in der die Seuche aufgetreten ist, nennt Reiter den Kernbereich. Hier darf ihm zufolge nicht gejagt werden, da sonst das Risiko besteht, dass die Schweine flüchten und die Krankheit weiter verbreiten. Hier lässt man den Virus seine tödliche Arbeit verrichten. Um diesen Kernbereich herum liegt eine Zone, in der nur sehr vorsichtig gejagt werden darf. “Stressarm”, wie es der Jäger nennt. Das heißt, eine Treibjagd kommt auch hier nicht infrage. Es folgt eine weitere – zweite – Zone. In dieser liegt Luxemburg, so Marc Reiter. Hier müsse der Wildschweinbestand so stark wie möglich verringert werden.

Wildschweine sind dämmerungsaktive Tiere, erklärt Reiter. Will man sie nicht durch eine Treibjagd aufscheuchen, können sie nur durch Ansitzen gejagt werden. Dafür bieten sich den Jägern zwei Zeitfenster. Eines von 45 Minuten am Morgen und eines von 45 Minuten am Abend. Hierfür wollen die Jäger die richtige Ausrüstung erhalten. Nachtsichtgeräte und Wärmebildkameras etwa. Im Ausland sei es ganz normal, dass die Jäger derart ausgestattet werden. Warum die Luxemburger Verwaltung sich sträubt, die Jäger so auszurüsten, ist Reiter unverständlich. Durch solche Geräte könnten die Jäger besser sehen, ob es sich bei dem erspähten Tier etwa um eine Bache mit Frischlingen handelt oder nicht.

Wenn die Schweinepest es nach Luxemburg schaffe, dann müsse man Seuchenbekämpfung betreiben und die Schweine vernichten. “Und das will nun wirklich niemand”, sagt Reiter.
Die belgische und die luxemburgische Regierung wollen dieses Szenario auch verhindern. Belgien hat deshalb an der Grenze zu Luxemburg einen Zaun errichtet. Luxemburg will parallel dazu einen zweiten Zaun bauen. Er soll von Armee und Straßenbauamt errichtet werden. In einer zweiten Phase soll zwischen den beiden Zäunen eine “Zone blanche” entstehen. Beschlossen ist, dass in diesem Gebiet alle Wildschweine geschossen werden, bestätigte am Mittwoch Umweltministerin Carole Dieschbourg.

Jäger erreichen minimale Abschussquote nicht

Aus ihren Schilderungen geht hervor, dass ihre Verwaltung in den vergangenen Monaten nicht inaktiv war. Zum einen wurde eine Taskforce eingerichtet, in der die Jäger eingebunden sind. Sie würden immer über alles informiert werden. Außerdem stünden ihre Mitarbeiter in engem Kontakt mit ihren Kollegen im Ausland. Nicht zuletzt wurde eine “Zone de surveillance” im Süden des Landes eingerichtet. In diesem Gebiet wurde die Schonzeit für Wildschweine ausgesetzt. “Wir wollen alles dafür tun, dass die Schweinepest nicht zu uns herüberkommt”, erklärt Carole Dieschbourg.

Gleichzeitig betont die Umweltministerin, dass die Wildschweinjagd in Luxemburg nicht verboten ist. Tatsächlich fordert die Naturverwaltung wegen der Schweinepest seit 2014, die Zahl der Wildschweine müsste reduziert werden. Die Jäger dürfen so viele Wildschweine schießen, wie sie wollen. Es gibt minimale Abschussquoten, die die Jäger allerdings nicht erreichen. Dass die Zahl der Abschüsse in der “Zone de surveillance” zuletzt gestiegen ist, freut die Ministerin. Eine Einschränkung gibt es allerdings. Seit 2011 ist das nächtliche Jagen in Luxemburg verboten. Seitdem stellen die Jäger immer wieder eine Reihe von Forderungen, so Dieschbourg. Darunter auch jene nach Ausrüstung.

Bislang keine kranken Schweine in Luxemburg

Landwirtschaftsminister Romain Schneider hat die Öffentlichkeit am Mittwoch darüber informiert, dass in Luxemburg 131 Proben von toten Wildschweinen auf den Afrikanischen Schweinepesterreger hin getestet worden sind. Darunter sowohl tot aufgefundene Kadaver als auch erlegte Tiere. In allen Fällen waren die Ergebnisse negativ. Ein infiziertes Schwein wurde in Belgien in der Nähe des Zaunes gefunden. Für Schneider ein Hinweis, dass der Zaun funktioniert.

Der Minister unterstreicht, dass es bisher gelungen ist, die Schweinepest aus den landwirtschaftlichen Betrieben fernzuhalten. Die Krankheit kann von Wildschweinen auf Hausschweine übertragen werden. Aasfresser, die sich an infizierten Schweinekadavern zu schaffen machen, könnten die Krankheit zum Beispiel übertragen, wenn sie infiziertes Gewebe im Fell hängen haben. Bislang sind weder in Luxemburg noch im benachbarten Belgien Hausschweine an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt.

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